bagasch  

[monochrom] WG: Konferenz zum Thema Pornografisierung von G esellschaft FH Köln 28.- 30.102010 - Call for Paper

eSeL
Fri, 19 Mar 2010 03:53:54 -0700

für monochromisten (insbes. den neuerdings 17jährigen johannes) >:e)


Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

>  
> Konferenz zum Thema "Pornografisierung von Gesellschaft?!"
> 28. bis 30. Oktober 2010 an der FH  Köln
> Veranstaltet wird die Konferenz von der Fachgruppe „Medienpädagogik“ der 
> Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft 
> (DGPuK), der Fachgruppe „Medien und Geschlechterverhältnisse“ der 
> Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und dem 
> Institut für Medienforschung und Medienpädagogik an der FH Köln (IMM).
>  
> Nähere Infos anbei!
>  
(...) 

nachtrag:
da bagasch scheinbar keine attachments zulässt hier copy-paste des 
ausschreibungstextes: 

-------------- schnipp -----------------------------------------

Call for Paper
„Pornografisierung von Gesellschaft?!“
28. bis 30. Oktober 2010, Köln
Konferenzort: FH Köln Organisation: Fachgruppe „Medien und 
Geschlechterverhältnisse“ der Gesellschaft für Me- dienpädagogik und 
Kommunikationskultur (GMK), Fachgruppe „Medienpädagogik“ der Deutschen 
Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), Institut 
für Medienforschung und Medienpädagogik der FH Köln (IMM)
Mit dem Begriff Pornografisierung versuchen wir ein Phänomen zu fassen, das 
sich in unter- schiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen zeigt. 
Gesellschaftliche Themen und Bedeutungen und auch Alltags- und Lebensfragen 
werden offenbar zunehmend über frei- zügige Körperdarstellungen, eine 
sexualisierte Sprache und ein lustbetontes Miteinander ver- handelt. Es treten 
immer neue Phänomene hinzu, z.B. "Cybersex" oder "Sexting". Pornografische 
Anleihen und Bezüge finden wir dabei in allen gesellschaftlichen und kultu- 
rellen Bereichen, so auch im Kinofilm, Musikvideo, in den Printmedien, im 
Fernsehen oder im Internet. Die Medien- und Popkultur setzt auf Stars, die hoch 
sexualisierte Körper zur Schau stellen, darüber singen, rappen, sprechen, 
performen. Nacktheit, lustvoll inszeniert und häufig mit Gewalt verknüpft, 
bricht Tabus, fasziniert und verkauft sich dementsprechend gut. Die in Medien 
zur Schau gestellten Köper folgen dabei zumeist stereotypen Fiktionen von 
Geschlecht und produzieren frauenfeindliche, rassistische und homophobe Bilder 
und Texte. Besorgnis erregen diese Bilder u.a. auch deshalb, weil sie über das 
Internet deutlich leichter und zudem über anonyme Wege verfügbar sind.
Gleichwohl befriedigen diese Bilder sexuelle Neugier und Schaulust. Medien sind 
attraktiv, da sie keine Tabus kennen. So erhoffen sich Jugendliche in Medien 
Informationen über Sexu- alpraktiken, die sie (noch) nicht praktizieren, suchen 
Sicherheit im Umgang mit dem sich ver- ändernden Körper und ihren sexuellen 
Gefühlen und erhoffen sich erste Antworten auf intime Wünsche und Fragen. 
Insbesondere unter „Gleichgesinnten“, den Peers, werden pornografi- sche 
Inszenierungen als Aufklärungsquelle zur Selbstsozialisation genutzt. 
Gleichzeitig wer- den pornografische Inszenierungen auch in Dienst genommen, um 
Normierungen und Gren- zen auszutesten und zu provozieren. In vermeintlich 
privaten Selbstinszenierungen auf Web- sites präsentieren sich Jugendliche z.B. 
freizügig und verführerisch.
Die zunehmende Bedeutung von freizügigen Körperdarstellungen und lustbetonten 
Erlebnis- sen verweist auf eine wachsende Kluft zwischen der Alltags- und 
Lebenswelt von Mädchen und Jungen und dem Jugendmedienschutz. Auf der einen 
Seite steht die Lust, die Neugier und auch das Bedürfnis, in einer Welt mit 
diversen pornografischen Bezügen mitreden, sich sicher bewegen und ausprobieren 
zu können, auf der anderen Seite fördert die „Teilhabe“ die Ent- stehung 
illegaler Situationen. Zu diskutieren ist, wie Abweichungen vom pädagogisch 
kon- trollierten und gelenkten Blick bzw. die Neugier und Offenheit von 
Jugendlichen gegenüber dem Thema in einer konstruktiven Auseinandersetzung 
fruchtbar gemacht werden können.
Auch Erwachsene sind im Netz aktiv. Sie finden dort eine Vielzahl von 
Anwendungen mit pornografischen Inhalten (z.B. Porno-Suchmaschinen, 
3D-Sex-Simulatoren, Porno-Games, 3D-Porno-Animationen). Im Zuge der einfacheren 
Herstellung, Verbreitung und Aneignung von Pornografie durch neue Technologien 
und Netzkommunikation weichen bisher gezogene Grenzen zwischen Hardcore- und 
Softcore-Pornos, ProduzentInnen und KonsumentInnen sowie kommerziellem und 
nicht-kommerziellem Material immer stärker auf. Offen ist, ob damit 
Bedeutungsverschiebungen im Hinblick auf stereotype Fiktionen von Geschlecht, 
sexu- elle Orientierungen, „race“, Ethnizität, Religion und sozialen Status 
einhergehen oder auf welche Weise sexistische, heteronormative, rassistische 
und sozialhierarchische pornografi- sche Repräsentationen fortgeschrieben 
werden.
Die bisher genannten Diskurse repräsentieren freilich nur eine Seite von 
Pornografisierung. Beobachten lassen sich in den letzten Jahren auch zunehmend 
„postpornografische“ Gegen- bilder zu sexistischen, rassistischen, 
heteronormativen und gewalthaltigen pornografischen Medientexten. 
ProduzentInnen aus der Netszene und der alternativen Pornszene bringen ihre 
eigenen Ästhetiken und Bilder von Sexualität in Umlauf. Insbesondere im Bereich 
der Kunst werden Tabuisierungen in Frage gestellt und das Verhältnis von Macht, 
Blick und Körper mit Bezug auf pornografische Szenarien neu untersucht und auf 
vielfältige Weise dargestellt. Zudem liefert das Internet für Männer, Frauen, 
Queers, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle etc. einen attraktiven, da 
anonymen Raum, in dem das eigene sexuelle Begehren kommuni- ziert und 
reflektiert werden kann. Solche parallelen Kunst- und Alltagsdiskurse machen 
Transformationspotentiale dualer Geschlechtergrenzen sichtbar und stellen damit 
auch gesell- schaftlich angenommene Übereinkünfte in Frage. Unter dem Claim 
„doing beyond gender“ werden z.B. in jüngster Zeit Strategien, Taktiken und 
Produktionsweisen gefasst, um herr- schende Geschlechtergrenzen, regulierte 
Körperordnungen und normative Geschlechterzu- schreibungen zu durchkreuzen und 
zu überschreiten. Zudem werfen Veranstaltungen wie das Symposium zu „Post Porn 
Politics“ queer feministische Perspektiven auf die Politik von „Porn 
Performances“.
Für die Konferenz haben wir den vorgesehenen Titel bewusst mit einem Frage- und 
Anfüh- rungszeichen versehen, da wir das Phänomen „Pornografisierung von 
Gesellschaft“ zunächst in seinen vielfältigen Facetten beleuchten und 
diskutieren – also nicht vorschnell Schlüsse ziehen möchten. Themenbereiche, 
die im Fokus der Konferenz stehen, sind folgende:
a) Film und queere Perspektiven auf Porno b) Musik und 
pornografische/sexualisierte Lyrics und Performances c) Perspektiven auf Porno 
in Kunst und Literatur d) Sexualisierte und/oder rassistische Darstellungen von 
Körpern in Medien e) Pornografisierung und neue Medien (z.B. Sexting, Cybersex) 
f) Jugend und Sexualität (z.B. Selbstaufklärung, Selbstinszenierung, 
Selbsterprobung) g) Pornografische Bezüge in der Jugendkultur, in der 
Jugendsprache, in Jugendzeitschriften h) Veralltäglichung von Porno (z.B. Spam) 
i) Rechtliche und gesetzliche Spielräume und Grenzen im Umgang mit Pornografie
Unser Ziel ist es, am Ende der Konferenz zu einer differenzierten Einschätzung 
der „Porno- grafisierung von Gesellschaft“ sowohl in theoretischer als auch in 
praktischer Hinsicht zu gelangen.
Die Konferenz wird transdisziplinär gestaltet und an der FH Köln sowie an 
anderen Orten in der Stadt Köln stattfinden. Es dürfen nicht nur 
wissenschaftliche Beiträge eingereicht werden, vielmehr möchten wir auch zu 
kulturellen und künstlerischen Formen der Auseinandersetzung mit dem Thema 
„Pornografisierung von Gesellschaft“ einladen. Unser Ansinnen ist es, das Thema 
möglichst breit und perspektivenreich zu diskutieren.
Einreichung der Themenvorschläge bzw. Abstracts
Die Konferenz findet vom 28. bis 30.10.2010 an der FH Köln statt. Sie bietet 
Raum für 30- minütige Vorträge und alternative kulturelle und künstlerische 
Formen der Auseinanderset- zung mit dem Thema „Pornografisierung von 
Gesellschaft“ z.B. im Rahmen von Workshops, die je nach Umfang 2- oder 
4-stündig stattfinden können. Wir bitten um Zusendung von Ab- stracts und 
alternativen Workshop-Ideen in elektronischer Form (1 bis 2 Seiten) bis zum 
20.06.2010 an Martina Schuegraf (schueg...@medienwissenschaft.uni-siegen.de) 
und Angela Tillmann (angela.tillm...@fh-koeln.de). Die Abstracts bitte immer an 
beide Organisatorin- nen schicken.
Die Einreichungen werden vom Organisationsteam begutachtet. Berücksichtigt 
werden nur Beiträge, die einen klaren inhaltlichen Bezug zum Tagungsthema 
erkennen lassen. Eine Rückmeldung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis zum 
30.07.2010.
Für evtl. Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Für die Fachgruppen und das Organisationsteam
Dr. Martina Schuegraf, Siegen Prof. Dr. Angela Tillmann, Köln


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