Eine Podiumsdiskussion ist eigentlich gar keine Diskussion, sondern eine
Debatte. Bei der Diskussion ist das Ziel, die anderen
Diskussionsteilnehmer zu überzeugen (oder gar etwas dazuzulernen!), bei
einer Debatte liefern sich die Teilnehmer einen Schlagabtausch, um das
Publikum zu überzeugen - die Zuschauer sind der eigentliche Adressat.
Sonst gäbe es ja auch keinen Grund, dass Schüler zum Zwecke der
politischen Bildung Politikern beim Streiten zusehen würden, anstatt
selbst zu diskutieren.
Rassismus lässt sich am besten durch Bildung bekämpfen, aber diese
Bildung passt oft nicht in eineinhalb Stunden und bedarf obendrein der
Recherche, die man während einer Podiumsdiskussion, wo es auf schnelle
Reaktionen ankommt, nicht leisten kann. Man kann sich noch so gut
vorbereiten, das schützt einen nicht davor, dass ein NPD-Mitglied eine
Behauptung aufstellt, von der man sich sicher ist, dass sie falsch ist,
aber Daten bräuchte, um sie zu widerlegen. Klar, dich wird er damit
nicht überzeugen, aber auch keinen der Zuhörer, dem du nicht auf Anhieb
einen Gegenbeweis liefern kannst?
Letztendlich läuft es auf die Frage hinaus, ob für uns eine Person, die
nach der Podiumsdiskussion die Piraten wählen würde, eine Person, die
danach die NPD wählen würde, aufwiegt. Im Falle der demokratischen
Parteien würde ich das bejahen, im Falle der NPD definitiv nicht!
Besser, wir können eine Gelegenheit, unsere Sichtweise unter die Leute
zu bringen, nicht nutzen, so lange es die NPD auch nicht kann.
"Wir brauchen einfach nur einen super vorbereiteten Referenten" löst das
Problem leider nicht, denn wer soll das bitte sein? Wir sind
Jugendliche, allesamt mit begrenzter Debattenerprobtheit (auch wenn der
ein oder andere im Rhetorikclub ist). Ich könnte euch jedenfalls nicht
garantieren, dass ich so überzeugend debattieren würde, dass keiner der
Zuhörer im Anschluss der NPD mehr zuneigen würde als vorher. Kann das
einer von euch behaupten?
Es ist in meinen Augen wichtiger, den Rassisten das Wasser abzugraben
als unsere politische Meinung unters Volk zu bringen. Und eine
Podiumsdiskussion ist ein denkbar schlechtes Format dafür, weil dort die
meist schnelle, polemische und nicht die überlegte und mit Fakten
untermauerte Antwort gewinnt.
Den Schulleiter einzuschalten oder dergleichen halte ich trotzdem für
völlig falsch. Die Schüler haben die Selbstverwaltungsmöglichkeiten, um
zu experimentieren und im Zweifel auch aus Fehlern zu lernen. Wir müssen
ihnen nur nicht dabei helfen, Fehler zu machen.
Julia
--
/"\ Junge Piraten aktive Mailingliste
\ / Globale Themen der Jungen Piraten
X
/ \ http://lists.junge-piraten.de/listinfo/aktive