Ahoi,

ich habe eine Idee für einen Vortrag zum Thema Gerechtigkeit, und zwar
möchte ich den Begriff der Postgerechtigkeit als mögliches politisches
Konzept der Piraten vorstellen. Bestimmte Positionen, die bei der
Piratenpartei an Fahrt gewinnen, insbesondere das BGE, werden von nicht
unerheblichen Teilen der Bevölkerung emotional aus einem
Gerechtigkeitsgefühl heraus abgelehnt, das sich etwa äußert in Sprüchen
wie "Leistung muss sich lohnen". Es wird mitunter als ungerecht
empfunden, wenn jemand, der nichts leistet, (nahezu) genauso viel
bekommt, wie jemand, der etwas leistet. Genauso wird es als ungerecht
empfunden, wenn zwei Leute, die das gleiche leisten, unterschiedlich
viel bekommen.

Meine These ist, dass hinter diesem Gerechtigkeitsbegriff eigentlich
eine ziemlich unkonstruktive Gefühlsregung steckt, die man nicht zur
Basis der Politik machen sollte: Neid. Wenn man jemandem ein
ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden attestiert, ist das nicht selten
ein Euphemismus dafür, dass jemand neidisch ist. Als politisches
Gegenmodell möchte ich den antiegalitären Gerechtigkeitsbegriff - oder
plakativer: Postgerechtigkeit - präsentieren. Nicht alle sollen gleich
viel haben (oder so viel, wie ihnen im Vergleich zu anderen zusteht),
sondern jeder soll genug haben, um würdevoll zu leben. Alles darüber
hinaus soll der Staat nicht regulieren.

Konsequenzen eines solchen Gerechtigkeitsbegriff in Hinblick auf die
Sozialpolitik wären, dass man einerseits keine Streichung von
Sozialleistungen erlaubt (etwa, weil jemand eine Arbeitsstelle nicht
annimmt), weil die Sozialleistungen so hoch bemessen sein sollen, wie es
für das würdevolle Leben nötig ist. Auf der anderen Seite darf es keine
Begrenzung von Managergehältern geben, weil das Problem nicht ist, dass
jemand ein vielfaches von dem bekommt, was andere erhalten, sondern dass
andere nicht genug bekommen, um nicht in ständiger Sorge zu leben. Wenn
wir allen einen bescheidenen Wohlstand garantieren (und ich denke, das
können wir, wenn wir aufhören in Kontrolle angeblicher Sozialschmarotzer
zu investieren), muss auch nicht mehr jeder neidisch auf seinen Nachbarn
schielen. Das wird natürlich trotzdem vorkommen, weil die Politik den
Menschen nicht ändert, aber diese Regung ist dann Ausdruck der eigenen
Charakterschwäche und nicht einer tatsächlichen materiellen Notlage.

Mal so grob umrissen. Besteht Interesse, dass ich das ausarbeite?

Julia
-- 
    /"\    Junge Piraten aktive Mailingliste
    \ /    Globale Themen der Jungen Piraten
     X
    / \    http://lists.junge-piraten.de/listinfo/aktive

Antwort per Email an