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Date: Tue, 19 Jan 2010 14:12:40 +0100
Subject: Vortrag zu Judith Butler in Wien/ Kritik an "Defamation"
From: Café Critique <[email protected]>
To: <[email protected]>
Reply-To: [email protected]
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In dieser Email:
I. Reminder: Film & Vortrag "Warum Israel",
"Israelsolidarität als materialistische Kritik"
II. Postmoderne Seinslehre. Vortrag von Alex Gruber über Judith Butler in Wien
III. Yoav Shamir gibt Entwarnung. Tobias Ebbrecht über den Film Defamation
IV. sonstige Termine
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I. Reminder
Warum Israel
Filmvorführung am Mittwoch, 20. 1. 2010, 19:00 (pünktlich)
Schreiyvogelsaal in der Hofburg, Aufgang Batthyanystiege
Darum Israel - Israelsolidarität als materialistische Kritik
Vortrag von Stephan Grigat am Donnerstag, 21. 1. 2010, 19:30 (pünktlich)
Neues Institutsgebäude, Hörsaal II, Universitätsstraße 7, 1010 Wien
barrierefreier Zugang:
<http://studieren.univie.ac.at/index.php?id=6971#c12072>http://studieren.univie.ac.at/index.php?id=6971#c12072
_________________
II.
Postmoderne Seinslehre
Über die "Dezentriertheit des Subjekts" im Denken Judith Butlers
Vortrag von Alex Gruber
Montag, 1. 2. 2010, 19:00
depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Judith Butler postuliert eine durch die
Differenz bzw. den Anderen konstituierte
"Nichtfreiheit am Ursprung unserer selbst",
welche die Kategorie des Subjekts als
halluzinatorische Hybris ausweise, die ihrem
wohlverdienten Tod zuzuführen sei. So grotesk es
für ein Denken ist, das von sich selbst
behauptet, die Überwindung metaphysischen
Philosophierens zu sein, von vor-ontologischen
Strukturen zu sprechen, die den ontologischen,
narrativ zugänglichen uneinholbar vorausgehen,
den Menschen also in seiner 'Eigentlichkeit'
prägen, so aberwitzig ist es, wenn dieses
Denken, das mit Foucault gegen den
"marxistischen Humanismus" und dessen
Vorstellung eines von seinem "eigentlichen
Wesen" entfremdeten Menschen angeht, den Tod
einer 'falschen' Subjektivität fordert, weil
diese der Dezentriertheit am "Ursprung unserer
selbst" nicht gerecht wird. Warum dieser
Aberwitz Methode hat und warum gerade er es ist,
dem sich die Popularität des Butlerschen Denkens
verdankt, darum wird es in diesem Vortrag gehen.
Eine Veranstaltung von Café Critique
__________________
III.
Yoav Shamir gibt Entwarnung
Am Mittwoch, den 20. 1. hat in Wien der Film
Defamation von Yoav Shamir Premiere. Auf der
Website des Films wird auf demnächst
erscheinende "Schulunterlagen für Österreich"
verwiesen, was wohl bedeutet, dass die
Filmemacher ihr Werk österreichischen Schülern
und Schülerinnen in Zukunft als angemessene
Annäherung an das Thema Antisemitismus
nahebringen möchten. Aus diesem Anlass
nachstehend ein kurzer Auszug aus einem
unveröffentlichten Text von Tobias Ebbrecht,
Dozent an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam:
Es gibt keinen Antisemitismus mehr
Der "Dokumentarfilm" Defamation von Yoav Shamir
delegitimiert systematisch die Kritik des
Antisemitismus. Er macht damit auch jeden
Widerspruch unmöglich, verfiele dieser doch in
eben jene Reaktionen, die der Film "aufdeckt"
und diskreditiert. Defamation historisiert den
Antisemitismus, um ihn von der gegenwärtigen
Situation abzuspalten. Islamismus oder das
Regime im Iran und dessen Drohungen gegen Israel
kommen gar nicht vor. Europäischer
Antisemitismus wird als israelische Einbildung
vorgestellt. Kein Wunder, dass neben dänischen
und finnischen auch österreichische
Förderanstalten den Film unterstützt haben,
dient er doch dem Zweck, den neuen
Antisemitismus, der sich unmittelbar an die
Feindschaft gegenüber Israel bindet, zu
verharmlosen und seine Existenz zu bezweifeln.
Müßig zu erwähnen, dass der Film weder
Antisemitismus erklärt, noch sich mit dem
Israel-Hass wirklich auseinandersetzt. Da er nur
jene jüdischen Organisationen zeigt, die davor
warnen, erscheint das Problem wie eine
Halluzination ohne reale Grundlage. Ein paar
schlecht formulierte und aufgeregte
Stellungnahmen werden dafür im Sinne einer
Entlarvungsdokumentation im Stil von Michael Moore zusammen geschnitten.
Dass neben dem Zukunftsfonds der Republik
Österreich auch eine Institution wie der
Nationalfonds der Republik Österreich für die
Opfer des Nationalsozialismus diesen Film
unterstützt, sollte Fragen aufwerfen. Immerhin
diskreditiert der Film mehrfach Überlebende der
Shoah, verleumdet das Gedenken und stellt
explizit am Ende den Sinn der Beschäftigung mit
der nationalsozialistischen Vergangenheit in
Frage - um die Gegenwart des Antisemitismus zu vernebeln.
__________________
IV. sonstige Termine
Dienstag, 26. 1. 2010
München, 8:30
Protest gegen Iran-Geschäfte bei der Siemens-Hauptversammlung
Luz-Long-Ufer, Olympiaschwimmhalle
<http://de.stopthebomb.net/de>http://de.stopthebomb.net/de
Donnerstag, 28. 1. 2010
Passau, 19:00
Die Attraktivität des antiwestlichen Ressentiments
Über den Antisemitismus des iranischen Regimes und seine deutschen Förderer
Vortrag von Stephan Grigat
Café Unterhaus, Höllgasse 12
Donnerstag, 18. 3. 2010
Wien, 18:30
Antisemitismus und Juden in Iran - Vom Mythos
der Arier zur "Islamischen Republik"
Vortrag von Stephan Grigat
Anmeldung über das Jüdische Institut für
Erwachsenenbildung erforderlich (möglichst
frühzeitig, spätestens bis 10. 3. 2010)
VHS-Teilnahmegebühr 6,-
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Café Critique
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