Habe den Bericht zum e-Voting durchgelesen (link siehe unten). Und ergänze:

Es erstaunt mich zunächst, dass die sogenannte "interne Evaluierung" von der 
derselben GmbH durchgeführt wurde, die auch die Wahlen selbst durchgeführt hat. 
Dass gewinnorientierte Gesellschaften zunehmend hoheitliche Funktionen 
übernehmen muss zwingend auch nach sich ziehen, dass die Evaluierung 
keinesfalls intern durchgeführt werden darf (auch wenn es zusätzlich eine 
"externe Evaluierung" gibt). 

Trotz dieser Inzucht wird das Dokument mit hoher Wahrscheinlichkeit in Folge 
herangezogen werden, Schönheit und Klugheit elektronischer Wahlverfahren zu 
preisen.

Technisch wurde die Abwicklung wirklich ausgeklügelt. Da finde ich keinen 
Fehler.

Ausgenommen natürlich der Fehler, den bereits die Novelle zur Briefwahl 
brachte: Eine Wahl war ursprünglich als Zusammenkunft gedacht, um über ein 
Thema Mehrheiten festzustellen. Menschen kommen zusammen, Befürworter _und_ 
Gegner. Nun pervertiert sich dieser grundlegende Gedanke der Kultur ins 
Gegenteil: Man sollte sogar allein sein, damit man möglichst unbeeinflusst 
seine Wahl treffen kann. 

In der Briefwahl war das Element der Zusammenkunft bis zur Novelle (1999?) 
verankert, indem zwei österreichische Staatsbürger auf der Wahlkarte bezeugen 
mussten, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Jetzt ist man mit seinem 
Gewissen allein, kann die Karte auch nach Wahlschluss rückdatieren und lügen. 
Früher mussten immerhin Drei lügen, aber sowas heisst dann Verschwörung. Wenn 
jeder allein lügen darf, ist das für mich Entmenschlichung.

Und damit sind wir beim Kernthema: Identität.
Alle meine Handlungen als Staatsbürger - inklusive Wahl - kann ich mit e-Voting 
problemlos delegieren, wenn ich meine Bürgerkarte + Code weitergebe, so leicht 
wie beim Bankomaten. Natürlich _darf_ ich das nicht. Aber wer glaubt, dass der 
Bürger ein hehres Wesen sei, frei von Lug und Trug - der ist einfach naiv. Und 
da unterstelle ich jetzt noch nicht einmal erzwungene Herausgabe von Code + 
Karte die nicht angezeigt wird, weil es ja "eh nur" um eine Wahl geht.

Bei e-Voting wurde darauf Bedacht genommen, dass die Daten technisch 
einwandfrei gesichert übertragen werden. Aber da wurde das Rad um teures Geld 
neu erfunden: Banken haben Karte, Code und die Übertragung schon vor Jahren 
optimiert. Nur machen die Banken ein Foto, wenn man Geld am Automaten abhebt - 
damit man zumindest hinterher kontrollieren kann, WER das war, falls etwas 
unklar ist. Die Identität des Layer 8 - das geht bei der Bürgerkarte vom System 
her schon mal nicht. Diesen Systemfehler würde auch ein lokaler 
Fingerprint-Scanner nicht beheben, denn er identifiziert mich, stellt aber 
nicht sicher, dass ich allein und unbeeinflusst bin bei der Stimmabgabe - was 
die Wahlzelle sehr wohl sicherstellt.

Wenn momentan niemand wählen gehen möchte, liegt das sicher nicht daran, dass 
man keine Gelegenheit dazu hätte. Wenn die Mehrheit der Bürger zu satt ist, um 
Entscheide zu treffen, dann ist auch das zu akzeptieren. Bürgerkarten hingegen 
sind eine nette Spielerei, die den Bürger zu einer fotolosen Bankomatkarte 
degradieren und ich persönlich finde das ist einfach undemokratisch.

    fra

link:
http://www.e-voting.cc/

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