Der Teufelskreis ist einfach:
Router sind ein Consumerprodukt. Wer einen Router kauft, schaut auf den Preis,
alles andere ist egal. Router müssen billig sein, daher gießt man die 
Einstellung
der genutzten Frequenzen in Software. Würde man die Frequenzeinstellung in
Hardware realisieren, wäre der Router ein oder zwei Euro teurer, das geht im
Wettbewerb nicht und die Routerhersteller wehren sich mit Händen und Füßen
dagegen, eine solche Regulierung zu akzeptieren. Die Software muss daher 
geschlossen werden, um sicher zu stellen, dass nur die zugelassenen Frequenzen 
im jeweiligen Land genutzt werden. 

Zur Lösung des Problems gibt es mehrere Alternativen:
a) Alle Wetterradars werden auf neue Frequenzen umgestellt. Da stellen sich die 
Flugwetterdienste zu Recht auf den Standpunkt: Wir waren zuerst da. Wir sind 
Primärnutzer der Bänder, alle anderen haben sich hinten anzustellen. Wer zahlt
uns die Umstellung?
b) Vereinheitlichung der Frequenzbänder weltweit. Welches Land gibt nach? Jedes
Land hat seine Ehre und möchte seine Kosten minimieren.
c) Die wenigen User, die sich um Privacy scheren, sollen Funkamateure werden, 
um weiterhin WLAN-Module in den gewünschten Bereichen selbst betreiben zu 
können.

Es scheint auf folgenden Kompromiss hinaus zu laufen:
In den 2,4 GHz Bändern bleibt alles wie es war. DD-WRT und andere offene WLAN-
Betriebssysteme werden dort toleriert. Diese Router werden weiterhin produziert
und verkauft. Aber Dual-Band-Router werden nur mehr mit closed Software 
ausgeliefert, um die Einhaltung der Beschränkungen im 5 GHz Band sicher zu 
stellen.
Weil: es ist ja wurscht. Denn es gibt die Tendenz, den Netzabschlußpunkt weiter 
zum Kunden hin zu verlegen. Wo hat ein Telefon-Internet-Anbieter seinen 
Netzabschlußpunkt? Etwa an der Telefonsteckdose? Wo hat ein 
Kabelinternet-Anbieter 
seinen Netzabschlußpunkt? Eigentlich am Kabelmodem. Aber dadurch, dass seit 
Jahren 
in die Modems WLAN-Zugänge integriert sind, sieht man das Internet nur mehr als 
WLAN-Wolke, die der jeweilige Anbieter bereit stellt. Da machen private Router 
ohnedies keinen Sinn mehr.

Es ist genauso wie bei Strom: erst nach 100 Jahren der industriellen Stromnetze
gibt es für Konsumenten die Möglichkeit, selbst Solarstrom und Windstrom zu
erzeugen... Bei den Internetzen wird es ähnlich laufen.

    fra


----- Ursprüngliche Mail -----
Von: "mm" <m...@mediaweb.at>
An: "BAGASCH" <bagasch@lists.monochrom.at>
Gesendet: Sonntag, 27. März 2016 16:00:52
Betreff: Re: [monochrom] WLAN: Freie Software auf Routern vor dem Aus

Am 27.03.2016 um 14:22 schrieb Franz Ablinger:
> die Selbstbestimmung über die
> Netzinfrastruktur wird gerade endgültig industrialisiert. Das 
> "wir sind das Netz" ist scheinbar passé.
Das meinte ich

Die technischen Standards werden überall so hochgeschraubt, dass
alternative Strukturen tendenziell verunmöglicht werden.

Wären die Hersteller verpflichtet offene Standards zu verwenden und
Schnittstellen offen zu legen, gäbe es solche Probleme wohl nicht so
oft. Es sind viele kleine Schritte die den "eisernen Käfig" (Max Weber)
enger machen ... (und wer die Geschäftsbedingungen seines Providers
kennt und versteht bitte aufstehn! ;-))

lg

Martin

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