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Hallo Rigo,

ich besch�ftige mich seit Monaten mit dem Thema, und zwar gr��tenteils
Fulltime (weswegen ich in der Zwischenzeit pleite bin und mich mal wieder
um Jobs k�mmern muss); w�hrend der sechs Monate meiner Diplomarbeit habe
ich mich ebenso Fulltime mit dem Thema besch�ftigt. Fulltime heisst da:
12 Stunden t�glich, sieben Tage die Woche.

Will sagen: Ich kenne also die ganzen Quellen, ich kenne die Argumente
der Gegenseite, ich kenne die Bed�rfnisse. Und ich habe gelernt: eine
Argumentation, die prim�r auf der Technik aufsetzt, l�uft in der ganzen
Diskussion ins Leere. Nicht dass wir die Technik ausklammern sollten. Nur
allzuviel Energie da reinstecken bringt nichts. Es ist eine
gesellschaftspolitische, keine rechtliche oder technische Frage.

Wenn es politisch gewollt ist, dann kann ein entsprechendes Filtersystem
kommen. Nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit. Bei den Nazis etc.
wird das nichts bringen (die kommen an ihr Zeug noch ran), aber in
anderen Bereichen (siehe: Wieviel und Was in Zukunft gesperrt werden
k�nnte ...) sieht das anders aus.


Wir wollen aber, dass ein solches System nicht kommt und nicht *unsere*
Freiheit einschr�nkt. Und wir wollen nicht, dass das Internet kaputt
gemacht und zu einem Komsum-Medium f�r die gro�en (Medien-) Konzerne
umgebaut wird. 


In dem Zusammenhang m�chte ich auch auf einen Kommentar von Olaf
hinweisen:

<http://groups.google.com/groups?q=msgid:%3C1oc4jqxdr00ig.8qx6v12cub9w.dl
[EMAIL PROTECTED]&ic=1>


- -- Rigo Wenning <[EMAIL PROTECTED]> wrote:

> Du vergisst, dass dies ein Hase-und-Igel-Spiel ist. (z.B. JAP[1]), dass 
> man industrialisierte Umgehung anbieten kann, dass es Web over P2P geben
> wird etc..

nein, das vergesse ich nicht.

Ich weiss aber, wieviele das nutzen werden. Und ich weiss, was
diejenigen, die �ber solche Filtersysteme zu entscheiden haben, dazu
sagen: "Es reicht, wenn wir einige abhalten".

Nat�rlich reicht das nicht. Nat�rlich hat das massive Auswirkungen auf
das Netz. Nat�rlich kommen diejenigen aus der Szene immer noch an alles
ran. Sperren behindern also keine Nazis. usw.

 
> In Singapur _hat_ man es versucht und es hat _nicht_ funktioniert.
> Sobald der Staatsfilter-Schwachsinn sp�rbar wird, werden die Umgehungen
> intelligenter. (Siehe peek-a-booty[2] etc)

Wieviele Leute nutzen peek-a-booty? 

Wieviele Leute in Singapur haben ein ungefiltertes Internet?

Wieviel Prozent der Internet-Nutzer in Deutschland w�rden
Umgehungsmechanismen installieren, wenn sie nicht mehr
Scientology-Kritische Websites anschauen k�nnten, wenn Politiker-Bashing
(vgl. Schweiz) gesperrt werden w�rde, wenn providerseitiges
ICRA-Zwangsfiltern aktiviert ist, wenn $HORRORVISION wirklich wird? ...


Wann ist die Schwelle erreicht, so dass es gen�gend Menschen weh tut?


Sollen wir dummen Menschen das Wahlrecht entziehen?

<http://groups.google.com/groups?q=msgid:%3C1oc4jqxdr00ig.8qx6v12cub9w.dl
[EMAIL PROTECTED]&ic=1>


Ich habe keine Lust, den ganzen Tag nur noch mit
Sperr-Umgehungs-Technologie arbeiten zu m�ssen.


Letztendlich l�uft es auf die Frage hinaus: wie gro� ist der Schaden f�r
die Demokratie? Wie sehr werden solche Filtersysteme das Internet
ver�ndern? Wie wird das Internet aussehen?

Wir sollten uns keine Illusionen machen: F�r Ott-Normal-T-Onliner wird
sich nicht viel �ndern. Deswegen wird der gro�e Knall (Millionen gehen
auf die Stra�e) ausbleiben.


Die technische Argumentation darf nicht fehlen, es w�re aber ein Fehler,
sich darauf zu versteifen. Da wir gesellschaftspolitische Forderungen
haben, sollten wir diese prim�r gesellschaftspolitisch begr�nden.


Ciao
  Alvar

- -- 
** Alvar C.H. Freude -- http://alvar.a-blast.org/
** 
** ODEM-Aktuell: http://odem.org/informationsfreiheit/o-ton.html
**               http://www.heise.de/ct/aktuell/data/jk-28.01.03-010/

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