On Wed, Nov 12, 2003 at 11:06:33PM +0100, Matthias Hannich wrote:
Wo ist jetzt der Widerspruch, wenn sie bei Hohmann anfangen?
Das sie es nicht ernst meint.
Das ist eine Behauptung.
Das ist richtig. Ich denke aber die Behauptung durch die Praxis bei anderen Dingen belegen zu k�nnen. (Siehe die anderen Mails von mir.)
Wenn ich sage, dass Rassismus schei�e ist, und die "T�rken" verteidige, frage ich mich, warum man gleichzeitig die Araber rausschmei�t. Da stimmt irgendwas nicht, irgendwo ist da Heuchelei versteckt, denke ich zumindestens. (Das war jetzt ein aus der Luft gegriffenes Beispiel.)
Was ein Politiker �ffentlich tut, ist politisch. Was ein CDU-Politiker als solcher tut, betrifft die CDU.
Na gut, das kann ich schlecht abweisen und wom�glich hast Du da wirklich recht.
Hmm, wir m�ssen differenzieren. Auch Hohmann halte ich nicht f�r rechtsradikal, sondern f�r rechts.
Das sehe ich anders. Rechte Positionen zu vertreten, und Antisemitis- mus zu predigen ist zweierlei.
Und bei "Die Juden sind ein T�tervolk" und dem Bolschewismusunsinn stellen sich einem die Nackenhaare auf.
Ja. Vielleicht ist der Begriff "rechtsradikal" auch schon so durch den Dreck gezogen worden, auf Anhieb k�nnte ich jedenfalls nicht sagen, was f�r mich dann rechtsradikal w�re.
Und genauso wie ihn, halte ich noch eine ganze Menge anderer CDU/CSU-Mitglieder f�r "rechts" gesinnt.
Die, die so wie er "denken" (kann man diesen biochemischen Prozess, der bei solchen Leuten abl�uft, eigentlich "denken" nennen, oder kennt jemand einen besseren Begriff daf�r?), haben eigentlich in der CDU nichts verloren.
hmm. Wie gesagt, ich meine nicht die, die so einen Stuss mittragen, sondern die, die "vergleichbare" Thesen vertreten. (Ich sehe Antisemitismus als eine besondere Form von Rassismus, daher meine ich mit vergleichbar Dinge Hass gegen andere Religionen, Menschengruppen usw.)
Und die findet man bestimmt bei den meisten Parteien, vor allem in solchen zusammengew�rfelten wie den zwei gro�en.
Leider hast Du recht, auch ich kenne solche Pappenheimer in der CDU.
Ich vertrete ja die Auffassung, dass ein gro�er Teil der Bev�lkerung (also auch der Politiker) rassistische Vorurteile hegt und f�r richtig h�lt oder verbreitet, manchmal sogar ungewollt oder unbewusst. Die Grenzen sind flie�end, weshalb mich auch nicht die Existenz dieser Leute in den Parteien verwundert.
Grunds�tzlich halte ich die CDU/CSU eher f�r rechtsgerichtet und national/konservativ.
Das ist ja das merkw�rdige an den Nationalisten, dass sie nicht begreifen, dass niemand so sehr dem Ansehen Deutschlands und der Deutschen in der Welt geschadet hat wie die Nazis. Eigentlich m�ssten unsere "Patrioten" die allerersten sein, die antisemi- tische Tendenzen aufs sch�rfste verurteilen und bek�mpfen.
Mag sein. Ich sehe hier in meiner Umgebung zwei Tendenzen:
(1) - Die "Skins" schaden dem Standort und m�ssen weg. (Mit Skins meint man alle die, die irgendwie in das Bild der Rechtsradikalen passen k�nnten, die gewaltbereit sind...ungeachtet dem, was sie wirklich sind.)
(2) - Das sind ja "unsere Jungs, unsere Jugend. Die machen nix Unanst�ndiges und bei den ganzen T�rken und Russen (wohlgemerkt, die ostdeutschen Bundesl�nder haben einen erstaunlich geringen Ausl�nderanteil) kann man ihnen ja nicht ver�beln, dass sie was gegen diese Sorten haben. Die sorgen mal f�r Ordnung, wenn die wieder M�dchen anmachen."
Oft kommt sicher noch das "Totschweigen" und "Wir haben kein Rechtenproblem" dazu. Im Grunde mag die Stra�ennazis aber niemand, und die hat auch nie jemand gemocht. F�r die Ideen, die diese symbolisieren, sympathisiert man zum Teil trotzdem, kann man ja auch gut unter dem Deckmantel der Demokratie. Dann macht man lustige Gesetze oder schikaniert sie sonstwie, ist auch nicht viel besser.
Dies impliziert nach meiner Weltanschauung schon ein bestimmtes Ma� an Rassismus, n�mlich dann wenn es um den Umgang mit Fremden geht.
Nanana. Lass uns bitte noch differenzieren, wenn die Positionen nicht so eindeutig sind wie bei Hohmann. Denk dran, man akzeptiert den politischen Gegner, auch wenn man seine Meinung ablehnt.
Habe ich gegen diesen Grundsatz, den ich teile, versto�en?
Zur Verdeutlichung: Jemand, der konservativ/patriotisch denkt, ist in erster Linie auf die Deutschen in Deutschland bedacht, so meine Erfahrung jedenfalls. Das hei�t zweifelsfrei nicht, dass er Fremde grunds�tzlich ablehnt, aber er wird diese immer auch als Fremde und nicht als Deutsche ansehen, auch wenn sie seit Ewigkeiten hier leben oder die deutsche Staatsb�rgerschaft haben, hier geboren sind...
Auch wird man grunds�tzlich nicht wollen, dass diese Ausl�nder hierher kommen, au�er sie passen sich zu 100% dieser "Kultur" an bzw. fallen nicht auf.
Das ist �u�erst hart an der Grenze zum Rassismus, auch wenn man nicht Fremde grunds�tzlich wertm��ig von Deutschen unterscheidet. In der Praxis wird das aber gern gemacht ("Arbeit zuerst f�r Deutsche" h�rt man doch schon ab und zu auch von Patrioten, die die Interessen der Deutschen in diesem Land �ber die von Einwanderern oder Fl�chtlingen stellen. Diese Parole kann man auch beliebig "abschw�chen", was dann auch geschieht, sonst kann man einen ja zu schnell ins NPD-Lager stellen, das will ja keiner.)
Braune Scheisse kann niemals zu einer Demokratie geh�ren; sie steht immer au�erhalb, und sollte von allen Demokraten bek�mpft werden.
Ich teile die Auffassung, in der Praxis sieht das aber anders aus. Btw. mit brauner Schei�e meinte ich alles rassistische, auch in den "schw�cheren" Formen, usw. Nicht nur die um sich schlagenden Hohmanns und Neonazis.
Ich toleriere ja eben jeden in dieser Demokratie und �u�ere meine Kritik gegen�ber bestimmten Taten.
Da unterscheiden wir uns - ich toleriere nur diejenigen, die auch Andersdenkende tolerieren. Die anderen toleriere ich _nicht_.
In der Tat unterscheiden wir uns dahingehend.
Er bekam eine aufs Maul, weil seine Meinung W�hlerstimmen h�tte kosten k�nnen. Aus �berzeugung h�tte man ihn vermutlich nicht so ohne weiteres rausgehauen, da spekulier ich jetzt aber nur.
Da spekulierst Du jetzt nur.
Mal ganz ehrlich: wir haben eine Menge Probleme in und mit unserer Demokratie. Eine Menge l�uft hier schief, was wir dringend grade biegen m�ssen. Dann lass uns doch mal wohlwollend zur Kenntnis nehmen, dass man solche braune Scheisse hier eben nicht mehr bringen kann, ohne dass man kr�ftig eine auf's Maul kriegt. Und lass uns nicht spekulieren, wie wohl die Motive derjenigen aussehen m�gen, die Hohmann da eine draufgehauen haben. Lass uns die Freude, dass mal was funktioniert, und lass uns dann wieder die Dingen kritisieren, die dringend verbesserungsw�rdig sind.
Auch das kann ich nicht zu 100% teilen, ich bin dahingehend vermutlich zu pessismistisch/�ngstlich: Ich halte den Rassismus f�r tief festsitzend, weshalb ich zwar jede Form, ihn abzuwerfen, interessiert beobachte. Ich kriege dann einen Hals, wenn man versucht Rassismus in "gem��igter Form" (Rassismus ist nie gem��ig) massentauglich oder akzeptabel zu gestalten. Das ist das gleiche Spiel wie mit den gewaltt�tigen Neonazis: Man sagt, sie seien b�se, aber man sagts nicht als �berzeugter Antirassist/-faschist, sondern nur aus dem Interesse heraus, dass es dem Land ja schaden k�nnte. Den Rassismus teilt man selbst, wenn auch nicht in einer ausgearteten Form, die Gewalt auf der Strasse unterst�tzt.
Es ist f�r mich untrennbar mit dem Problem verbunden, weshalb jemand es auf welche Art und Weise l�sen m�chte.
-- Freundliche Gr��e, ### http://www.stop1984.com Matthias Hannich ### [EMAIL PROTECTED] ### KeyID: 407A2F69 Fingerprint: 600D 7E07 105C F674 0C4B 12C2 4DE4 A8DF 407A 2F69
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