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Internet-�berwachung: In den Niederlanden ist nicht alles liberal
07.04.2004 um 17:34 Uhr 

M�NCHEN (COMPUTERWOCHE) - In Deutschland wird heftig �ber die
M�glichkeiten der Exekutive bei der �berwachung von Kriminellen
nachgedacht. Eine Rechtsprechung, die den Strafverfolgungsbeh�rden
vergleichsweise weit gehend freie Hand bei der Observierung von
Telefonaten etc. lie�, hat der Bundesgerichtshof erst vor kurzem
kassiert und Modifikationen der Rechtsprechung gefordert. In den
Niederlanden scheint man da sehr viel weniger zimperlich zu sein. Dort
hat die Polizei gro�e Freiheiten, auch im Internet die B�rger zu
�berwachen und zu verfolgen.

Einmal mehr ins Ged�chtnis gerufen wurden die vielf�ltigen
Verfolgungsoptionen der niederl�ndischen Exekutive, als im vergangenen
Jahr Frans van Laarhoven der Polizei ins Netz ging. Laarhoven hatte
die Bev�lkerung �ber Wochen in Atem gehalten mit seinen Drohungen,
Joghurt in Superm�rkten zu vergiften. Schlie�lich hatte er
L�segeldforderungen an den Lebensmittelkonzern Campina gestellt. Die
�bergabe dachte sich Laarhoven scheinbar ausgefuchst aus, indem er das
Internet als Kommunikationsmittel zwischen ihm und der Polizei nutzte:
Laarhoven wollte, dass die Beh�rden ein Bankkonto einrichteten, von
dem er das L�segeld abheben w�rde. Alle Informationen hierzu sollte
die Polizei in einer Volkswagen-Golf-Werbung verstecken, die in eine
Online-Anzeige eingearbeitet wurde. Die Informationen sollten die
�bergabekonditionen darlegen.

Um seiner habhaft zu werden, holte sich die Polizei von m�glichen
Internetprovidern Listen mit den Internet-Adressen (IP) der Surfer,
die die Werbung angeklickt hatten. Eher durch Zufall erwischte die
Polizei Laarhoven, der �ber den US-amerikanischen Service-Provider
Surfola.com kommend die pr�parierte Golf-Werbung herunter geladen
hatte. Surfola ist einer der Provider, der es seinen Mitgliedern
erlaubt, ihre Online-Identit�t anonym zu halten. Laarhoven hatte zur
Bedingung gemacht, dass die Polizei die Informationen auf der in den
Niederlanden sehr beliebten Internetseite von AutoTelegraaf platzieren
m�sse. Nachdem die Polizei seine Identit�t aufgedeckt hatte,
�berwachte sie ihn so lange, bis Laarhoven begann, Geld von dem
abgesprochenen Konto abzuheben. Dann schlug die Polizei zu.

Die Episode machte den B�rgern im Nachbarland einmal mehr klar, dass
in den Niederlanden jede Polizeidienststelle eine �berwachung des
Internet bei der Justiz beantragen kann, um alle �rtlichen Internet
Service Provider (ISP) zur Mitarbeit bei Schn�ffelaktionen
aufzufordern. Im beschrieben Fall h�tte die Polizei theoretisch jeden
niederl�ndischen Internetsurfer �berwachen d�rfen, der auf die
Web-Anzeige des Golfs von Volkswagen klickte.

Die Regierung hatte 1998 ein neues Gesetz eingebracht, dass ISPs
zwingt, �berwachungssoftware auf ihren Rechnern zu installieren, auf
die die Polizei zugreifen kann. Seinerzeit hatte es deswegen heftige
Diskussionen nicht nur von Menschenrechtsgruppierungen gegeben. Die
weitgehenden �berwachungsbefugnisse waren in der �ffentlichkeit sehr
umstritten. Seit den Anschl�gen des 11. September 2001 flaute der
�ffentliche Diskurs aber merklich ab.

In Deutschland sind die Bestimmungen noch nicht so weit gediehen wie
in den Niederlanden. Zwei Bundesl�nder erst haben der Polizei �hnliche
Internet-�berwachungsbefugnisse einger�umt wie bei den Nachbarn.
Allerdings gibt es auch in den restlichen Bundesl�ndern �berlegungen,
die Rechtsprechung zu �ndern.

Die Niederlande haben in Sachen �berwachung auch in anderer Hinsicht
bereits eine lange Historie: Bereits seit den 70er Jahren, schreibt
das "Wall Street Journal", observieren die Exekutivorgane die Telefone
von inkriminierten B�rgern ab. Das US-Wirtschaftsblatt zitiert
Beh�rden mit der Angabe, pro Jahr w�rden in den Niederlanden rund
10.000 Telefonate abgeh�rt. Dies bei einer Gesamtbev�lkerung von 16
Millionen Menschen. (jm)

---[schnapp]---

Tschuess, Tim.

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Haette man den Menschen 1880 genau das Leben beschrieben, das
wir heute fuehren, sie haetten es bestimmt graesslich gefunden.
-> Berliner Illustrierte Zeitung


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