"Axel H Horns" <[EMAIL PROTECTED]> writes:

> (Er schreibt [Leyendecker] wortlich: "[...] Der Rechtsstaat aber
> muss angesichts der Erkenntnisse, die ueber den islamistischen
> Terror vorliegen, in der Tat bis an seine Grenze gehen." Also "Bis
> an seine Grenze gehen."  Und was liegt hinter dieser Grenze: Wohl
> das totalitaere, nicht- rechtsstaatliche Staatswesen, oder?

Die Grenze ist eine Floskel, der �bergang ist �u�erst flie�end.

Schauen wir uns doch mal ein Beispiel an:

<http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,295740,00.html>

| BOCHUMER POLIZEI-EINSATZ
| 
| Terrorpilot Jarrah soll in umstellter Moschee gebetet haben
| 
| Mehrere hundert Polizisten haben w�hrend des Freitagsgebets zwei
| Moscheen in Bochum umstellt und etwa 460 Gl�ubige �berpr�ft. In einem
| der Gottesh�user soll sich Ziad Jarrah, einer der Attent�ter vom
| 11. September 2001, aufgehalten haben.
| 
| AP Bochum: Polizei �berpr�ft Hunderte Muslime nach dem Freitagsgebet
| Bochum - Die beiden Moscheen in der Dibergstra�e und am Hustadtring
| galten der Polizei als Anziehungspunkte f�r gewaltbereite
| islamistische Extremisten. Polizeisprecher Michael Bloch teilte mit,
| in einer der Moscheen habe einer der Attent�ter des 11. September,
| Ziad Jarrah, gebetet. Ziel des bis zuletzt geheim gehaltenen
| Gro�einsatzes sei es gewesen, die Personalien von rund 400 Personen
| festzustellen und m�gliche terroristische Strukturen im Vorfeld zu
| erkennen. Sp�ter hie� es, bei rund 460 Besuchern sei der Ausweis
| kontrolliert worden. F�r die Aktion sperrte die Polizei zwei
| Stadtviertel ab. Ergebnisse lagen am Abend noch nicht vor.
| 
| Es handele sich um vorbeugende Ma�nahmen, sagte der Sprecher. "Der
| Polizei liegen derzeit keinerlei Erkenntnisse daf�r vor, dass es f�r
| Bochum konkrete Anschl�gspl�ne gibt." Allerdings gebe es
| ernstzunehmende Hinweise daf�r, dass gerade an den beiden Moscheen
| Personen verkehrten, die im Verdacht st�nden, zum Kreis gewaltbereiter
| islamistischer Extremisten zu geh�ren. Dass auch einer der
| Terror-Piloten des 11. September w�hrend eines mehrmonatigen
| Aufenthaltes in Bochum in einer der Moscheen gebetet haben soll, stehe
| in keinem direkten Zusammenhang mit der Untersuchung, hie� es.
| 
| Die Moscheen wurden von der Polizei umstellt. Beamte �berpr�ften die
| Personalien aller Personen, die die Geb�ude verlie�en. An beiden
| Einsatzorten lief die Aktion zun�chst ruhig und geordnet ab. An der
| Moschee am Hustadtring warteten vor allem auf einer Treppe zahlreiche
| Personen an der Absperrung auf die Kontrolle ihrer Personalien. Unruhe
| entstand nicht. Auch an der Moschee in der Dibergstra�e gab es keine
| Zwischenf�lle. "Hier herrscht gro�es Verst�ndnis f�r die Ma�nahmen",
| sagte ein Sprecher.
| 
| Die Zahl der zu �berpr�fenden Personen wurde zu Beginn der Aktion auf
| mehrere hundert gesch�tzt. Die �berpr�fungen auch in den Geb�uden
| durchzuf�hren, plane man nicht, hie� es. "Nur wenn wir glauben, dass
| sich Leute darin verstecken", sagte der Sprecher. Der Einsatz sollte
| nach Sch�tzungen der Polizei mehrere Stunden dauern. Die Aktion richte
| sich gegen Kreise, die die islamischen Vereinsstrukturen ausnutzten,
| um unter diesem Deckmantel extremistische und terroristische
| Aktivit�ten zu entfalten, nicht gegen den islamischen Glauben oder
| Muslime generell, betonte der Sprecher.
| 
| Der Sprecher der Moschee, Ahmad Aweimer, kritisiert die Aktion als
| �berzogen: "Das ist hundertprozentig schlecht f�r die
| Nachbarschaft". Dadurch werde keine terroristische Handlung
| verhindert, aber Muslime f�hlten sich schikaniert. "Das Problem ist
| unsere Jugend, die das nur von Diktaturen kennt", sagte Aweimer.
| 
| Die Polizei dagegen schlie�t weitere derartige Aktionen nicht
| aus. Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens sagte, mit
| solchen Eins�tzen verbessere man St�ck f�r St�ck die Erkenntnislage
| �ber islamistisch-extremistische Gruppierungen. Die Polizei gehe allen
| Spuren nach, um "die weltweiten Verzweigungen der islamistischen
| Netzwerke aufzudecken".
| 
| Die N�he einer der beiden untersuchten Moscheen zur Universit�t in
| Bochum ist laut Polizei kein Zufall: "Aus den Erfahrungen der
| zur�ckliegenden Geschichten in Hamburg und auch Bochum wurde mit der
| Moschee in der N�he der Universit�t begonnen", sagte ein
| Polizeisprecher.

Das ist nat�rlich rechtsstaatlich v�llig in Ordnung. Keinem der
Betroffenen wird die Rechtswegegarantie verweigert. Auch liegt kein
erheblicher Grundrechtseingriff vor. (Das Ereignis in der �berschrift
liegt �brigens drei, vier Jahre zur�ck, falls sich jemand wundert.)

Nun glaube ich andererseits, da� f�r eine einzelne Person nur ein
bestimmtes Ma� an anla�unabh�ngigen Ausweiskontrollen pro Monat an
�ffentlich zug�nglichen Orten zumutbar sind. Wenn dieses Ma�
�berschritten wird, leidet die Lebensqualit�t. Wir bewegen uns aber in
eine Richtung, in der sehr selektiv bestimmte Personengruppen h�ufiger
einen Ausweiskontrollen unterworfen sind. Seit langer Zeit sind dies
schon Farbige in Bahnhofsn�he, jetzt kommen noch arabisch aussehende
M�nner in j�ngerem Alter hinzu, insbesondere in Universit�tsn�he. Da
der Campus hier in Stuttgart in zwei gro�e Teile zerf�llt, die mit der
S-Bahn verbunden sind, wird also auch verst�rkt entlang der
Hauptverkehrsader kontrolliert werden.

Trotzdem werden dadurch keine rechtsstaatlichen Prinzipien verletzt.
Das Problem ist, da� wir letztlich wollen, da� der Staat seine B�rger
*und* die Menschen, die im Staatsgebiet zeitweise leben, im
allt�glichen Leben weitgehend in Ruhe l��t, sofern es nicht
*konkreten* Anla� (und nicht nur irgendwelche Profile) f�r das
Gegenteil gibt. Dies ist sicherlich eine wichtige Eigenschaft der
europ�ischen Demokratien, aber sie ist meines Wissens nicht
wirkungsvoll verfassungsrechtlich verankert. (Die USA haben zwar einen
entsprechenden Verfassungszusatz, aber die Verfassung wird gerade von
allen Seiten zertr�mmert, vielleicht etwas mehr von Ashcroft als von
Lessig.)

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