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Das chinesische IPv9: aufgebl�htes ENUM als Papiertiger  

Eine R�ckkehr zu einer rein numerischen Internetadressierung mit 10-
stelligen Adressen anstelle der Abbildung von Namen auf IP-Nummern, 
das steckt im Wesentlichen hinter dem als IPv9 titulierten Vorschlag, 
der seit Anfang der Woche die Gem�ter der Netzarchitekten erregt. 
Auch in einem Einf�hrungspapier zu dem Konzept, als dessen Autor Xie 
Jianping, Leiter des Shanghai Research Institute of General Machinery 
(SRIGM), fungiert, hei�t es: "Das numerische Adresssystem zielt 
darauf, mit arabischen Zahlen von 0 bis 9 die klassischen Domains mit 
englischen Buchstaben zu ersetzen, um ins Netz zu gehen." Die neuen 
Zahlen-Adressen sollen auch direkt als Adressen vergeben werden, 
erkl�rten die Urheber des Vorschlags. IPv9 hei�e das Konzept folglich 
auch einfach deswegen, weil die Zahlen 0 bis 9 eingesetzt w�rden, 
sagt Netzwerkexperte James Seng aus Singapur in einer ersten 
Reaktion.  

[...]

So sind es vor allem die politischen Argumente, die IPv9-Bef�rworter 
in China anf�hren. Da ist zum einen die Analogie zum st�rker unter 
nationaler Kontrolle verankerten Telefonsystem. Die IPv9-Adressen 
sollen analog zu den Rufnummern in China zehnstellig sein und 
national vergeben werden. Jedes Land soll, so die Idee der Autoren, 
seinen durch nationalen Identifier -- im Telefonsystem die Vorwahl -- 
versehenen "Nummerblock" selbst verwalten: Ein Vorschlag der dem 
chinesischen Ministerium f�r Informationsindustrie zu gefallen 
scheint: Es f�rderte die Gr�ndung der Ten-Digit-
Standardisierungsgruppe von Xie Jianping im September 2001.  

Im Leserforum der chinesischen Newssite sina.com, wo mittlerweile 
eine Debatte rund um IPv9 tobt, wiesen Nutzer bereits auf die 
Analogie zu ENUM hin. Das tElephone NUmber Mapping f�r Telefonnummern-
Domains soll als einheitlicher Directory-Service das Auffinden und 
Adressieren von Personen erleichtern. Auch bei ENUM werden Nummern 
ins DNS eingetragen, und auch dort hat die nationale Telefon-Beh�rde 
das Sagen. Patentanspr�che seien daher wohl reichliche verfehlt. Als 
"gedoptes ENUM" bezeichnete auch eine Mitarbeiterin des im Bereich 
IPv6 aktiven Pekinger Internet Institut den Vorschlag: Bei IPv9 
handele es sich im Wesentlichen um den Versuch eines Forschers, sich 
mehr Gelder zu sichern.  

Insgesamt hagelte es Kritik an den Versuchen, ein chinesisches IPv9 
zu entwickeln und zu etablieren. "Klar, ich habe auch gerade 
IPvChinese erfunden", schrieb ein chinesischer Leser. Ein anderer 
wunderte sich, warum in man sich ausgerechnet um ein neues Protokoll 
Gedanken mache, wo es dem Land sonst an allen Ecken und Ende fehle. 
Und die Techniker-Community rund um die Internet Corporation for 
Assigned Names and Numbers (ICANN) und IPv6-Experten wirkten leicht 
konsterniert angesichts des pl�tzlichen Medienrummels um ein 
Protokoll, mit dem niemand etwas anfangen kann. Allerdings liefen die 
Internet-Dr�hte zu chinesischen Kontaktleuten sehr wohl hei� -- und 
noch ist dies ja ohne IPv9-NAT m�glich. Wogegen mit IPv9, so die 
Anspr�che der Erfinder, eine st�rkere Kontrolle des Datenverkehrs 
erleichtert werden solle. (Monika Ermert) / (jk/c't)  



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