Axel H Horns wrote:
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Bundesweite Patienten-Datenbank geplant 02. Jul 2004 11:51
Jeder Kassenpatient soll k�nftig eine eigene elektronische Arznei-
Akte bekommen. Die Daten sollen laut einem Pressebericht bundesweit abrufbar sein.
Haus�rzte, Kassen und Apotheken planen den Aufbau einer bundesweit abrufbaren Patienten-Datenbank. Das berichtet die �Bild�-Zeitung. Demnach sollen die Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen vom kommenden Jahr an jeweils eine eigene elektronische Arznei-Akte bekommen.
In der Datenbank sollen dem Bericht zufolge alle verschriebenen und rezeptfrei gekauften Medikamente gespeichert werden. Auch Unvertr�glichkeiten des Patienten sollen demnach vermerkt werden.
Wie der Haus�rzteverband in �Bild� erkl�rte, k�nnten Patienten mit Hilfe des neuen Systems beispielsweise am Urlaubsort gezielter von ortsans�ssigen Medizinern behandelt werden. (nz)
Bisher hat die Verwaltung des einzelnen Versicherten im bundesdeutschen GKV-System 150 Euro pro Jahr gekostet. Durch die oben genannte Ma�nahme erh�hen sich die Verwaltungskosten innerhalb Jahresfrist auf 300 Euro pro Jahr. Die m�ssen zur Stabilisierung der Krankenkassenbeitr�ge an anderer Stelle nat�rlich wieder eingespart werden...
Ich habe mir die Reaktion auf diese Meldung in dieser Liste ganz bewu�t ruhig angesehen. Nachdem jetzt aber 1 Woche lang nichts mehr gekommen ist, werde ich doch einmal ein paar Dinge dazu sagen.
Die Krankenakte eines Menschen ist mindestens genauso delikat wie ein �ber Mobilfunk- und Kreditkartensysteme oder IP-Daten erstelltes Bewegungsprofil eines homo telecommunicans oder homo oeconomicus. Wir werden auf lange Sicht mit mindestens zwei Problemen zu tun bekommen:
die Sicherstellung des Zugriffs nur f�r Befugte, sprich �rzte und in einem gewissen Ausma� Apotheker (die Krankenkassen bekamen bis Anfang diesen Jahres bis auf einige wenige Ausnahmen immer nur anonymisierte Daten zu sehen), und die vielen neu entstehenden Begehrlichkeiten von au�en. Bestes Bespiel ist ja Toll Collect, dessen Datenschutzklausel in der Praxis meines Wissens keine 14 Tage Bestand hatte.
Vielleicht die einfachste neue Begehrlichkeit: beim Einstellungsgespr�ch nach der "Gesundheitskarte" gefragt zu werden.
Die Sicherung des Zugriffs ist in diesem Fall von folgenden Zahlen abh�ngig:
Es gibt in Deutschland etwa 50 - 60 000 Zahn�rzte, etwa 200 000 weitere �rzte und einige zehntausend Apotheken. Zu jedem Arzt und jeder Apotheke sind im Durchschnitt zwischen 2 und 5 Helferinnen und Angestellte hinzuzuz�hlen, die ebenfalls im Rahmen ihrer T�tigkeit Zugriff auf diese Daten haben. B�se hochgerechnet sind das etwa 1 Million Sicherheitsrisiken auf zwei Beinen. Dazu kommt, da� viele "Chefs" in diesem Metier von EDV keinerlei Ahnung haben, daf�r ist ja der Computerfachmann zust�ndig. Aus dem Bereich des Versicherungswesens wei� ich aber, da� private Krankenversicherungen f�r eine Kopie der Festplatte eines Praxisrechners pro Fall, sprich Krankenakte, 150 DM zahlen. F�r den Computerladen um die Ecke ein nettes kleines Zubrot bei 1000 bis 6000 und manchmal wesentlich mehr F�llen, die im Schnitt auf so einem System gespeichert sein k�nnen. Zus�tzlich besteht das Risiko, da� per Data-Mining in dieser gigantischen Datenbank bei der Suche nach "Erkenntnissen" betreffend die "Volksgesundheit" der Nachweis der Erbgesundheit f�r den Ariernachweis, wie ihn unsere Gro�eltern vor der beabsichtigten Eheschlie�ung �ber sich ergehen lassen mu�ten, ein recht kleines �bel gewesen ist, da aus solchen "Erkenntnissen", die sehr von ihrem ideologischen Ansatz abh�ngig sein k�nnen, manche Versicherungen f�r ihren Kunden Verpflichtungen ableiten, die zutiefst in seine pers�nliche Lebensf�hrung eingreifen k�nnen, um nicht von entsprechend fehlgeleiteten Therapieans�tzen, wie zum Beispiel die im letzten Jahr dann nach langer Zeit doch noch gestoppte Hormonersatztherapiestudie f�r Frauen in den Wechseljahren, zu sprechen.
Mit freundlichen Gr��en
R. Lemke
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