Hallo,

am 12.07.2007 fand im "Innovations Technologie Center" in Deggendorf
der niederbayerische Teil der OpenSource Roadshow statt, den die Industrie- und Handelskammern im Rahmen des Veranstaltungskonzepts "Perspektive OpenSource" gemeinsam mit der Messe SYSTEMS 2007 veranstaltet haben.

http://de.openoffice.org/servlets/ReadMsg?list=marketing&msgNo=7629

Neben einer Reihe aus vier Vorträgen gab es ein paar Info-Tische von Hardware- und Dienstleistungsanbietern zu sehen.

Zielgruppe waren Entscheidungsträger und IT-Verantwortliche aus mittelständischen Unternehmen. Laut Programm sollte auch OpenOffice.org zusammen mit anderen freien Anwendungen Thema der Vorträge und Informationen sein.

Wie sich anhand der veröffentlichten Teilnehmerliste zeigte, setzte sich das gut 40-Mann-starke Publikum kaum aus Vertretern der Zielgruppe, sondern fast ausschließlich aus Leuten, die die eigentliche Zielgruppe zum Kunden haben wollen, zusammen. Ich habe hierüber mit dem verantwortlichen Organisator der IHK gesprochen, der dies selbst sehr bedauerte. Wir sahen uns in dem Eindruck bestätigt, dass Südost-Bayern in Hinblick auf OpenSource weiterhin ein recht unfruchtbares Entwicklungsland ist. Zum einen ist wohl die dichte potentieller Anwender im Vergleich mit anderen Regionen doch sehr gering und zum anderen scheint die Botschaft von der freien Software in der regionalen Wirtschaft noch so wenig vorgedrungen zu sein, dass sie noch nicht einmal Neugierde oder Interesse auslösen konnte, ganz zu schweigen von tatsächlichen Projekten.

Man hat den Eindruck, dass wir hier noch ganz am Anfang stehen. "Es gibt viel zu tun, ..." ;-)

Die Vorträge fand ich ok, aber nicht gerade brillant.

Der Einführungsvortrag, gehalten von einer Fachjournalistin, sollte klären, was OpenSource ist und bedeutet. Er enthielt nach meiner Ansicht ein paar sachliche Fehler und ich fürchte, ein Neuling im Thema hätte den Kern der Sache aufgrund der vorgetragenen Erläuterungen nicht verstanden. Das war deshalb nicht weiter schlimm, weil wohl kaum Neulinge da waren (siehe oben).

Der zweite Vortrag sollte einen Überblick über OpenSource-Anwendungen geben, "Mozilla, OpenOffice und mehr" wie es in der Ankündigung hieß. Der Referent, ein selbstständiger Unternehmensberater, verbrachte die Zeit überwiegend mit Erzählungen über Legendäres aus der Vergangenheit. OpenOffice.org wurde mit ein bis zwei Sätzen erwähnt, in dem Sinne, dass es dasselbe wie MS Office sei, nur kostenlos und frei.

Beide Vorträge waren recht allgemein und pauschal. Generell wurde der Eindruck vermittelt, man könne alle Aufgaben im Business, die heute mit proprietären Produkten gelöst werden, genauso gut mit freier Software bewältigen. Es wurde pauschal behauptet, der Migrationsaufwand werde allgemein überschätzt.

In anschließenden Gesprächen bei Kaffee und Kuchen gelang es mir, mit einigen Anwesenden zu thematisieren, dass das bislang Gehörte geignet ist, bei der Zielgruppe falsche Eindrücke und Erwartungen zu wecken, die dann beim ersten konkreten Kontakt, zum Beispiel mit OpenOffice.org, zu verärgerter Enttäuschung führen können. Anders, als man aufgrund der Info-Veranstaltung bei der IHK annehmen durfte stellt sich plötzlich heraus, dass man ohne MS Office für die bislang mit Outlook realisierte Gruppenorganisation eine neue Lösung finden muss und dass die abteilungsspezifischen Arbeitslösungen in Form von MS-Access-Anwendungen mit OOo nicht benutzt werden können. Und zu den im Unternehmen eingesetzten VBA-Projekten sagte die Fachjournalistin in ihrem Vortrag: "Die paar Makros sind in Nullkommanix umgestellt." Ich finde, es gibt kaum etwas Schädlicheres für unser Projekt, als solch falsche Versprechungen.

Der dritte Vortrag handelte von "Nagios", einer OpenSource-Systemüberwachungssoftware, der eigentlich sehr interessant und gut vorgetragen wurde. Allerdings ging er wohl etwas an der Zielgruppe vorbei. Der Entscheidungsträger aus dem Mittelstand muss nicht unbedingt wissen, wie man zur Suche des Quellcodes bei Sourcefourge vorgehen muss. Ob die Nachricht, dass man sich das Programm erst selbst kompilieren muss und dass dies bei OpenSource üblich und sowieso stets die beste Methode der Softwareinstallation sei, einen niederbayerischen Spediteur oder Maschinenbauer dazu motivieren kann, die Einsatzmöglichkeiten freier Software in seinem Unternehmen zu erwägen, erscheint mir zweifelhaft.

Leider konnte ich am vierten und letzten Vortrag des Tages über CRM-Software und an der abschließenden Podiumsdiskussion nicht mehr teilnehmen.

Trotz aller Kritik am konkreten Event, sehe ich es positiv, dass sich inzwischen auch bei uns Institutionen wie die IHK dem Thema OpenSource und freie Software öffnen. Allein die Tatsache, dass diese Begriffe in den Programmveröffentlichungen erscheinen, hilft, dass wir in den Unternehmen wahr- und ernstgenommen werden. Insofern war auch das ein wichtiger Beitrag für unsere Mission.

Gruß

Stefan

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