> Auch ich bin auf einen Erfahrungsbericht nach längerem Gebrauch
> gespannt. Warten wir Ulfs Erfahrungen ab.

Dieses ist ein Erfahrungsbericht nach *kürzerem* Gebrauch. Der längere
Erfahrungsbericht kommt erst später. Wenn ich längere Zeit gehabt habe.

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Die Tastatur ist flach und etwa 15 mm hoch. Sie ist viel schwerer als
man erwarten sollte und steht auf 4 nicht ausklappbaren Gummifüßen. Die
Tastatur kann also nicht in eine höhere Neigung eingestellt werden. Ich
persönlich brauche das auch nicht.

Zum Finden der Grundstellung gibt es zwei Noppen, die sich unter den
Zeigefingern befinden. Man kennt ja auch Tastaturen, wo sie unter den
Mittelfingern liegen oder Tastaturen, wo die Mittelfingertasten in der
Konkavität fühlbar unterschiedlich sind. Hier sind es also Noppen unter
den Zeigefingern.

Da die TypeMatrix-Tastatur rechtwinklig angeordnete Tasten hat, kann
man eine Taste in einer höher gelegenen Reihe entweder durch eine
Streckbewegung erreichen oder indem man die ganze Hand nach oben oder
nach unten verschiebt.  Nun könnte man meinen, das das ja auch mit einer
normalen Tastatur möglich ist.  Das ist es nicht. Die normale Tastatur
mit den schräg versetzten Reihen ist als Nachahmung der Schreibmaschine
entstanden, wo es aus mechanischen Gründen nicht anders ging. Als die
elektrische Schreibmaschine erfunden wurde und es keinen Grund mehr
gab, die Reihen versetzt zu behalten, wurden sie dennoch so belassen,
vermutlich um die Leute, die zwischendurch auf einer mechanischen
Schreibmaschine schreiben, nicht zu verärgern. Heute, wo es keine
mechanischen Schreibmaschinen gibt, hat man vermutlich die schräge
Computertastatur behalten, damit man keine Probleme mit den nunmehr
grundlos schrägen Elektroschreibmaschinen hat.

Was auch immer der Grund für die schräg versetzten Reihen sein mag,
fest steht, dass die obere Reihe so im Verhältnis zur Grundreihe
liegt, dass man die Buchstaben der oberen Reihe durch Verschiebung der
Hand erreichen kann. Bei der Zahlenreihe haben sich die Tasten sich
aber so viel verschoben, dass man in der Regel nicht die Taste in der
dazugehörigen Säule betätigt, sondern die Taste unmittelbar rechts
davon. So kommt es also, dass man mit der rechten Hand nicht die Ziffer
7 tippt wie eigentlich vorgesehen, sondern die Zahl 8. Diese findet man
also nicht, indem man die Hand nach oben gleiten lässt, sondern man
streckt den Finger direkt nach oben in einem Abstand, den man durch
Üben lernen muss, und schon hat man die 8. Das ist, wie gesagt, bei
TypeMatrix nicht so. Da kann man die entsprechende Taste finden, wenn
man die Hand hoch gleiten lässt. Und dann bekommt man, wie erwartet,
auf dem rechten Zeigefinger die 7 und nicht die 8. Der versuch, mit
links die 6 zu tippen endet auf der Rücktaste. Das hätte man auch anders
machen können. Hat man aber nicht. Das Ergebnis ist, dass man mit Links
1-2-3-4-5 und mit rechts 6-7-8-9-0 tippt. Wenn man seine Finger zählt,
tut man das auch ungefähr so, und würde man jemanden, der noch nie in
seinem Leben eine Tastatur gesehen hat, fragen, unter welchen Fingern er
glaubt, dass die Zahlen liegen müssten, dann wird er automatisch genau
diese Reihenfolge nennen.  Nur ein Schrägheitsgeschädigter wird etwas
Anderes sagen. Es scheint also, dass die Herstellerfirma gar nicht die
Tasten anders hätte anbringen können.

Man hätte statt rechtwinklig angeordnete Tasten aber auch die Tasten
so anordnen können, dass sie für die rechte Hand nach links schräg
wären, für die linke Hand aber nach rechts schräg. Dieses würde sich
auf die Beobachtung stützen, dass die Arme in einem Winkel von etwa
30 Grad (bis 45 Grad) auf die Tastatur treffen.  Man kann sich wundern,
dass die rechtwinklig angeordneten Tasten noch brauchbar sind. Die Natur
kommt dem Schreibenden aber hier entgegen und zwar folgendermaßen:

Wenn Sie die Hand öffnen und die Finger strecken und nicht besonders
versuchen, die Finger zu spreizen oder zu sammeln, dann stehen die
Finger normalerweise entweder Parallel oder ein kleines Bisschen
gespreizt zu einander. Drehen Sie jetzt die Hand so, dass die Handfläche
nach oben zeigt und beugen die Finger halbrund, dann werden Sie sehen,
dass die Finger nicht senkrecht nach oben zeigen. Der Kleinfinger zeigt
nach oben und innen zu den anderen Fingern und der Zeigefinger nach oben
und nach innen zu den anderen. Mittel- und Ringfinger zeigen so ziemlich
nach oben. Das ist normal so, bei allen Menschen. Ärzte lernen dieses
während des Studiums, weil es Bedeutung hat, in welche Richtung man
einen gebrochenen Finger gipst und wie er zusammenwächst.

Beugen Sie jetzt die Finger halbrund in 180 Grad, dann sehen Sie,
dass sie nicht parallel sind, sondern dass sie alle in Richtung auf
einen Punkt unter der Daumenwurzel zeigen, auf einen Knochen, den man
das Kahnbein nennt. Ganz besonders deutlich wird dieses, wenn man die
Finger nicht aneinander presst, sondern leicht locker gespreizt hält.

Dreht man die Hand jetzt in dieser Stellung um und legt die Finger auf
die Tastatur und beugt und streckt die Finger und beugt sie wieder,
kommt man zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass der Kleinfinger sich im
Sinne einer geraden Linie rechtwinklig zur Grundlinie bewegt, während
der Zeigefinger je nach Spreizung eine Linie beschreibt, die in 45-60
Grad zur Grundlinie geneigt ist. Auf der TypeMatrix-Tastatur bedeutet
das, dass der Kleinfinger sich auf den Buchstaben Q-A und der
Zeigefinger sich auf den Buchstaben T-F bewegt. Genau so ist es vom
Schreiber auch gewünscht, denn der Zeigefinger, der die Tasten Y-J mit
Vorzug bedient, hat natürlich wenig Anstrengung, die Tasten H und U zu
drücken. Der Kleinfinger rechts muss natürlich noch zwei weiteren Säulen
bedienen, nämlich die Tasten rechts davon und die Shift-Taste. Dieser
Finger hat aber auch einen Muskel, der eigens dafür erschaffen ist, den
musculus abductor digiti minimi.  Aus diesen anatomischen Gründen gibt
es nicht, vorab, Gründe, warum man die Tasten nicht rechtwinklig
anordnen sollte.

Nachdem nun alle Eigenschaften der rechtwinkligen Anordnung erörtert
worden sind, wenden wir uns den Sondertasten zu.

Die Enter-Taste ist in die Mitte der Tastatur gekommen. Ich hatte
zunächst angenommen, dass es bequem wäre, diese mit dem Daumen zu
bedienen. Das ist es nicht. Wer darüber nachdenkt, kann es vergessen.
Auf TypeMatrix wird Enter mit dem Zeigefinger bedient. Hierzu ist eine
lange Streckbewegung notwendig. In der ersten Zeit weiß man nie so
genau, wieviel man strecken muss. Das hat der Hersteller bedacht. Auf
den Tasten 6, Y, H und N sowie auf 5, T, G und B findet sich ein
kleiner, gut tastbarer Wulst, sodass Leute, die unter dem Tisch tippen,
wie ich, und die Tastatur wirklich nicht sehen können, genau wissen,
dass sie sich in der ersten Streckstellung befinden. Die Enter-Taste und
die darüber befindliche Backspace-Taste sind breit und eigenartig glatt.
Man ist nicht in Zweifel, dass man den Finger darauf hat. Die
Delete-Taste liegt über diesen zweien. Da man aber unsicher werden
könnte, ob man wirklich diese erwischt hat, hat sie einen Noppen
bekommen.

Die Funktionstasten F1 bis F10 liegen direkt über den entsprechenden
Zahlentasten. Hier muss die Hand aus der Grundstellung geschoben
werden. Das ist bei einer normalen Tastatur ja auch so. Da die
Funktionstasten aber nach oben die letzten Tasten vor dem Ende der
Tastatur sind, kann man sie zumindest dadurch identifizieren, dass man
ihre Oberkante tastet. Der Hersteller hat möglicherweise damit
gerechnet, dass die Anwender genau dieses tun werden, denn diese Tasten
sind ein wenig Kürzer.

Die Tasten in der ersten Streckstellung des rechten Kleinfingers
haben keine Noppen oder Wulsten. Diese muss der Anwender beherrschen
ohne Hilfe. Die Tasten in der zweiten Streckstellung haben alle einen
Wulst. Das hilft in der Lernphase ganz gewaltig, da die Shift-Taste
etwas ungewohnt liegt. Durch die Wulst weiß man aber immer, dass man da
ist.

Jenseits der mit Wulst versehenen Tasten, am rechten Rand, finden sich
oben eine NUM-Taste, die die Tastatur dauerhaft in den Sondermodus
schaltet. Diese soll noch weiter unten besprochen werden. Darunter
eine Taste, die unter Windows einen Taschenrechner öffnen soll. Unter
Linux Ubuntu (Karmic Koala) tut sie das überraschenderweise auch. Die
darunter liegende Taste soll ein Email-Programm öffnen. Tut sie in
Ubuntu auch. Darunter kommt die CAPS-Taste, die ich bei mir ja als
Compose umprogrammiert habe. Sie funktioniert auch so. Sie ist natürlich
nicht so gut erreichbar wie die alte Caps-Taste auf herkömmliche
Tastaturen. Man kann sich aber daran gewöhnen, die dritte Streckstellung
zu finden, erst die erste, dann die mit dem Wulst, und dann die dritte.
Es geht, sagen wir es mal so. Unter dieser Taste findet sich eine Taste,
die unter Windows einen Browser öffnen soll. Das tut sie im Augenblick
nicht unter Linux.

Die Steuerung-Tasten (ctrl) finden sich unter den Shift-Tasten und haben
auch einen Wulst. Sie lassen sich blind gut finden. Die Alt-Tasten
liegen
am unteren Rand neben der Leertaste und lassen sich sehr gut blind mit
den Daumen bedienen.  Die habe ich ja bei mir als Mode_shift, also zur
Wahl der dritten Ebene definiert.

Links neben der Leertaste gibt es drei Tasten, die in Windows Bedeutung
haben sollen. Sie tun unter Linux nichts. Rechts neben der Leertaste
gibt es die Pfeiltasten, Home, End und rechts der Strg-Taste die
Bild-hoch und Bild-runter.

Die Pfeiltaste mit dem Pfeil runter liegt in der untersten Reihe am Rand
der Tastatur und damit man sie blind findet, hat sie einen Noppen. Blind
kommt man darauf indem man die Hand ganz runter bewegt und dann rechts
bis der Noppen darunter ist. Zurück kommt man blind indem man von dort
nach links geht bis der Zeigefinger die leere Stelle unter der Leertaste
fasst und dann nach oben bis der Zeigefinger den Noppen findet.

Es gibt zu alledem dann noch den Sondermodus oder Funktionsmodus. Dieser
wird erreicht durch einmaliges Drücken der Taste in der oberen rechten
Ecke. Damit ist der Sondermodus dauerhaft eingeschaltet. Sonst kann man
die Taste in der unteren linken Ecke benutzen. Der Sondermodus bleibt
dann so lange eingeschaltet, wie diese Taste gehalten wird.

Der Sondermodus hat in der allerobersten Reihe über den Funktionstasten
F7 bis F12 Funktionen, die unter Windows benutzt werden, wie Sleep,
Wake, PrintScreen usw. Unten links hat man drei Tasten, die Cut, Copy
und Paste unter Windows bewirken sollen. Sie tun das überraschenderweise
auch unter Ubuntu Karmic.  Ansonsten ist der Sondermodus da um den
Zahlenblock zur Verfügung zu stellen.  Auf der Taste unter dem Ö, also
auf der unteren Schreibreihe unter dem rechten Kleinfinger ist ein
Noppen. Setzt man den Mittelfinger darauf, steht er im Mittelpunkt des
Zahlenblocks, also auf der Ziffer 5 im Sondermodus. Auch im Sondermodus
hat man Pfeiltasten. Sie finden sich links vom Zahlenblock. Setzt man
den Mittelfinger auf den Noppen, der normalerweise den Zeigefinger in
der Grundstellung markiert (J), dann ist man im Sondermodus auf dem
Aufwärtspfeil.  Das Springen zwischen dem 5 und dem Aufwärtspfeil ist
aber nicht so kompliziert. Man bleibt mit den 3 anderen Fingern auf der
gleichen Reihe, nur der Mittelfinger wird gestreckt bis der Noppen
erreich ist, dann wird der Mittelfinger wieder eingezogen und findet
sich auf dem Abwärtspfeil. Wie auch immer, man findet sich mit ein wenig
Übung in jedem Modus zu Recht.

Das Tippgefühl ist das einer Laptoptastatur. Man hört einen winzigen
Klick und hat ein hartes und definiertes Endgefühl beim Herunterdrücken
der Taste. Tippt man also ohne auf den Bildschirm zu gucken, ist man
nie in Zweifel, ob das Zeichen getippt wurde oder nicht. Auch hat man
mit dieser Tastatur wenig Neigung, ein Zeichen mehrmals zu tippen, weil
man zu spät die Taste losgelassen hat. Die Tasten sind aber reichlich
groß und die üblichen Beschwerden über Laptoptastaturen treffen bei
dieser Tastatur nicht zu.

Speziell für Neo-Tipper ist die Tastatur vermutlich nicht brauchbar,
da man hier mehrere Layers hat, zwischen denen mit besonderen
„Mod“-Tasten geschaltet wird, die aber bei TypeMatrix nicht da liegen
und so auch nicht so schnell zu erreichen sind. In meiner
Tastaturbelegung gibt es nur 4 Ebenen, so dafür ist sie gut geeignet.

Kann ich jetzt dazu raten, die Tastatur zu kaufen oder nicht? Also,
wirklich notwendig ist sie sicher nicht. Genau so wie es auch nicht
dringend notwendig ist, statt der herkömmlichen Tastaturbelegung Neo
oder andere Belegungen einzusetzen.  Einige der schnellsten Tipper
tippen mit der herkömmlichen Tastatur. Warum in aller Welt sollte man
also diese neue kaufen? Ich kann es nicht sagen.  Persönlich bin ich
fasziniert von dem Gedanken, alles grundsätzlich richtig zu tun, egal ob
die ganze restliche Welt es anders macht.  Nach meiner Meinung ist die
TypeMatrix genau so, wie die Tastatur eigentlich von Anfang an hätte
sein sollen.  Ganz besonders dann, wenn sie mit meiner Spezialbelegung
belegt wird.  So ist es richtig. Ich kann niemandem versprechen,
dass er nach Kauf dieser Tastatur schneller wird oder dass er weniger
Sehnenscheidenentzündung, Karpaltunnelsyndrom usw. bekommt. Außerdem
muss man ständig die Tastatur einpacken und mitnehmen, denn man stellt
sich rein körperlich auf die rechtwinklige Anordnung ein. Für mich
persönlich ist diese die richtige Tastatur und ich werde sie behalten.

Weitere Wünsche? Na klar – ich hätte gerne meine persönliche
Tastaturbelegung hardwaremäßig einprogrammiert. Wenn sie sich nicht
alle 3 Monate ändern würde.

Ulf


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