Liebe Neolinge!

Nachdem es vor ein paar Tagen eine Anmerkung dazu gab (thx Jonathan
Raphael Joachim Kolberg) und ich selbst auch schon sehr lange mit dem
Gedanken spiele, einen Artikel über Neo in freiesMagazin¹ zu
veröffentlichen, habe ich nun in Eigenregie alles Entsprechende
organisiert und geschrieben. Ich hoffe, mit dieser ganzen Aktion in
eurem Interesse zu handeln.

Meinen ersten Entwurf findet ihr im Anhang, eine hoffentlich ständig
aktuelle Version auf meinem Uni-Account:
http://www-pool.math.tu-berlin.de/~storch/

Einige Formulierungen dort werden euch vielleicht aus dem Wiki und von
anderswo bekannt vorkommen.

Mit dem Chefredakteur Dominik Wagenführ habe ich bereits Kontakt. Damit
der Artikel in die Maiausgabe kommt, muss in den nächsten Tagen alles
klappen. Dominik meinte dazu:
„Okay, bedenke aber, dass Artikel beim ersten Entwurf nur in den
seltensten Fällen hundertprozentig korrekt sind. (Das hat den Grund,
dass jeder Autor - wir inklusive - der über ein Thema schreibt, was er
kennt, manchmal gewisse Kleinigkeit vergisst, die nicht jedem klar
sind.) Für die Maiausgabe ist Redaktionsschluss der 18.04. und da muss
der Artikel fertig (!) vorliegen, also nicht nur der erste Entwurf.“


Nun brauche ich noch eure Hilfe: Ihr sollt meinen Entwurf ausführlich
korrekturlesen. Jede Anmerkung, Kritik und jeder Verbesserungsvorschlag
von euch wird eingearbeitet, oder aber ich werde kurz begründen, warum
nicht.
Beachtet dabei:

0. Das Magazin verfolgt Autoren-Richtlinien².

1. Bitte alle Rechtschreib- und Grammatikfehler nennen. Genauso
schlechte Satzkonstruktionen, auffällige Wortwiederholungen und
dergleichen – ihr könnt dann auch gleich Vorschläge für Verbesserungen
anbringen. Ich habe den Artikel nicht linear geschrieben, da können
solche Fehler, vor allem bei diesem Textumfang, schon mal passieren.

2. Fachliche Richtigkeit. Im Wiki war z. B. August Dvorak falsch
geschrieben, auch Sholes Entwicklung war mit 1868 zwei Jahre früher als
angegeben. Besonders die Sache mit dem X-Server weiß ich gar nicht so
genau: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen X-Server 1.6 und xorg
7.5? Wo ist ein guter RC von Neo 2 drin? Und auf welche Linuxversionen
wirkt sich dies (positiv) aus?

3. Die Statistik mit der OpenOffice.org-Wortliste würde ich gerne mit
reinnehmen. Allerdings für Qwertz (nicht Qwerty) und vor allem nicht
ungeprüft. Auf
http://ftp.osuosl.org/pub/openoffice/contrib/dictionaries/
gibt es in der Datei de_DE_neu.zip → de_DE_neu.dic ein solches
Wörterbuch.
Könnte bitte jemand nachvollziehbar (z. B. mit awk) diese Statistik noch
einmal aufstellen?

4. Es gibt auch einen Abschnitt, der sich neo-unabhängig nur mit der
Hardware befasst.
Vor allem Karl, aber auch die anderen: Ist das so alles korrekt? Es
fehlt noch die Sache mit Kurzhubtasten wie in Notebooks. Du könntest ja
einen kleinen Absatz dazu schreiben, evtl. zusammen mit einem Beispiel,
welche Tastatur das sehr gut umsetzt.

5. Als Skizze würde ich gerne eine modifizierte Version von
http://wiki.neo-layout.org/browser/grafik/druckvorlage/neo-druckvorlage.svg
verwenden. Die Änderungen:
• Die unterste Reihe (unter der Leertaste) soll weg.
• Genauso der Ziffernblock.
• Das Layout soll ganz aktuell sein.
Ich hab’s nicht so mit Grafiken. Kann das bitte jemand übernehmen?

6. Auch Verbesserungsvorschläge für Überschriften sind willkommen.

Der Artikel ist ein wenig länger als geplant. Die knapp 3800 Wörter
entsprechen ca. 6½ Seiten im Magazin, dazu kommt allerdings noch
mindestens ein Bild.


Wie viel Beachtung der Artikel findet und welche Auswirkungen er auf die
Bekanntheit von Neo haben wird, lässt sich schwer abschätzen. Aber
freiesMagazin hat eine „Auflage“ von ca. 10.000 und selbst wenn nur ein
paar Prozent der Leser … naja, tut einfach so, als wäre das Ganze
wichtig.

Anbei wäre eine einheitliche Bezeichnung für Neo_2 nun wirklich
angebracht, der Artikel war ja auch der Grund, warum ich das ins
Gespräch brachte.


tschau

Frank


[1] www.freiesmagazin.de
[2] http://www.freiesmagazin.de/mitmachen
Neo – ein ergonomisches Tastaturlayout

Frank Stähr


Die Computertastatur wird tagtäglich von Millionen von Menschen benutzt und ist 
mit Abstand die wichtigste Mensch-Maschine-Schnittstelle. Nur scheinbar macht 
sich niemand ernsthaft Gedanken über sie. Die Buchstabenverteilung hätte sich 
irgendwie nach ergonomischen Gesichtspunkten entwickelt, glauben viele. Falsch: 
Sie ist ein Relikt aus mittelalterlichen Zeiten. Ein 140jähriger Fehler, den 
Neo beheben möchte. Denn Neo ist ganz anders: besser, schneller, vielseitiger 
und praktisch konkurrenzlos. Zeit zum Umdenken.

Das Neo-Tastaturlayout ist eine freie und ergonomisch optimierte 
Tastaturbelegung für die deutsche Sprache. Seine wichtigste Grundidee ist die 
Positionierung häufiger Buchstaben auf gut erreichbaren Tasten, sodass diese 
viel angenehmer und schneller zu tippen sind. Darüber hinaus bietet es auf 
komfortable Weise wichtige Programmier- und Shellzeichen, ermöglicht die 
direkte Eingabe zahlreicher weiterer Sonderzeichen und macht auch Ziffernblock 
und Steuerkreuz auf der Haupttastatur verfügbar, was Notebooknutzern entgegen 
kommt. Nach einem langen Prozess der Reife und des Testens ist nun die 
Entwicklung der Version 2 abgeschlossen – ein Anlass, sich das Layout einmal 
ganz genau anzuschauen und zu resümieren.


1. Geschichte

Die meisten Computerbenutzer verwenden eine sogenannte Qwertz-Tastatur. Sie ist 
nach den linken Buchstaben der oberen Reihe des Hauptfeldes benannt. Ihr 
Original, die Qwerty-Tastatur, wurde 1868 von Christopher Sholes konstruiert, 
um ein Verhaken der Typenhebel beim schnellen Schreiben auf mechanischen, 
frühen Schreibmaschinen zu vermeiden. Sholes Anordnung war gegenüber der bis 
dahin überwiegend alphabetischen Anordnung eine gute Neuerung, welche es 
erstmals ermöglichte, schnell auf einer Schreibmaschine zu tippen 
{http://de.wikipedia.org/wiki/Sholes}.

Nur wenige Jahre später führte die Weiterentwicklung der Schreibmaschine zur 
Aufhebung dieser mechanischen Beschränkungen. Sholes wusste, dass das Layout 
damit obsolet war und schlug ein neues vor, doch es wurde vom Hersteller nicht 
übernommen. Dies war der Anfang vom Ende, Qwerty verbreitete sich zusammen mit 
seinen Abwandlungen – etwa dem deutschen Qwertz oder dem französischen Azerty – 
schnell in alle Welt und wurde schon bald /der/ Standard. Mit Teodor Galabov 
und August Dvorak gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ansätze, 
ergonomische Layouts zu etablieren. Abgesehen von Bulgarien konnten sich diese 
aber nirgends durchsetzen, und das, obwohl etwa das Dvorak-Layout in allen 
gängigen Betriebssystemen implementiert ist, man bräuchte es in den 
Einstellungen nur zu aktivieren. Einen interessanten Comic zu dieser 
Entwicklung gibt es auf {http://www.dvzine.org/zine/index.html}, eine Übersicht 
zu Reformtastaturen auf 
{http://de.wikipedia.org/wiki/Tastaturbelegung#Reformtastaturen:_Ergonomisch_.C3.BCberarbeitete_Belegungen}.

An dieser fatalen Entwicklung ist letztlich niemand direkt schuld: 
Herstellerfirmen wollten sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, Anwender 
bevorzugten Einheitlichkeit vor Ergonomie und es fehlte schließlich auch an 
Normungsinstituten bzw. gewissen Standards, die administrativ hätten 
durchgesetzt werden können. Heutzutage muss ein jeder mit dem Resultat leben: 
Das Qwert-Layout ist so optimiert, als hätte man die Buchstaben einfach 
zufällig verteilt; mehr noch scheinen gerade auf der Grundreihe (also asdf…) 
besonders viele seltene Buchstaben wie j und k zu liegen, während man für die 
häufigen wie e und n mit den Fingern nach oben und unten springen muss 
{http://de.wikipedia.org/wiki/Buchstabenh%C3%A4ufigkeit}. Auch eine Optimierung 
nach Buchstabenkombinationen fehlt, z. B. muss das häufige deutsche Bigramm 
„de“ mit einem Finger getippt werden, was den Textfluss beim Schreiben stört. 
Qwert ist weiterhin sehr linkslastig, obwohl die meisten Menschen Rechtshänder 
sind und unterstützt in seiner deutschen Variante einige Sonderzeichen wie den 
Backslash vollkommen unzureichend. Dieser ist nur über AltGr + ß zu erreichen – 
eine zeitaufwendige Tastenkombination, deren sichere Beherrschung eine sehr 
zweifelhafte Höchstleistung darstellt.


2. Vorteile

2004 initiierte Hanno Behrens mit einem ersten Entwurf das Neo-Layout und 
übergab das Projekt der Community. Das rekursive Akronym bedeutet „Neo 
ergonomisch optimiert“. Seitdem wurde die Belegung vor allem um viele 
Möglichkeiten erweitert, die Anordnung der Buchstaben blieb hingegen fast 
unverändert. Neo verfolgt eine Reihe von Paradigmen, die unter anderem die 
Optimierung auf die deutsche Sprache festlegen und auch herausstellen, welche 
Tasten am besten zu erreichen und entsprechend mit häufigen Buchstaben zu 
belegen sind. Die Anzahl der Wörter, die nur auf der Grundreihe geschrieben 
werden können, ist so deutlich höher als bei Qwertz/y (Verhältnis 1461 : 39 
nach der OpenOffice.org-Wortliste, Stand: 3. 1. 2008). Natürlich kann aus 
dieser Statistik nicht auf die Qualität einer Tastaturbelegung geschlossen 
werden, eine gewissen Tendenz ist aber schon ersichtlich. Auch ist das Layout 
nicht streng computeroptimiert, sondern berücksichtigt den Faktor Mensch: Die 
Buchstabengruppe äöü sind der leichteren Merkbarkeit halber nicht 
auseinandergerissen, genauso finden sich die Zeichen aAα∀,  eEε∃ usw. jeweils 
auf derselben Taste. Auf der Grundreihe liegen links die Vokale uiae und rechts 
die häufigen deutschen Konsonanten nrtd, wodurch ein häufiger Wechsel zwischen 
den Händen erreicht wird. Insgesamt entstand so eine durchdachte, logische und 
in sich schlüssige Verteilung.

Besonders wichtig ist an dieser Stelle die Grundidee, die bestehende Hardware 
weiterzuverwenden, also die deutsche Standardtastatur mit 105 Tasten. Eine 
Modifizierung oder gar Neuanschaffung der Hardware zur Benutzung von Neo 
entfällt, andernfalls wäre eine Verbreitung von Neo auch praktisch 
ausgeschlossen.

Neo bietet durch das Ebenenkonzept weitere Möglichkeiten, die in unserer 
heutigen Zeit von enormem Nutzen sind und oben bereits angesprochen wurden:
• Programmier- und Sonderzeichen wie / \ [ ] $ > = sind gut erreichbar, da sie 
nicht in der Zahlenreihe, sondern im Hauptfeld liegen.
• Neue Zeichen wie „ “ £ ſ ¢ ς ♀ … können direkt eingegeben werden. Vorbei sind 
die Zeiten, in denen man mühselig den HTML-Code eines Symbols herausfinden, in 
der Zeichentabelle herumklicken oder auf die automatische Konvertierung von 
"Text" nach „Text“ durch Office hoffen musste. Auch »diese« und die “englische” 
Variante sind spielend leicht möglich.
• Die Tasten rechts vom Hauptfeld sind auf demselben nochmals zugänglich. Die 
meisten Notebooks verfügen über keinen Ziffernblock und die Pfeil- und 
Steuerungstasten wie Einfg, Entf, Bild↑ und ↓ haben keine einheitliche 
Anordnung. Unter Neo entfällt auch dieses Problem – was natürlich auch Nutzer 
von Desktop-Rechnern entgegenkommt, da sie das Hauptfeld nicht verlassen müssen.

Zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen zu Neo ist die Projektseite 
{www.neo-layout.org} und dort insbesondere das hauseigene Wiki 
{http://wiki.neo-layout.org}. Aber Vorsicht: Wer einmal Neo benutzt, wird nie 
wieder etwas anderes wollen. Erfahrungsgemäß bleibt eine einmal entwickelte 
Qwertz-Aversion bestehen.


3. Funktionalitäten

Eine Qwertz-Tastatur bietet die deutschen Kleinbuchstaben, per Druck auf Shift 
die Großbuchstaben und mit Hilfe von AltGr noch ein paar weitere Zeichen, 
verwendet also im Wesentlichen drei Ebenen, von denen nur die ersten beiden 
bedeutend sind. Dieses Konzept erweitert Neo deutlich:
• Die Modifier („Umschalttasten“) sind besser zu erreichen.
• Die dritte Ebene wird viel stärker beansprucht, die ungünstig gelegene 
Zahlenreihe dafür weniger.
• Neo verwendet insgesamt nicht nur drei, sondern sechs Ebenen.

Die Skizze {neo-druckvorlage.svg} zeigt das Layout in allen Details. Dabei 
stehen die Farben schwarz, weiß, braun, gelb, blau und rot in der Reihenfolge 
für die Ebenen 1 bis 6. Auch der Ziffernblock hat eine derartige Belegung, 
dieser wurde im Bild aber aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen.

3.1. Ebenen 1–3

Jeder Anwender dürfte sich von so einem Layout zunächst erschlagen fühlen, 
tatsächlich sind aber nur die ersten drei Ebenen für den tagtäglichen Gebrauch 
relevant. Ebene 1 und 2 entsprechen abgesehen von der Anordnung der Buchstaben 
im Wesentlichen Qwertz. Statt dem bisherigen, ungünstig gelegenen AltGr 
verwendet Neo zwei derartige Ebene-3-Modifier. Sie liegen auf den Qwertz-Tasten 
„Caps“ und „Raute“. Schon diese drei Ebenen bieten einen deutlich höheren 
Zeichensatz als Qwertz. Zwar kann jeder tippen, wie im beliebt, aber wenn man 
den Wunsch hat, - und – oder ’ und ' nicht zu verwechseln, empfiehlt sich die 
Lektüre der Typografieseite 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/Typografie%20mit%20Neo}. Denn: Aus großer 
Kraft folgt große Verantwortung. Und Neo legt wie Linux allgemein die 
Verantwortung in die Hand des Nutzers – auch wenn im Sinne der Ergonomie stets 
versucht wird, es ihm möglichst leicht und intuitiv bedienbar zu machen.

3.2. Ebenen 4–6

Die höheren Ebenen sind für all jene, die alle Möglichkeiten von Neo voll 
ausschöpfen wollen. Und das lohnt sich. Auf der vierten Ebene befinden sich die 
bereits angesprochenen Tasten rechts vom Hauptfeld, die dafür nötigen Modifier 
sind Qwertz-< und AltGr. Mittels des sogenannten Mod4-Locks kann man diese 
Ebene analog zum Caps-Lock auch einrasten, falls man längere Zahleneingaben 
tätigen möchte. Für die letzten beiden Ebenen muss man schließlich zwei 
Modifier gleichzeitig drücken, und zwar Shift+Mod3 für 5 und Mod3+Mod4 für 6. 
Diese sind mit griechischen, mathematischen und weiteren in der Wissenschaft 
gebräuchlichen Symbolen belegt, also α, β, … bzw. κ ≙ √ ∂ Γ ∃ ℤ ∡.


4. Aktivierung

Treiber für Neo gibt es für alle gängigen Betriebssysteme: Windows, Linux, 
Solaris, BSD und Mac OS X. Für Linux gestaltet es sich besonders leicht: Ein 
Release Candidate von Neo 2, der der endgültigen Version sehr nahe kommt, ist 
im X-Server 1.6 bereits enthalten. Daher genügt es bei halbwegs neueren 
Versionen der jeweiligen Distributionen (für Ubuntu z. B. ab 9.04), Neo unter 
den Einstellungen der Arbeitsumgebung (GNOME, KDE, Xfce, …) einfach nur zu 
aktivieren. Man kann dies auch auf der Konsole mit

$ setxkbmap de neo -option

machen, allerdings überdauert die Änderung dann keine Neuanmeldung. Sofort 
zurück zu Qwertz geht es mit

$ setxkbmap de

Für alle anderen Systeme und bei Problemen hilft 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/Neo%20einrichten} bzw. die Neo-FAQ 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/FAQ} weiter.


5. Neo lernen

Der Umstieg von Qwertz auf Neo sollte keine spontane, sondern eine gut 
durchdachte Entscheidung sein. Auch wird empfohlen, es nicht nebenbei zu 
lernen, sondern einen konsequent harten Umstieg zu vollziehen, dies vereinfacht 
den Lernprozess. Auf der Arbeit (wenn es schnell gehen muss) Qwertz und in der 
Freizeit Neo ist kontraproduktiv und wird zum Abbruch des „Experiments“ führen. 
Es gibt dazu viele Erfahrungsberichte 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/Erfahrungsberichte}, die man vorher zumindest 
überfliegen sollte, damit man genau weiß, worauf man sich einlässt. Man mag 
sich dazu verleiten lassen, die Tasten entsprechend Neo umzustecken, sodass man 
wenigstens sieht, wo die Buchstaben sind. Doch auch hiervon wird abgeraten – 
letztlich will man ja doch blind tippen, ein ausgedruckter Neo-Aufsteller auf 
dem Schreibtisch ist vollkommen ausreichend.

Das Erlernen von Neo dauert nicht so lange, wie man befürchten mag; die ersten 
Stunden sind allerdings natürlich sehr mühselig und treiben manchen Neuling in 
die vorzeitige Kapitulation. Hier ist Konzentration und Durchhaltewillen 
gefragt, als Hilfe empfiehlt sich dabei das KDE-Programm KTouch 
{http://edu.kde.org/ktouch}. Der Tipptrainer unterstützt Neo nativ, ist auch 
unter Windows lauffähig und liefert einen guten Start in das verwirrende 
Buchstabendurcheinander eines neuen Layouts; die Neo-Community stellt 
angepasste Neo-Lektionen bereit 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/KTouchFuerNeoEinrichten}.


6. Weitere Möglichkeiten

6.1. Unicode

Seit den 90er Jahren wird versucht, mit Unicode einen weltweit einheitlichen 
Zeichenstandard zu etablieren, der alle bekannten Buchstaben und Zeichen 
inklusive der birmanischen Schrift, Runen, Braille und diversen Symbolen 
enthält. UTF-8 ist die zur Zeit am weitesten verbreitete Codierung für Unicode, 
stellt also eine Art Implementierung des Standards dar. Diese soll das bisher 
vorherrschende ASCII erweitern. Selbst das große Eszett ẞ hat es im Sommer 2008 
in den Unicode geschafft. Es macht für Schreibweisen in Großbuchstaben Sinn und 
kann unter Linux auch vom Qwertz-Nutzer per Caps-Lock + ß begutachtet werden. 
Zur korrekten Darstellung ist es dabei und bei vielen anderen Zeichen eventuell 
notwendig, eine oder mehrere der Schriftarten auf 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/Verweise%20auf%20andere%20Projekte#GeeigneteSchriften}
 zu installieren. Hervorzuheben ist hier die Linux Libertine 
{http://linuxlibertine.sourceforge.net/Libertine-DE.html}, die als Paket 
ttf-linux-libertine leicht nachzuinstallieren ist.

Nur unter diesen Voraussetzungen wird das gesamte Potential von Neo 
ausgeschöpft. Der provisorische Pfeil -> wird zum korrekten → und die 
zahlreichen Eigenheiten von auf dem lateinischen Alphabet basierenden Schriften 
wie dem spanischen ¿ am Beginn von Fragen sind in weltweit /einheitlicher/ 
Codierung und mit Hilfe nur /eines/ Layouts möglich. Damit ist Neo, obwohl 
ausdrücklich auf die deutsche Sprache optimiert, doch ein sehr internationales 
Layout. Die Eingabe eines Unicode-Zeichens kann auch unabhängig von der 
Tastaturbelegung direkt mit Hilfe des Codes erfolgen, den man dafür dann 
allerdings auch wissen muss. Als Beispiel ergibt unter Gnome die Eingabe von 
Strg + Shift + U und anschließend 2213 gefolgt von einem Leerzeichen das 
Minuspluszeichen ∓. Weitere Möglichkeiten und Informationen gibt es auf 
{http://www.cl.cam.ac.uk/~mgk25/unicode.html#input}.


6.2. Compose

Abgesehen von AltGr und Shift + AltGr, welche bereits eine stattliche Zahl an 
Zeichen wie ¼ ¬ ¡ £ ¤ ⅞ ™ und ± liefern, kann der gemeine Qwertz-Nutzer 
ebenfalls die recht unbekannte Compose-Funktion benutzen 
{http://wiki.ubuntuusers.de/Sonderzeichen#Kombinationstaste}. Durch Betätigen 
einer Compose-Taste ♫, häufig die rechte Windows-Taste, wird sie aktiviert. 
Alle nachfolgenden Zeichen werden, wenn möglich, miteinander verschmolzen: ♫ a 
e wird dann etwa zu æ und das obige Beispiel vereinfacht sich zu ♫-+ → ∓. Bei 
Neo entspricht die Compose-Taste Mod3 + Tab, darüber hinaus erweitert Neo auch 
dieses Konzept, indem es zusätzlich zu den Standard- noch eigene Kombinationen 
bietet. Das Johannskreuz, bekannt als „Place of Interest“ auf Wegweisern zu 
Sehenswürdigkeiten und auch als Symbol auf Apple-Tastaturen, erhält man per 
♫poi → ⌘ und das Ungleichheitszeichen per ♫/= → ≠.


6.3. LaTeX

Das freie Textsatzsystem LaTeX durchlebt mit Neo eine kleine Revolution. Denn 
alle tippbaren Zeichen dürfen auch gleich direkt verwendet werden. Damit wird 
aus
\sqrt{\alpha^2 + \beta^2} \leq \Delta
ein simples
√{α² + β²} ≤ Δ
was nicht nur schneller zu schreiben ist, sondern den Quelltext auch erheblich 
übersichtlicher und besser lesbar macht. Zusammen mit den letzten beiden 
Neo-Ebenen und der Compose-Funktion sind so praktisch alle relevanten 
mathematischen Zeichen für den Formelsatz tippbar. Mit Konstrukten wie den 
Auslassungspunkten … statt \ldots und dem Gedankenstrich – statt -- wird LaTeX 
so zum Kinderspiel.

Mit XeTeX, der sehr zu empfehlenden Weiterentwicklung von LaTeX, funktioniert 
dies sogar noch besser, da XeTeX Unicode nativ unterstützt. Darüber hinaus 
ermöglicht es die einfache Nutzung moderner Schriftformate (TrueType, OpenType) 
und ihrer Vorteile (bspw. Ligaturen und Variationen in OpenType-Fonts). 
{http://de.wikipedia.org/wiki/XeTeX}


7. Neolinge

Neo dürfte grundsätzlich alle diejenigen interessieren, die gerne einen Blick 
über den Tellerrand wagen. Auch und vor allem Vielschreibern, Programmierern 
und shell-Fanatikern sei Neo sehr ans Herz gelegt. Und letztlich sei es 
dringend den Tippneulingen geraten: Wer noch nicht nach dem Zehn-Finger-System 
schreiben kann und es lernen möchte, wird sich keinen großen Gefallen damit 
tun, ausgerechnet die unergonomischste Belegung auszuwählen, nur weil „alle 
anderen“ das auch so machen. Für einen Ungeübten entfällt ja schließlich das 
Problem der Umgewöhnung.

Demgegenüber steht eine kleine Gruppe von Leuten, denen von Neo abzuraten ist. 
Das sind zunächst die Sichtschreiber, d. h. insbesondere solche, die es auch 
bleiben wollen. Weiterhin bietet Neo eine portable Version in Form eines 
USB-Sticks, der eingesteckt auf einem Linux- oder Windows-Rechner ohne weitere 
Anpassungen per Autostart Neo aktiviert. Jedoch wird dies für Nutzer, die 
permanent an anderen Rechnern arbeiten müssen, wie das bei 
System-Administratoren der Fall ist, keine akzeptable Lösung sein. Hier hilft 
nur Erlernen und Beherrschen beider Layouts, was nach Erfahrungsberichten 
zumindest möglich ist. Ob man das möchte, ist eine andere Frage.


8. Hardware

Abgesehen von der Tastaturbelegung gibt es offensichtlich ein noch größeres 
Problem, nämlich die bloße Hardware. Neo übernimmt sie, um ihre 
Unzulänglichkeit in Sachen Ergonomie wohlwissend, denn man will niemandem 
Ausgaben von mehreren hundert Euro zumuten. Trotzdem sei in diesem Abschnitt 
auf nahezu unbekannte Nischenprodukte und deren Grundkonzepte hingewiesen.

• Viele Tastaturen verfügen heute über eine Auflage für die Handballen.

• Bei nur sehr wenigen hingegen ist das Hauptfeld geteilt, hat also eine 
Deltaform. Normalerweise müssen die Handgelenke beim Tippen nach außen 
abgeknickt werden, um die Finger auf der Grundreihe aufliegen zu lassen. Dieses 
Problem wird mit dem auch in Deutschland leicht erhältlichen Natural Ergonomic 
Keyboard 4000 oder dem Natural Keyboard Elite 
{http://store.microsoft.com/microsoft/Computers-Accessories-Keyboards/category/41301}
 gelöst. Noch besser ist allerdings eine wirklich freie Positionierung der 
beiden Hauptfeldhälften, da jeder Mensch seine persönliche ergonomische 
Stellung wählen sollte, wie es das auch für Notebooks geeignete Goldtouch Go! 
Travel Keyboard 
{http://www.goldtouch.com/p-139-goldtouch-go-travel-keyboard.aspx} und die 
Siemens-Fujitsu KBPC E 
{http://de.fujitsu.com/products/prof_accessories_mainboards/keyboards_mice/special_keyboards/kbpc_e.html}{http://www.repetitive-strain-injury.de/blog/produktvorstellungen/fujitsu-siemens-tastatur-kbpc-e/}
 bieten.

• Das letztgenannte Modell beachtet auch, dass die Handgelenke nicht zu stark 
nach oben geklappt werden müssen. Dazu liegt die dem Benutzer zugewandte 
vordere Seite (Leertaste) minimal höher als die abgewandte Seite 
(Funktionstastenreihe) – also umgekehrt als man früher dachte.

• Auch ein freistehender Ziffernblock macht Sinn. Zumindest sollte er nicht 
rechts vom Hauptfeld liegen, da für die meisten Menschen als Rechtshänder die 
rechte Hand für die Maus reserviert ist. Die Maus sollte auch tatsächlich 
möglichst nah an der Tastatur stehen. Unter Neo braucht man keinen extra 
Ziffernblock, sodass eine kompakte Tastatur ausreichend ist 
{http://www.cherry.de/deutsch/produkte/kompakttastaturen_G84-4100.htm}.

• Ganz anders macht es die SafeType {http://www.safetype.com/}. Die natürliche 
Haltung der Hände ist so, als würde man einen Stab locker umgreifen und 
senkrecht halten wollen. Diese Neutralhaltung erleben die Hände hier auch bei 
Tastatur und Maus in der Grundstellung. Tatsächlich sind die Hände bei den 
meisten Tastaturen so gedreht, als würden sie einen Stab waagerecht halten 
wollen. Ganz ähnlich: das Comfort Keyboard 
{http://www.comfortkeyboard.com/keyboards_comfort.html}.

• Dass bei Standardtastaturen die Buchstabenreihen zueinander versetzt sind, 
hatte 1868 noch mechanische Gründe. Heutzutage macht sich diese Anordnung vor 
allem bei der unteren Reihe negativ bemerkbar. Wenn man etwa c oder x tippt, 
kommen sich die Finger unangenehm in die Quere. Der Korrektur dieses Fehlers 
haben sich bereits zahlreiche Hersteller angenommen, das entsprechende Design – 
als Beispiel sei hier die Ergo Diver Tastatur 
{http://www.scythe-eu.com/produkte/pc-zubehoer/ergo-diver-tastatur.html} 
angeführt – ist bereits recht befremdlich.

• Aber es geht noch weiter. Mittel- und Ring- sind deutlich länger als Zeige- 
und vor allem kleiner Finger. Diese beiden kommen nur sehr schwer in die untere 
Buchstabenreihe, während der kleine Finger die (Qwertz-)Buchstaben q und p 
schlecht erreicht, von der Zahlenreihe ganz zu schweigen. Diesem Missstand 
begegnen Hersteller auf zwei Arten: Die Kinesis Advantage 
{http://kinesis-ergo.com/advantage.htm}, zu der es auf 
{http://michael.stapelberg.de/Artikel/Neo_Kinesis} auch einen sehr 
ausführlichen und guten Erfahrungsbericht gibt, fügt der Tastatur eine dritte 
Dimension hinzu, sodass man beim Tippen praktisch in sie hinein greift. Dies 
ist auch „flach“ möglich, z. B. mit der Truly Ergonomic 
{http://www.trulyergonomic.com/}, bei der einfach nur die Buchstabenspalten 
zueinander versetzt sind. Maltron bietet mit der Ergonomic 3D und der Ergonomic 
Flat sogar beide Varianten {http://www.maltron.com/}.

Die meisten der genannten Tastaturen verwenden Qwerty und sind daher nicht 
vollständig mit Neo kompatibel, da US-Tastaturen nur über 104 Tasten verfügen – 
dort fehlt die Taste <, welche in Neo den linken Mod4 darstellt. Dies ist 
allerdings nur eine recht geringe Einschränkung. Weitere Modelle inklusive 
einiger mit noch krasseren Konzepten findet man auf 
{http://wiki.neo-layout.org/wiki/Neo-Tastaturen}.


9. Kritik

Nach Neo 1.0 und 1.1, die eher für Entwickler zum Experimentieren geeignet 
waren, hat die Neo-Community lange auf die finale Version 2 hingearbeitet. Auch 
wenn sich in dieser Zeit die Buchstabenanordnung nicht mehr änderte, schreckte 
die permanente Weiterentwicklung viele potentielle Anwender ab. Sie wollten 
lieber noch warten, bis etwas Endgültiges, Unveränderliches feststeht. 
Letztlich ist es doch die Einheitlichkeit, die die Menschen wollen und die mit 
dem Referenz-Freeze nun erreicht sein sollte. Doch schon denkt man wieder an 
eine Weiterentwicklung, einen radikalen Neustart, bei dem die 
Buchstabenpositionen auch und vor allem durch Kostenfunktionen und andere 
Algorithmen computergestützt optimiert werden. Die Gemeinschaft betont, dass
• ein mögliches Neo 3 noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird und bis dahin 
Neo 2 klar das zu empfehlende Layout darstellt,
• Neo 2 noch sehr lange, auf Grund seiner Präsenz im X-Server vielleicht sogar 
für immer, unterstützt wird und
• ein wichtiger Entwicklungszweig auf der Grundlage von optimierter Hardware 
fußen wird, was bei Neo 2 noch durch ein Paradigma unzulässig war, somit also 
für Standardtastaturen irrelevant bleibt.
Jedoch ist Neo Open Source, gibt also keine Garantien für irgendetwas und läuft 
damit Gefahr, sich mit seiner eigenen Weiterentwicklung, die ja grundsätzlich 
einen lobenswerten Fortschritt darstellt, selbst zu schaden. Eine 
Tastaturbelegung ist eben etwas anderes als ein Programm.

Generell sind Reformtastaturen nicht unumstritten. Der Geschwindigkeitsvorteil 
beim Tippen sei marginal, behaupten Kritiker; wenn Neo, Dvorak oder andere 
tatsächlich effizienter wären, hätten sie sich im freien Markt, der ja nach 
Effizienz und Einsparungen strebt, längst durchgesetzt, argumentieren einige. 
Angezweifelt wird auch die oft gemachte Behauptung, Qwert verursache 
frühzeitige Ermüdungserscheinungen, Sehnenscheidenentzündungen und das 
RSI-Syndrom, also Beschwerden wie Nacken-, Schulter-, Arm- und Handbeschwerden 
nach sich häufig wiederholenden Tätigkeiten.

Möglich mag dies alles sein. Nur Gewissheit gibt es keine. Es fehlen objektive, 
wissenschaftlich fundierte Studien und Statistiken. Bis dahin muss man sich 
selbst ein Bild machen – rein argumentativ überzeugt natürlich klar Neo, doch 
man muss darüber hinaus versuchen, das Für und Wider von Layouts, deren Sinn 
und deren positive Auswirkungen realistisch abzuschätzen. Die Wissenschaft 
hilft dabei herzlich wenig, Qwert ist einfach allgegenwärtig. In einem etwas 
älteren, aber sehr interessanten Artikel von Zeit Online 
{http://www.zeit.de/1997/04/qwerty.txt.19970117.xml}, der sich kritisch mit 
diesem Thema befasst, bringt es Don Norman, damaliger Vizepräsident der 
Forschungsabteilung bei Apple, sehr treffend auf den Punkt: „Wir haben riesige 
Anstrengungen in das Design all dessen gesteckt, was man auf dem Bildschirm 
sieht. Aber die Tastatur scheint direkt von Gott zu kommen, und zwar von einem 
bösen Gott.“


10. Fazit

Die Computerwelt schreitet in großen Schritten voran. Immer kleinere, 
schnellere Rechner, flachere Monitore, größere Festplatten; optische Mäuse, 
kabelloses Internet. Softwareergonomie ist in aller Munde, nur genau bei der 
Tastatur bleibt die Menschheit im 19. Jahrhundert stecken. Grundsätzlich 
spricht kein rationaler Grund gegen das Erlernen eines neuen, effizienteren 
Layouts, egal, wie lange das alte „funktioniert“ hat. Für ein derart wichtiges 
Eingabegerät sollte dies eigentlich indiskutabel sein, doch die Leute beharren 
auf den Standard, frei nach dem Motto „Never change a running system“. Der 
Mensch eben ein Gewohnheitstier.

Dabei ist die Revolution der Tastatur schon längst überfällig – 140 Jahre und 
bisher kein Ende absehbar. Schwere Fehler sollten lieber viel zu spät als gar 
nicht korrigiert werden. Es braucht den Willen zum Umdenken, es braucht 
Entschlossenheit, es braucht Einigkeit. Und Neo stellt die zur Zeit beste 
Alternative dar, vermutlich sogar die einzig sinnvolle. Selbst die 
überzeugtesten Qwertz-Anhänger zweifeln nicht an seiner Qualität, auch wenn sie 
nie auf diesen Zug aufspringen würden. Der Umstieg von Qwertz auf Neo ist gut 
und gerne so bedeutend wie der von Windows auf Linux – und er ist gleichzeitig 
so sinnvoll und notwendig.

Die Frage bleibt nur, wer als erster diesen Schritt wagt. Ob Neo seiner Zeit 
weit voraus oder einfach nur zu futuristisch ist, muss schließlich jeder für 
sich selbst entscheiden.


Frank Stähr verwendet Neo seit Ende 2007 auf verschiedenen Windows- und 
Linuxdistributionen und -versionen und ist Mitglied der Mailingliste des 
Projektes, aber kein aktiver Entwickler. Als Mathematikstudent schätzt er es 
vor allem in den Punkten Programmierung und LaTeX.

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