Arne Babenhauserheide writes:

> Ich würde ja vermuten, dass irgendwann jede Taste ihren eigen Ort im Hirn
> hat, und dass sie sich durch die Buchstaben und die Fingerhaltung
> unterscheiden. Wenn beides ähnlich ist, gibt es Probleme.

Auch beim erstmaligen Erlernen eines Zehnfingersystem - d. h. ohne Vorkenntnis
eines Zehnfingersystems - treten regelmäßig Verwechslungen von Buchstaben auf,
was sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen passiert. Verwechslungen von
Buchstaben sind beim Erlernen eines Zehnfingersystems unvermeidbar, erst recht
beim Umlernen von einem gewohnten Zehnfingersystem auf ein anderes
Zehnfingersystem.

Das Verwechslungsphänomen verschwindet im Laufe längerer Anwendung eines
Zehnfingersystem - nach dem Erlernen - bei jedem Tastschreiber recht
zuverlässig. Mit der Tippgeschwindigkeit verhält es sich ebenso.

Zum Abschluss eines Zehnfingertastschreibkurses hat jeder Absolvent eine
Fehlerquote und eine Tippgeschwindigkeit erreicht, die längst nicht sein
persönliches Optimum darstellt, das erst im Laufe von ein bis drei Jahren nach
dem Erlernen erreicht wird.

Da eine ergonomisch optimierte Tastenbelegung sowieso besser erlernbar ist (zu
dem Ergebnis kam Dvorak), brauchen wir uns nicht weiter Sorgen um die
Erlernbarkeit bzw. die Umlernbarkeit zu machen, zumal die letzten "Problemchen"
beim Tippen sich sowieso im Laufe einiger Jahre nach dem Erlernen legen.

Wenn es um das Umlernen eines gewohnten Zehnfingersystems auf Neo3 geht, dann
kommt aufgrund des wahrscheinlichsten Umlernfalles wohl ausschließlich Qwertz
als Bezugssystem in Frage, aber keinesfalls Neo2, Dvorak oder sonstwelche
Belegung. Immerhin sollten wir uns vorwiegend in diejenigen hineinversetzen,
die noch kein Zehnfingersystem können oder nur eines, was fast immer Qwertz
sein wird.

Ja, ich weiß, dass die Meinung hier nicht gern gesehen wird, jedoch mag man
sich darüber im Klaren sein, dass eine ergonomisch optimierte Tastenbelegung
sogar ohne Berücksichtigung der Erlernbarkeit bei der Optimierung so
hinreichend viel besser erlernbar ist als Qwertz, dass die Erlernbarkeit und
Umlernbarkeit bei der Optimierung keiner Berücksichtigung bedarf.
Also braucht die Erlernbarkeit nicht verbessert zu werden, da sie ohnehin
hinreichend gut ist.
Zudem spielt es keine Rolle, wie gut eine Tastenbelegung erlernbar war,
wenn man sie erlernt hat - sonst würde kein Mensch Qwertz lernen oder können.

Aus den Gründen halte ich es für unpassend, die (überbewertete) Erlernbarkeit
bzw. Umlernbarkeit als Optimierungskriterium erfassen und in den Optimierer
einfließen zu lassen.

> Übrigens würde ich inzwischen sagen, dass Vokale links sein sollten, da nach
> Tolkien die Konsonanten die Bedeutung tragen (linke Hirnhälfte = rechte Hand)
> und die Vokale eher Emotionen vermitteln (rechte Hirnhälfte = Linke Hand).
> 
> Wenn ich Tasten festlegen sollte, die gleich bleiden sollten [...]

Wenn man den Optimierer so einstellt, dass nur Handwechsel keine Strafpunkte
ergibt und sämtliche anderen Kriterien hohe Strafpunkte, dann müsste
herauskommen, welche Buchstaben nicht auf derselben Tastenhälfte liegen sollten.
Zumindest wüssten wird dann, welche Buchstaben von der einen und welche von der
anderen Hand getippt werden sollten, um die Handwechsel maximal zu haben.
Das wäre für mich ein sehr viel wichtigeres Kriterium als die sowieso
hinreichend gute Erlernbarkeit. 

> Der Optimierer arbeitet bisher allerdings frei von solchen Einschränkungen

Das ist auch gut so.

> (wir könnten sie ihm geben, wenn wir wollen; z.B. um die
> Merkbarkeit zu verbessern).

Mir ist es lieber, den Optimierer möglichst wenig einzuschränken. Mit
Einschränkungen solcher Art, wird da nicht der Sinn der computergestützten
Optimierung untergraben?
Für besser halte ich nach wie vor, vom Optimierer Vorschläge zu bekommen, die
von Menschen getestet werden - ohne den Optimierer daraufhin einzuschränken.

> Ob au dabei auch auf einer Truly Ergonomic gut ist, muss sich noch zeigen,
> sobald die da sind…

Auch wenn die Truly Ergonomic einige Aspekte für eine tatsächlich ergonomische
Tastatur berücksichtigt, halte ich sie wegen fehlender Daumentasten für Neo2
bzw. Neo3 für ebenso untauglich, wie die meisten anderen alternativen Tastaturen
auch.

Mit netten Grüßen
Karl


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