Hi.

Ich hab hier mal ein paar Infos zur aktuellen Entwicklung im Freifunk
und meine persönlichen Gedanken der beobachteten Probleme hier in
Leipzig zusammengestellt. Betrachtet dies bitte als wertungsfrei, aber
vielleicht kann ich damit ja eine konstruktive Diskussion anstoßen.


Entwicklungsarbeiten

Da in letzter Zeit der Eindruck entstanden ist das nix passiert im
Freifunk hier mal ne kurze Auflistung der aktuellen Aktivitäten und
Probleme.

1) Firmware Neuentwicklung

  Da die alte Freifunk Firmware nur auf Broadcom-Geräte beschränkt ist
  bestand die Notwendingkeit eine Unterstützung für neuere Geräte zu
  schaffen. Die Entwicklung der Firmware hat im März 2008 begonnen und
  dauert zur Zeit noch an. Mit einem ersten weiträumig einsetzbaren
  Release kann gegen Ende des Jahres gerechnet werden. Unterstützt wird
  eine breite Palette an Geräten, neben den Klassikern WRT54GL, Asus
  WL500Gx, WL-HDD und Buffalos werden zukünftig auch die Fonera Classic,
  Plus und 2.0, der D-Link DIR-300, Alix und WRAP Boards, Ubiquity
  NanoStation2, NanoStation5, Bullet, und RouterStation, RouterBoard
  RB532, Soekris Net u.v.m. für Freifunk einsetzbar.

2) IPv6

  Aufbauend auf den Experimenten zum 25c3 in Berlin wird zur Zeit an
  einer Weiterentwicklung der IPv4-over-IPv6 Encapsulation gearbeitet.
  Dieser Mechanismus erlaubt das Transportieren von IPv4 Traffic über
  reine IPv6 Meshes, der Vorteil hierbei ist das die IP-Konfiguration
  der Geräte mittelfristig voll automatisiert werden kann und das
  Problem der knappen Adressen umschifft wird wärend IPv4 weiterhin
  benutzbar bleibt.

3) OLSR

  Die Entwicklung von OLSR ist zwischenzeitlich weiter vorangeschritten,
  neu sind Verbesserungen an der Stabilität und eine Optimierung im
  Verbrauch von Systemresourcen, es sollte jetzt theoretisch möglich
  sein Meshes mit mehreren 1000 Knoten zu betreiben.

4) OBAMP

  Ninux Wireless, die "Freifunker" aus Italien, arbeiten an einem
  Multicast Overlay Protokoll für OLSR welches effizientes
  Multicast-Streaming über Meshes ermöglicht, damit rückt zumindest
  Audio-Streaming im Freifunk in greifbare Nähe.

5) CNML

  Die Community Markup Language, zur Zeit noch ein Draft wird ein neuer
  informeller Standard welcher Datenaustauschformate für Freifunk-
  Einstellungen regelt - damit wird es möglich eine große Anzahl an
  verschieden Communities mit einheitlichen Firmwares zu versorgen.

6) mDNS

  Service Discovery im Mesh auf Basis von OLSR - dieser Mechanismus
  ermöglicht das Announcen und Forwarden von Avahi/Bonjour basierten
  Diensten in das Netzwerk ohne das eine manuelle Konfiguration von
  Service-Announcements notwendig ist.

7) Workshops / Einsteigerveranstaltung

  Für das kommende Jahr planen wir regelmäßige Einsteigerversammlungen
  im Sublab (Westwerk) in Plagwitz um eine breitere Audienz zu erreichen
   und notwendiges Praxiswissen zu vermitteln.

u.v.m. was mir gerade nicht einfällt


Probleme

Nachfolgend eine Auflistung der großen Probleme die mir persönlich grade
in den Sinn kommen. Korrekturen oder Kommentare erwünscht.


1) Datenbank

  FFsomething (db.leipzig.freifunk.net) braucht dringend einen
  Maintainer, der Python Code ist nicht mehr auf neueren Systemen
  lauffähig. Wie üblich fehlen hier Leute mit Programmiererfahrung.

2) Wiki

  Das Leipziger Freifunk Wiki ist schlecht strukturiert und braucht eine
  Überarbeitung. Überregionalle Inhalte sollten in das bundesweite Wiki
  verschoben werden um für andere Freifunkprojekte besser auffindbar zu
  sein.

3) IP-Verwaltung

  Die IP-Verwaltung von Wiki und Datenbank muss zusammengelegt werden,
  die doppelte Eintragung in Wiki und Datenbank ist aufwändig,
  fehleranfällig und führt zu Datenleichen.

4) Schwund

  Das Netz schrumpft in einigen Bereichen, viele Leute die eig. DSL
  bekommen schalten ihre Freifunk Knoten einfach ab (danke! :( )

5) HauptVPN

  Das VPN läuft instabil was dazu führt das Teilwolken oft von einander
  getrennt sind, dies ist besonders häufig zwischen Plagwitz,
  Südvorstadt und Connewitz zu beobachten.

6) Hosting

  Freifunk Leipzig betreibt über den Förderverein für freie Netze ein
  VPN Gateway Server für den das Geld auszugehen droht, Spenden hierfür
  sind hilfreich.

7) SPAM

  Hier im 17er Projekt gab es vermehrt Ermahnungen von Internetprovidern
  da ein sehr hohes ausgehendes Spam-Aufkommen an den Freifunk Gateways
  vorherrscht. Es wurde versucht Kontakt zu den Verursachern aufzunehmen
  aber das ist im Falle von WLAN-DHCP Clients nicht immer möglich,
  sollte sich die Situation hier nicht ändern, wird es nötig plain SMTP
  Traffic generell zu sperren bzw. adaptives Firewalling zu betreiben.

8) P2P

  Einige Teilnehmer nutzen nachwievor Tauschbörsen, siehe auch dazu die
  letzten Threads zum Thema Abmahnung, moderne verschlüsselte P2P-
  Protokolle machen die bisher zum Blocken verwendeten Firewall-Regeln
  zunehmend wirkungslos. Hierzu muss eine Strategie erarbeitet werden.

9) Manpower

  Nachdem einige der Leipziger Freifunker der "ersten Geeneration" die
  Stadt verlassen haben und andere inaktiv sind gibt es zuwenig Manpower
  für das Netz - es fehlt an Leuten für Dokumentation, Design,
  Programmierung und Administration von Servern, das wirkt sich
  nachteilig auf alle Dienste und die Reaktionszeiten bei Problemen aus.


~ JoW
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