Hallo Olaf, Am Donnerstag, 17. Februar 2011, 11:53:53 schrieb [email protected]: > Android bieten kein übergreifendes Ökosystem zwischen klassischen PCs > und Smartphones/Tablets -- aber ist das wirklich so relevant?
ja, denn --- ohne jetzt die hervorragende Arbeit der vielen FS- EntwicklerInnen schlecht machen zu wollen: GNU/Linux auf dem Desktop könnte einen Boost gebrauchen. Wenn der Erfolg von großen Firmen davon abhängt, dass Komponenten, die auch auf dem GNU/Linux-Desktop verwendet werden (Qt z.B.), gut sind und funktionieren, dann profitiert dieser (der GNU/Linux-Desktop) auch davon. Aber ich bin auch ganz generell davon überzeugt, dass ein einheitlicheres Device-übergreifendes freies Software-Ökosystem der freien Software insgesamt sehr gut tun würde. Im Kernel-Bereich haben wir ja genau ein solches Ökosystem und man sieht, dass dies zu einem ganz erstaunlichen, extrem skalierbaren und portablen und sehr ausgereiften Stück Software geführt hat: dem Linux-Kern (mal ganz abgesehen davon, dass er monolithisch ist,... :D). Ein Grund für Apples Erfolg aus softwaretechnischer Sicht ist ganz klar deren ziemliche große einheitliche Codebase (auf allen Ebenen des Stacks!) für iPhone, den Desktop, iPad, AppleTV,... Das sorgt dafür, dass sie viel Code wiederverwenden können und anstatt die Energie dafür zu verschwenden, das Rad neu zu erfinden, können sie sie dafür aufwenden, an diesen Komponenten zu feilen. Und es macht Apple flexibel und ist ein Grund dafür, dass Apple "mal eben" das iPhone und danach das iPad aus dem Ärmel schütteln (übertrieben, ich weiß) konnte. Genau eine solche große einheitliche Codebase, ein solches "Software- Ökosystem", fehlt Microsoft übrigens: Da gibt es Windows 7, das nur auf X86 (gut) läuft und dessen GUI sich anscheinend nicht für Tablets sinnvoll anpassen lässt. Dann ist da inzwischen Windows Phone 7, das mit seinem CE-Kern wohl nur anständig auf ARM läuft --- sicher einer der Gründe, warum intel MeeGo (und Android) haben will: Ihr Vorteil bei Netbooks, dass auf ARM kein Desktop-Windows läuft, ist ihr Nachteil im Smartphone- und Tablet-Sektor, in den sie nun rein möchten. Und jetzt soll da noch irgendwie ein Tablet-Windows dazukommen, das es für ARM und X86 gibt,... Auch Microsoft ist natürlich dabei, diesem Problem beizukommen und ihre Codebase zu vereinheitlichen (.NET-Stuff usw.). Das klassische Desktop-OS wird für den Endbenutzer zunehmend unbedeutender. Es wird nicht verschwinden und z.B. im Büro auch auf lange Sicht noch einen wichtigen Stand haben. Es kommen aber immer mehr Device-Kategorien hinzu: Smartphones, Netbooks, Tablets,... Da ist es wichtig, ein flexible Codebase zu haben, wenn man erfolgreich sein möchte. Gerade die freie Software hätte hier eigentlich sehr gute Chancen. > Für kleine Touchscreens braucht man nun Mal andere Programme als für > klassische PCs mit großem Bildschirm und richtiger Tastatur. Das stimmt natürlich. Aber ausgerechnet das Beispiel Qt zeigt doch, dass das oben gesagte doch auch für die UI-Komponenten gilt? Was Trolltech/Nokia da aus dem Desktop-Framework für mobile Geräte gezaubert hat, ist ziemlich cool, finde ich. Es kommt noch hinzu, dass mir an Android momentan etwas gar nicht gut gefällt: Es führt die Freie Software in gewisser Weise ad absurdum. Ich habe nichts grundsätzlich gegen Android. Es ist sehr schick und konkurrenzfähig und es steht weitestgehend unter einer freien Lizenz. Das entscheidende Argument für freie Software ist für mich aber, dass Software von der Allgemeinheit kontrolliert werden sollte und nicht von einzelnen großen Firmen. Freie-Software-Lizenzen bzw. die vier Freiheiten sind dafür eine notwendige, aber wohl anscheinend leider per se keine hinreichende Bedingung. Die Entwicklung von Android sieht vom Prinzip her leider so aus, dass Google jedes halbe Jahr ein neues Release als einen einzigen Batzen in die Welt setzt. Auch Nokia hat seine MeeGo UX leider im Stillen entwickelt, aber immerhin basierte diese wohl auf der öffentlich entwickelten MeeGo Handset UX. Vor allem aber besteht MeeGo im Gegensatz zu Android aus viel mehr bereits zuvor im Einsatz befindlichen und von anderen entwickelten Standard-FS- Komponenten als nur dem Linux-Kern. Des weiteren wird MeeGo unter dem Dach der Linux Foundation entwickelt (was man von Android bezüglich der Handset Alliance so wohl nicht behaupten kann). Nun ja, mal sehen, wie das ganze noch weitergehen wird. Grüße micu -- GnuPG: https://www1.inf.tu-dresden.de/~s3418892/micuintus.asc Fingerprint: 1A15 A480 1F8B 07F6 9D12 3426 CEFE 7455 E4CB 4E80 <<</>> http://www.micuintus.de _______________________________________________ fsfe-de mailing list [email protected] https://mail.fsfeurope.org/mailman/listinfo/fsfe-de
