On Thu, 21 Apr 2011 03:39:38 +0200
micu <[email protected]> wrote:

 
> Wart ihr mal auf einem der letzten Chaos Communication Congresse? Dort 
> erstickt man inzwischen geradezu in einem Meer von MacBooks und 
> sonstigem iHasteNichtGesehen. 
> 
> Aber es gibt ja auch Leute, von denen man weiß, dass sie ganze genau 
> wissen, was freie Software ist und warum sie wichtig ist, die trotzdem 
> diese proprietären Hardware-Software-Bundles nutzen (und bei all ihren 
> Vorträgen ziemlich unverhohlen mit dem Obstlogo Werbung für unfreie 
> Software machen):

Ja, und das auch auf Veranstaltungen die direkt mit freier Software zu tun 
haben, nicht nur auf Bloggerkonferenzen. Ich weiß noch, dass ich mich sehr 
geärgert habe, weil die Präsentation der zweiten Keynote auf der OpenRheinRuhr 
zum Thema "Freies Wissen - Sammlung und Befreiung von Wissen"(!) von Martin 
Haase auf so einem Obstteil lief. Hat für mich die Glaubwürdigkeit des gesamten 
Vortrages stark beschädigt.

Der Boom hat mit dem Aufkommen mit MaxOS X begonnen. Ich kann mich noch daran 
erinnern, dass sehr viele begeistert waren, dass Apple auf einen offenen Kernel 
und BSD als Basis setzt. Damit galt das OS unter diesen Leuten als nahezu genau 
so offen und frei wie GNU/Linux. Und in der Tat gab Apple ja den Unterbau des 
Betriebssystems als "Darwin" unter einer Freien Software Lizenz frei. Bis 2006 
existierte das OpenDarwin Projekt, welches aber an der mangelnden Mitarbeit von 
Apple und der Community zugrunde ging. Auch GNU/Darwin gab es mal. 

Bis dahin gab es bei vielen den Grundgedanken, dass man mit MacOS auch 
irgendwie zur freien Software Szene dazugehört. Es gab auch immer wieder 
Hoffnung, wenn auch nicht durch Fakten gestützt, dass Apple den grafischen 
Überbau freigeben wird. Deswegen sind auch einige damalige GNU/Linux Benutzer 
zu Apple "übergelaufen". Ich kann mich noch daran erinnern, dass einige 
meinten, dass man mit MacOS X genau so frei wäre wie mit GNU/Linux (und führten 
an, dass man unter GNU/Linux auch einige proprietäre Bestandteile braucht, wie 
proprietäre Treiber usw.). Außerdem ging es ja gegen Microsoft, und wenn Apple 
mit der FS-Community zusammen arbeiten würde würde das der freien Software auch 
nutzen.

Heute ist von dieser Zusammenarbeit und der FS-Freundlichkeit leider nicht mehr 
viel zu merken. 

An die damalige Zeit erinnert mich etwas die aktuelle Situation mit Google und 
Android - mit dem Unterschied, dass bei Android nicht nur der Unterbau, sondern 
tatsächlich alles frei gegeben wurde - bis auf die proprietären Google Apps. 
Und anders als mit (Open)Darwin ist es heute tatsächlich möglich Android-Handys 
komfortabel mit einer nahezu freien Distribution zu betreiben (siehe meine Mail 
von vorhin). Nichts desto trotz bin ich aufgrund der Erfahrung mit Apple 
skeptisch und habe die Meldungen, dass Android 3.0 (vorerst) nicht frei gegeben 
wird kritisch aufgefasst.



Gruß,

Henry





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