Hi again.

Am 23.10.2016 um 20:52 schrieb Wolfgang Romey:
Gerade im Buch "20 years of KDE gesehen:

Our vision:
A world in which everyone has control
over their digital life and enjoys freedom
and privacy.


Gar nicht schlecht oder?

Tolle Mottos kann man sich immer geben. Leben muss man sie aber auch.
KDE habe ich als klassisches Tea Party Projekt erlebt. Das heisst eine
kleine Gruppe hat mehr oder weniger die absolute Kontrolle. Natürlich
gibt es auch dort 'Spielwiesen' um Neulinge zu beschäftigen, damit es
nicht so auffällt.

Das kenne ich leider von sehr vielen Freie Software Projekten. Liegt
wohlmöglich auch in der Natur des Menschen.

Es liegt vorallem aber auch in der Natur von Freien Software Projekten.
Man kann nicht jedem sofort vollständiges Vertrauen entgegenbringen. Ich
sehe oft genug schlechte Patches von Menschen die kurz aufpoppen und
dann wieder weg sind. Halbfertige Sachen, schlecht kommentiert und Doku
fehlt ganz und gar. Gerade aber solche Menschen kommen so zwei, drei
Perioden total hyperaktiv daher und sind in ihrem Aktionismus eher
destruktiv als konstruktiv.

Das ist durchaus normal und auch wichtig. Ich bin auch nicht immer gleich aktiv in Projekten, bin aber zumindest ansprechbar, falls es Fragen gibt (oder ich melde mich offiziel ab).

Die Qualität hängt aus meiner Sicht gar nicht davon ab ob jemand frisch ist oder schon lange dabei. Ich habe schon sehr schlechten Code von Leuten gesehen, die schon ewig dabei sind und sehr guten von ganz frischen Contributorn (und umgekehrt). Gegen ein vernünftiges Code Review spricht ja auch gar nichts. Wenn der Review Prozess dazu genutzt wird die Leute hinzuhalten und zu gängeln, ohne wirkliche Grund oder aufgrund von schlechten internen strukturen, ist das sehr frustrierend. Genau so habe ich es mit KDE erlebt und ich bin da nicht der einzige.

Das ist kein Statement für "einigeln" etc. aber zumindest Verständnis,
wieso man in einem Projekt irgendwann auch einen "Inneren Kreis" heraus
bildet, der das Projekt vorantreibt und steuert. Spannend ist dann die
Frage, wie dieses innere Kreis drauf ist -- dazu kenn ich die KDE-Leute
zu wenig.

Vielleicht meinst du es so, aber es ist nicht nur spannend wie der Zirkel
"drauf ist" im Sinne von wie er menschlich drauf ist. Es ist auch wichtig,
welche institutionellen und regulativen Maßnahmen getroffen werden oder wurden
um Einsteiger oder Langzeitbeteiligte einzubinden oder eben auch mal zu
entbinden. Unser Fellowship-Representative Mirko Böhm macht zu dieser
"governance" gerade interessante Forschung.

Ja, da kann er mich gerne befragen - ich hätte da die ein oder andere Erfahrung zu berichten.

Viele Grüsse
Marcus
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