Hallo Martin,

Das ist eine großartige Initiative! Da ich bereits in der Vergangenheit 
Antworten des BT auf solche Anfragen für die FSFE deskriptiv ausgewertet 
habe[1], glaube ich einige wertvolle Einblicke in Probleme der Auswertung zu 
haben, wie auch einige Anmerkungen zu möglichen Anfragen.

(1) Welche Open-Source-Anwendungen und Betriebssysteme und welche proprietären 
Anwendungen und Betriebssysteme werden in Ihrem Ministerium eingesetzt?

Dies deckt sich teilweise mit Frage 1 der von mir ausgewerteten Anfrage #18/12906[2]. Probleme gab es hierbei 
insbesondere, da zwar explizit nach "Lizenzen" gefragt, oftmals als Antwort jedoch ganze 
Software-Pakete oder einfach "Opensource" genannt wurde. Bei Frage 1 wurde zudem explizit nach 
"Freien Lizenzen" gefragt und dennoch, handelte es sich bei 189 von 822 Angaben um proprietäre 
Software oder Lizenzen. Das liegt mutmaßlich an dem technischen Verständnis des jeweiligen Bearbeiters / der 
jeweiligen Bearbeiterin. Es wird kaum möglich sein, hier fehlerfreie Angaben zu bekommen. Dennoch sollte bei 
der Formulierung der Anfrage sehr genau darauf geachtet werden, dass klar ist, welche Daten verlangt sind:
1. Name der quelloffenen Anwendungen
2. Name der quelloffenen Betriebssysteme
3. Name der proprietären Anwendungen
4. Name der proprietären Betriebssysteme

Obwohl ich persönlich Verfechter des "Freie Software" Begriffs bin, rate ich in diesem Fall von dem Gebrauch 
des Terms ab, da dies für viele Personen, sofern sie keinen Kontakt mit FOSS haben, als "kostenlose Software" 
verstanden wird. Dies gilt auch für den Begriff "offene" oder "freie" Dateiformate (siehe z.B. 
Punkt (4)).

(5) Welche Kosten entstanden in den letzten drei Kalenderjahren jeweils 
einerseits für Open-Source-Betriebssysteme und -Anwendungen, andererseits für 
proprietäre Betriebssysteme und Anwendungen?
(6) Welche zusätzlichen Kosten entstanden in den letzten drei Kalenderjahren 
darüberhinaus jeweils für Schulungen, Fortbildungen, Betreuung oder ähnliches, 
einerseits bei Open-Source-Betriebssystemen und -Anwendungen, andererseits bei 
proprietären Betriebssystemen und Anwendungen?

Hier scheint die generelle Problematik vorzuliegen, dass Software in Administrationen oftmals Teil 
von größeren oder mehreren Aufträgen sind und nicht immer getrennt davon bepreist werden können 
(oder zumindest von vielen Administrationen so dargestellt werden). Liegt ein Support- oder 
Service-Vertrag vor, sollte zudem zwischen "Anschaffungs" und "Laufkosten" 
unterschieden werden. Im Hinblick auf Punkt (6), sollte unbedingt nach Kostenarten aufgeschlüsselt 
werden.

Desweiteren wurde in der von mir ausgewerteten Antwort nach Ausschreibungen[3] gefragt, in welchen 
Fällen diese "Opensource" als Voraussetzung[4] hatten und der Grund, in den Fällen, in 
denen keine Ausschreibung getätigt wurde[5]. Bei "in-house" Entwicklung sollte zudem 
angegeben werden, ob die entwickelte Software unter einer Freien Lizenz steht oder nicht (und wieso 
nicht). Hierbei viel auf, die in vielen Fällen fadenscheinige Gründe genutzt wurden, wieso es keine 
Ausschreibung gegeben habe:
- gibt nur einen einzigen Anbieter, der Anforderungen erfüllt (Direktvergabe)
- Kostengründe (in-house)
- ...

Damals wurde auch nach PGP-Schlüsseln gefragt, um den sicheren Datenaustausch zwischen Bürger 
& Amt, bzw Amt & Amt sicher zu stellen - jedoch ohne Antwort[6]. Interessant wäre zudem, 
mit welcher Software Daten zwischen Administrationen geteilt und verschickt werden und wie 
Datensätze und Datenbestände im Allgemeinen in Administrationen gesichert werden (gibt es eine 
"Bundes-/Länder-Cloud"?)

Theoretisch könnte wie auch oben die Anfrage abgelehnt werden, weil sie als 
„Informationsbeschaffung“ oder irgendwie sicherheitsrelevant interpretiert 
wird. In dem Fall würde ich die einzelnen Beschaffungsvereinbarungen usw. 
anfragen und zur Not sonst weiter nachbohren. Aber erst mal dieser Weg.

Dies war durchaus oft der Fall, insbesondere bei der Bundeswehr oder dem BSI. 
In diesen Fällen wurde einfach keine Angabe getätigt.

Alles in allem waren die Daten von unfassbar schlechter Qualität. Viele Angaben waren 
lückenhaft, offensichtlich falsch oder wurden gar nicht erst mitgeliefert. Zudem lag der 
"Datensatz" als inkonsistente, mehrseitige PDF-Tabellen vor, was - um es 
vorsichtig auszudrücken - alles andere als optimal für eine Auswertung ist. Diese hatte 
etwa 1 kompletten Monat Vollarbeitszeit verschlungen. Ich weiß nicht, ob es hier möglich 
ist, nach anderen Dateiformaten zu fragen (sogar proprietäre MS Excel-Formate ließen sich 
leichter einlesen), falls eine deskriptive Auswertung gewünscht ist, sollte dies aber in 
Betracht gezogen werden.

Gruß,
Jan

[1] https://git.fsfe.org/janwey/pmpc-data
[2] 
https://git.fsfe.org/janwey/pmpc-data/src/branch/master/notes/questions.md#question-1
[3] 
https://git.fsfe.org/janwey/pmpc-data/src/branch/master/notes/questions.md#question-8
[4] 
https://git.fsfe.org/janwey/pmpc-data/src/branch/master/notes/questions.md#question-9
[5] 
https://git.fsfe.org/janwey/pmpc-data/src/branch/master/notes/questions.md#question-10
[6] 
https://git.fsfe.org/janwey/pmpc-data/src/branch/master/notes/questions.md#question-11c

--
Jan Weymeirsch (former intern)
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