Hallo,

mir hat die Diskussion geholfen zu erkennen, daß es noch wichtige Bereiche 
gibt, in denen Freie Software (noch) keine Chance hat. Was mir zu kurz gekommen 
ist, ist daß es ja durchaus Freie Software gibt, die in die Nähe von 
professioneller Software kommt. Für Privatleute gibt es aus meiner Sicht 
beispiesweise keinen Grund mehr, daß Office-Paket zu nutzen. Weitere Beispiele 
sind für mich Krita, Gimp (?), Ardour, Blender und Nextcloud. Alle entwickeln 
sich ja zügig. 
Das es Freie Software noch schwer hat, hat seinen Grund auch im skandalösen 
Versagen der öffentlichen Verwaltung und der Politik. Wenn die konsequent auf 
Freie Software setzen würde und die für Lizenzen vergeudeten Gelder in die 
Entwicklung von Software oder von Infrastruktur oder für die Beschaffung von 
Hardware, die ohne Probleme mit Freier Software funktioniert, verwenden würden, 
wären wohl deutlich schnellere Fortschritte möglich. Warum ist es 
beispielsweise nicht möglich, daß die Bildungsadministration für die Schulen 
eine BigBlueButton-Server aufsetzt? Statt dessen fördert man teileweise Office 
365 oder Zoom. Warum treibt man in der Bauverwaltung nicht die Nutzung Freier 
Software voraus. 

Soweit für heute.

Wolfgang




Am Montag, 22. März 2021, 09:21:41 CET schrieb Bernhard E. Reiter:
> Hallo,
> 
> Am Donnerstag 18 März 2021 12:29:56 schrieb T. Schilde - Firetech Consulting:
> > Also für uns als Planungsbüro (TGA,
> > Brandschutz) wird es immer schwieriger überhaupt noch mit freier
> > Software zu arbeiten.
> 
> ja, leider kann das in manchen Bereichen noch der Fall sein
> und sogar Rückschritte machen.
> 
> Teilweise haben die damit zu tun, dass die Hersteller proprietärer Lösungen 
> besser geworden sind, da ist dann auch ein Erfolg Freier Software zu sehen,
> durch die Wettbewerbsfreiheit.
> 
> Ein anderer Teil ist, meine Ansicht nach, dass das politische Vorankommen
> an echte Interoperabilität durch die Aushöhlung des Ansatzes eines "offenen 
> Standards" stockt und Rückschritt macht.
> (Gründe: mit Absicht kompliziert gemachte Ansätze, aber auch allgemein 
> komplizierte IT).
> 
> > ich arbeite seit 10 Jahren mit Linux und Opensource - zuerst war ich
> > erfreut über die Fortschritte im OpenSource-Bereich, doch mittlerweile
> > bin ich am resignieren weil nichts mehr vorwärts geht und die
> > Entwicklung auf im closedSource Bereich immer schneller und komplexer
> > voran schreitet.
> 
> Die positive Sicht darauf ist, dass der Wettbewerb die Anbieter aufgescheucht 
> hat. Die Investition in Freie Software hat sich zumindest dadurch finanziell 
> gelohnt, dass bessere Software zu einem günstigere Preis zur Verfügung steht.
> 
> In manchen Bereichen ist als Wettbewerbsfolge ohne Freie Software praktisch 
> kein großer Marktzugang mehr denkbar (z.B. Mobilgerätbetriebssysteme und 
> Entwicklungsoberflächen)
> 
> 
> > Doch mittlerweile stelle ich nach und nach die
> > CAD-Stations wieder auf Win10 um, weil wir mit Linux und OpenSource nur
> > noch auf Probleme stossen und die Entwicklung scheinbar stehen geblieben
> > ist. :-(
> 
> Bei CAD habe ich nur wenig Erfahrung, meine wilde These ist, dass verpasst 
> worden ist, die aufstrebenden Entwickler:innen für die Freie 
> Software-Anwendunen zu professionalisieren.
> 
> > Klar, es gibt tausende Programme für Nerds - hunderte GUI's und
> > Spielereien, aber um gewerblich vernünftig arbeiten zu können fehlt
> > einfach immer mehr!
> 
> :(
> (In manchen Bereichen ist das anders, aber wenn Du so empfindest,
>  leide ich mit Dir.)
> Vermutlich wird sich das auch nur Schritt für Schritt und mit harter Arbeit 
> im 
> Detail ändern lassen.
> 
> Viele Grüße,
> Bernhard
> 
> 


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Wolfgang Romey

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