Hallo Michael, Am 27.03.21 um 10:54 schrieb Dr. Michael Stehmann: > Wir müssen uns daran messen lassen, wie wir Konflikte austragen und > lösen. Maßstab hierfür sind dabei die Werte, die wir leben wollen.
Ja, das sehe ich auch so. > Eine wichtige Voraussetzung für Meinungsfreiheit ist Toleranz. > Tolerenz beginnt aber erst dort, wo es weh tut - vorher ist es > Gleichgültigkeit. Das sehe ich anders bzw. der Satz ist Quatsch mit Soße: Wer Toleranz erwartet, selbst aber nicht tolerant ist, ist ein Heuchler. Er misst mit zweierlei Maß. Das was für andere gilt (Toleranz geben) muss auch für einen selbst gelten. Daher müssen intolerante Meinungen nicht toleriert werden. Die Meinungsfreiheit schützt jeden davor, für seine Meinungsäußerung nicht im Gefängnis zu landen. Sie schützt aber nicht davor, dass andere Menschen nichts mehr mit einem zu tun haben wollen. Und erst recht nicht davor, dass andere die Meinung zum kotzen finden und das auch äußern. > Und wenn man dieser Person zwar Meinungsfreiheit zubilligt, ihm aber > andere Rechte beschneiden möchte, beispielsweise sich in Gemeinschaft > mit anderen für Freie Software und Offene Standards einzusetzen, und > dies dann auch noch von den anderen fordert, dann kann man das als > intolerant charakterisieren. Niemand möchte Stallman in seine Rechte beschneiden, sich weiter für Freie Software einzusetzen. Nur muss er das ja nicht unbedingt im Vorstand der FSF machen. Durch sein intolerantes Verhalten und zumindest fragwürdigen Meinungsäußerungen dort, hat er anderen die Möglichkeit genommen, Teil der Freien Software Community zu werden/sein. Du kannst niemanden dazu zwingen, tolerant gegenüber Stallmans Intoleranz oder seine verletzenden Äußerungen zu sein. Ich stimme dir aber zu, dass es wichtig ist, dass es in Maßen abläuft und nicht extrem, verstörend und schädigend für andere ist. > Fraglich ist aber, ob es der Freien-Software-Bewegung wirklich dient, > wenn viele maßgeblich Aktive als intolerant wahrgenommen werden > können. Das passiert schon. Dank Leuten wie Stallman und seinen Verteidigern wird die Teilnahme an FOSS-Projekten von vielen als zumindest schwierig angesehen. Sie sind der Grund, warum wir mit viel zu geringer Diversität zu kämpfen haben. Viele halten unsere Community jetzt schon für broken and beyond repair. Deswegen finde ich das Statement der FSFE auch so wichtig. > Wenn wir etwas von einer anderen Person fordern, dann sollten wir die > Forderung so an sie herantragen, dass sie Verständnis für diese > Forderung haben kann und in autonomer Entscheidung die Forderung > erfüllen kann. Das ist doch im Fall von Stallman geschehen. Ich sehe aber von seiner Seite oder der FSF kein Verständnis oder irgendeine Einsicht, was an Stallmans Meinungsäußerungen verletzend für andere Menschen ist, und warum Menschen deshalb einfach nichts mehr mit ihm oder der FSF zu tun haben wollen. > Schließlich sollten wir auch die Konsequenzen bedenken: Die > Forderungen einer in sich zerstrittenen, sich gegenseitig bekämpfenen > Gruppe werden, auch von sie noch so berechtigt sind, von Politik und > Gesellschaft erfahrungsgemäß nicht ernst genommen werden. Ich finde das Argument sehr weit hergeholt. Außerhalb unserer Bubble bekommen diesen Streit eh die wenigsten mit. Und das Politik und Gesellschaft wenig mit der Forderung nach mehr FOSS anfangen können, hat andere Gründe, aber nicht, dass die FOSS Community zerstritten ist. Denn das sind wir schon länger. Es kocht jetzt bloß nochmal hoch. Viele Grüße Christian _______________________________________________ FSFE-de mailing list [email protected] https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de Diese Mailingliste wird durch den Verhaltenskodex der FSFE abgedeckt. Alle Teilnehmer werden gebeten, sich gegenseitig vorbildlich zu behandeln: https://fsfe.org/about/codeofconduct
