Das sind zweifellos nachvollziehbare Argumente, aber ist das ein Grund,
dass es nichts anderes geben darf? Wer in der Freizeit eine App
programmiert (also keine beruflichen Interessen hat) und bei F-Droid
veröffentlicht, findet es vielleicht nicht toll, wenn jemand anderes
dieselbe App mit Trackern und Ads versieht und im Google-Store
einstellt. Ist das so verdammenswürdig, dass man es bekämpfen muss - was
die FSF tut? Die FSFE auch?
Im App-Bereich kenn ich dafür kein Beispiel, aber bei anderen
Anwendungen hab ich vergleichbares schon gesehen und die
Programmierer*innen waren wütend aber hilflos. Als Konsequenz gab es
dann überwiegend proprietäre Lizenzen (all rights reserved) mit genau
dem von Dir bemängelten Ergebnis - Rechtsinhaber/in war irgendwann weg
und niemand konnte den Code weiterführen.
> Für ein Projekt unter einer NC-Lizenz wäre der Tod oder das
Verschallen ...
> des Autors im Wesentlichen das Ende des Projektes. Wer will ein Programm
> oder eine Bibliothek verwenden, von der man nicht weiß, ob man sie
> jemals ggf. in ein kommerzielles Produkt integrieren darf?
Warum? Es ist doch klar, dass man gerade das NICHT darf - das Projekt
ist nur nicht-kommerziell interessant.
Am 11.05.21 um 00:42 schrieb Henning Thielemann:
On Tue, 11 May 2021, Ilu wrote:
Sobald jemand auch nur ansatzweise versucht, sich lizenztechnisch ein
wenig vor dieser Ausnutzung zu schützen, kommt der Vorwurf "unfrei" -
"weniger frei" wäre sicherlich korrekt, aber warum wird das allgemein
verdammt? Wer das Werk kommerziell nutzen will, muss sich dann einfach
nur um eine individuelle Vereinbarung bemühen. Teilweise wird die
individuelle Vereinbarung direkt angeboten (siehe elasticsearch), aber
der Aufschrei kommt trotzdem.
Was, wenn das Werk verwaist ist, der Originalautor nicht mehr erreichbar
oder gar nicht mehr am Leben?
Für ein Projekt unter einer NC-Lizenz wäre der Tod oder das Verschallen
(musste gerade nachschauen, was der Infinitiv von "verschollen" ist :-)
des Autors im Wesentlichen das Ende des Projektes. Wer will ein Programm
oder eine Bibliothek verwenden, von der man nicht weiß, ob man sie
jemals ggf. in ein kommerzielles Produkt integrieren darf?
Die GPL wirkt auf viele Unternehmen ja schon wie eine
Non-Commercial-Klausel, obwohl sie das nicht ist. (Wenn ein Unternehmen
eine GPL-Bibliothek nur im eigenen Hause einsetzt, muss es niemandem die
neu drangebauten Funktionen offenlegen.) Manche Unternehmen kaufen sich
dann vom Autoren lieber eine schwächere Lizenz, um ihre eigenen
Erweiterung ihren eigenen Benutzern nicht offenlegen zu müssen.
Außerdem sehe ich es nicht so, dass ich durch Verwendung einer GPL oder
BSD-Lizenz mein Werk zur Ausbeutung durch kommerzielle Unternehmen
verschenke. Bei vielen Bewerbungen sind meine Freien-Software-Projekte
ein Nachweis meiner Programmierfähigkeiten und meiner
Programmierdisziplin. Außerdem spart ein Unternehmen Geld, wenn es mit
Erweiterungen den Originalautor beauftragt, statt einen eigenen
Mitarbeiter erst einarbeiten lassen muss. Ok, das sehen nicht alle
Unternehmen so. Manche investieren dann lieber in den eigenen
Mitarbeiter, damit bloß nichts nach außen dringt. Das ist aber auch
deswegen teuer, weil der Mitarbeiter die unternehmenseigenen Änderungen
auch pflegen und mit neuen Funktionen vom Originalautoren
zusammenbringen muss.
Und falls ich doch was verschenken sollte - ich nehme ja auch
Softwaregeschenke von anderen an. Das gleicht sich wieder aus.
_______________________________________________
FSFE-de mailing list
[email protected]
https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de
Diese Mailingliste wird durch den Verhaltenskodex der FSFE abgedeckt.
Alle Teilnehmer werden gebeten, sich gegenseitig vorbildlich zu
behandeln: https://fsfe.org/about/codeofconduct