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Konferenzankündigung "Grenzgänge zwischen Religion und Philosophie" Graduiertentagung Forschungskolloquium Interkulturelle Philosophie, Universität zu Köln Köln (Deutschland) 12.-13. Februar 2007 __________________________________________________ Die Fragestellung der Tagung steht im Brennspiegel eines sich beschleunigt vollziehenden Wertewandels. Nicht-europäische Philosophien suchen westliche Formen der Rationalität, wie sie seit der 2. Hälfte des 20. Jh. verstärkt im Wissenschaftsbezug, in pragmatischen oder analytischen Formen der Problembeschreibung ihren Niederschlag finden, als Logos-zentriert in ihre Grenzen zu weisen: Eine Philosophie, so die leitende Überlegung, die nicht mehr den Sinn des gelebten Lebens sowie den Transzendenzbezug des Menschen zu thematisieren weiß, habe nicht nur ihr Ziel verfehlt, sondern auch ihre Legitimationsgrundlage eingebüßt. Die Auseinandersetzung zwischen diesen Extremen gewinnt an Brisanz: Eine Vielzahl westlicher Traditionslinien wird zwar als Explikationsgrundlage in Gebrauch genommen, doch auf der Basis des je `eigenen Weges´ zu überbieten versucht: - Grundlagen des Islam werden mit Bezug auf Positionen der Aufklärung (Rousseaus, Voltaires, Kants und Fichtes) neu gesichtet und durch die Potentiale der Selbstreflexion, des aufgeklärten Wissens wie der Idee der Freiheit auf einen neuen Grund zu stellen versucht. Erreicht werden soll eine höhere Integration von Rationalität und Spiritualität, als es jene Positionen erlaubten. - Die chinesische prozessorientierte Philosophie sucht Grundfragen des Taoismus und Konfuzianismus im Lichte westlicher Positionen auszulegen (insbesondere der Philosophien Hegels, Heideggers, aber auch der Whiteheadschen prozessorientierten Metaphysik). Betont wird jedoch die irreduzible Integrationskraft taoistischer und konfuzianischer Annäherung. - Die japanische Kyoto-Schule unternimmt den Versuch, das buddhistische Primat der Leere bzw. der reinen Erfahrung (James) - als letzten Horizont aller sinnlich-übersinnlichen Bemühungen zu beschreiben und sich auf diese Weise als weiterentwickelte Stufe idealistischer und phänomenologischer Bemühungen zugleich in diese Traditionslinie einzuschreiben. - Verschiedene Schulen des Buddhismus suchen die Nähe zu Positionen der Dekonstruktion, insofern hier die Kritik am `Substanzbegriff´ als Ausgang auch der eigenen Reflexion über Identität und Differenz dienen kann. Zunehmend wird die Stärke der je eigenen philosophischen `Herkunftswelten´ betont, da sie allein den spirituellen Bedürfnissen des Menschen, seiner sinnlich-übersinnlichen Doppelnatur, noch gerecht zu werden vermögen. Gegen den `vereinseitigenden Verstand´ westlicher Prägung wird der Holismus einer die Extreme umgreifenden, Rationalität und Spiritualität integrierenden Perspektive betont. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen - aus der Abkehr gegenüber den Postulaten westlicher Rationalität ist längst ein Politikum geworden. Wie, so lautet darum unsere Frage, können Positionen, denen Spiritualität, das Sakrale oder der jeweilige Transzendenzbezug ein Letztes ist, zu Formen der Verständigung finden, die sie nicht dogmatisch voreinander trennt, sondern die ihr Anliegen auch für die anderen nachvollziehbar werden lässt? Und wie können Positionen, denen Rationalität als letzter Horizont der Weltbeschreibung gilt, die Tauglichkeit ihrer Rationalitätsstandards erweisen, um der Herausforderung der wiedererwachenden Spiritualität/Religiosität Rechnung zu tragen? Die Tagung findet im Neuen Senatssaal der Universität zu Köln statt. Programm: Montag, den 12. Februar 9.00-9.45 Dacian Bugnar "A nihilo nihil fit": Überlegungen zum Grundgedanken des Spinozismus 9.45-10.30 Dr. Sasa Josifovic Das Ich und seine Gestalten im Selbstbewusstsein 10.30-11.15 Tom Denter Selbstbewusstsein und das Absolute: Fichtes transzendentale Methode im Lichte der Spätphilosophie 11.30-12.45 Myriam-Sonja Hantke "In lieblicher Bläue..." - Hölderlins Religionspoesie im Glanz der platonischen Philosophie 12.45-13.30 Anna Bremen Dimensionen von Personalität in Schellings Identitätsphilosophie 15.00-15.45 Renate Trapp Kant: Der Gott in uns Kants Rechtfertigungsstrategie 15.45-16.30 Jörg Bernardy Al Ghazzali und die "Widerlegung der Philosophen" 17.00-17.45 Christian Blum Solidarität als universale Grundlage nationaler Staatlichkeit - die Aktualität von Ibn Khalduns "Muqaddima" 17.45-18.30 Dr. Reza Yousefi Konzepte der Religionswissenschaft: Eine interkulturelle Perspektive am Beispiel von Al-Gazalli und Kant 20.00: Öffentlicher Abendvortrag im Neuen Senatssaal: Prof. Dr. Juichi Matsuyama, Kyoto Schelling Hegel Nishida Dienstag, den 13. Februar 9.00-9.45 PD Dr. Monika Kirloskar-Steinbach Die Rolle des Nichtwissens in der Advaita-Philosophie 9.45-10.30 Dr. Silja Graupe Nishitani: Wissenschaft und Religion 10.30-11.15 Maren Zimmermann Das Denken und seine Negativität: Hegel und Nishida im interkulturellen Vergleich 11.30-12.45 Maia Traine Ästhetische Betrachtungen in Nietzsches Tragödienschrift 12.45-13.30 Markus Pfeifer Die Last des Antlitzes Levinas Philosophie des Anderen zwischen Bruch und Neubegründung der Totalität 15.00-15.45 Viktoria Burkert Der Einfall des Göttlichen. Ein Versuch über die radikale Andersheit des Anderen bei Emmanuel Levinas 15.45-16.30 Christoph Uhlhaas Subjektivität und Kulturalität in der Philosophie von Ernst Cassirer: Ihre Deutungen und Implikationen für die Interkulturelle Philosophie 17.00-17.45 Dr. Gabriele Münnix Derrida, negative Theologie und interkulturelle Philosophie 17.45-18.30 Dr. Markus Wirtz Pluralität als gemeinsamer Problemhorizont religiöser und philosophischer Haltungen (Habermas/Ratzinger) Kontakt: Prof. Dr. Claudia Bickmann Universität zu Köln Philosophisches Seminar Albertus-Magnus-Platz 50923 Köln Deutschland Tel: +49 (0)221 / 4706362 Fax: +49 (0)221 / 2825188 E-Mail: [email protected] __________________________________________________ InterPhil List Administration: http://interphil.polylog.org Intercultural Philosophy Calendar: http://cal.polylog.org

