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Einladung zu Beiträgen

"Nietzsche - Philosoph der Kultur(en)?"
Internationaler Kongress
Nietzsche-Gesellschaft
Naumburg (Deutschland)
23.-26. August 2007

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Weithin macht das Wort vom „Kampf der Kulturen“ die Runde. Die Gegenwart
wird bestimmt von Fragen nach kultureller Identität und kultureller
Diversität. Aber wie ist dem Problem der Kultur denkerisch beizukommen?
Die internationale Tagung der Nietzsche Gesellschaft e. V. wird
ausloten, welchen spezifischen Beitrag Friedrich Nietzsche für das
Verständnis dessen geleistet hat, was Kultur ist und sein soll. Dabei
wird es um Nietzsches Auseinandersetzung mit dem Begriff und mit den
Konkretionen von Kultur ebenso gehen wie um seine kulturreformerischen
Pläne, nämlich eine Kultur nach Maßgabe des Lebens zu schaffen. Es soll
untersucht werden, inwiefern Nietzsches Versuch, aus der Perspektive
fremder Kultur(en) die eigene zu beurteilen, bereits Wege
interkultureller Reflexion einschlägt. Sodann ist nach der konkreten
Rezeption von Nietzsches kulturphilosophischen Ansätzen im 20.
Jahrhundert zu fragen, galt Nietzsche doch lange Zeit als
Kulturphilosoph par excellence. Schliesslich wird in systematischer
Hinsicht zu eruieren sein, inwiefern Nietzsches Kultur-Denken für die
gegenwärtig so aktuelle Kulturphilosophie und den cultural turn in den
Geisteswissenschaften noch anschlussfähig ist.

H a u p t v o r t r ä g e

Keith Ansell-Pearson (Warwick): Nietzsche's Contribution to an
Understanding of Static and Dynamic Cultures
Iso Camartin (Zürich): Kultur als Schule des Glücks?
Johann Figl (Wien): Transkulturelles Denken - Nietzsches frühe
Kenntnisse
anderer Religionen und Kulturen
Raymond Geuss (Cambridge): Nietzsche: Kultur als Vorbild und als
Schranke
Heinz Kimmerle (Zoetermeer): Die interkulturelle Dimension von
Nietzsches Philosophieren
Gert Mattenklott (Berlin): ...
Reinhard Mehring (Berlin): "Kultur und/oder Politik. Nietzsche, Thomas
Mann und die Semantisierung der Unterscheidung"
Andrea Orsucci (Cagliari): Nietzsche, Spengler, Heidegger:
Kulturphilosophie und historiographische Forschung
Renate Reschke (Berlin): „Warum Kultur von Zeit zu Zeit an sich selbst
zugrunde geht ...“
Nietzsches ambivalente Apotheose einer ästhetisch dominierten Kultur"
Paul van Tongeren (Nijmegen): Nietzsche: der Philosoph als Arzt der
Kultur
Vivetta Vivarelli (Florenz): Europäisch-amerikanische Rastlosigkeit und
asiatische Beschaulichkeit: der Freie Geist und die Verschmelzung der
Kulturen

S e k t i o n e n

A - Kultur(en) und Religion(en)
(Sektionsleitung: Hans Gerald Hödl / Marco Brusotti)
Nietzsche ist in der Religionsphilosophie v.a. als radikaler Kritiker
des Christentums bekannt. Er hat sich aber nicht nur mit seiner
Herkunftsreligion kritisch auseinandergesetzt, sondern auch Werke von
Autoren, die für die Herausbildung einer vergleichenden
Religionswissenschaft maßgeblich waren, für seine Studien zu religiösen
Phänomenen herangezogen (Friedrich Max Müller, Edward B. Tylor, Julius
Wellhausen u.a.). Nietzsche hat nicht bloß die religionskritische
Sichtweise über die abendländische Tradition hinaus ausgeweitet, sondern
in der vergleichenden Untersuchung auch Typisierungen und Wertungen der
verschiedenen historischen Religionen vorgenommen, und zwar hinsichtlich
ihrer Funktion für die menschliche Gesellschaft. Damit hat er eine
„sozialpsychologische Betrachtungsweise“ (Hubert Knoblauch) der
Religionen eingeführt und ansatzweise einen ähnlichen Standpunkt
eingenommen, wie später die Religionssoziologie, etwa bei Max Weber, der
sich ausdrücklich auch auf von Nietzsche aufgeworfene Fragestellungen
bezieht. Doch auch tiefenpsychologische Betrachtungsweisen der Religion
(etwa Freud oder Jung) weisen Bezüge zu Nietzsches Werk auf.
Ausdrücklich sind Beiträge erwünscht, die Nietzsches Denken sowohl
synchron mit Rücksicht auf seine Lektüren und Stellungnahmen zu
zeitgenössischen religionswissenschaftlichen und
religionsphilosophischen Fragestellungen als auch diachron in Hinblick
auf seinen Einfluß auf spätere Positionen in der
kulturwissenschaftlichen, philosophischen, psychologischen,
sozialwissenschaftlichen und theologischen Religionsforschung
kontextualisieren.

B - Kultur und/als Text
(Sektionsleitung: Christian Benne / Enrico Müller)
Die Sektion widmet sich den Beziehungen zwischen Nietzsches Text- und
Kulturauffassung auf der einen sowie seinem philologischem Zugriff auf
die Kulturanalyse und dem Begriff der Kultur(en) selbst auf der anderen
Seite. Dabei soll nicht zuletzt die Frage erörtert werden, inwiefern die
griechische Kultur in Nietzsches Werk als kanonischer Text – das heißt
als Richtmaß – zur Bewertung anderer Texte oder Kulturen gilt.

C - Kultur und (Im-)Moral
(Sektionsleitung: Karen Joisten / Christian Schärf)
Friedrich Nietzsche ist einer der größten Kritiker der überlieferten
christlichen Moral. Zugleich ist er ein Visionär und Vordenker des sog.
„Immoralismus“, der in der Überwindung des traditionellen
Gegensatzdenkens von „gut und böse“ auf das „jenseits von gut und böse“
zielt. Hier haben Nietzsches zentrale Gedanken des „Übermenschen“, der
„ewigen Wiederkehr des Gleichen“, der „Unschuld des Werdens“ und der
„Unverantwortlichkeit“ ihren Ort, die uns und unsere Zeit
herausfordern.

D - Kultur und Körper
(Sektionsleitung: Volker Caysa)
Nietzsche analysiert Körperkulturen im Spannungsfeld von Geworfenheit
und Entwurf. Die Körper sind durch die Kultur des Umgangs mit ihnen
geworfen; die Körperverhältnisse einer Kultur entwerfen grundlegend alle
anderen Selbstverhältnisse des Menschen in einer Kultur. Mit den je
besonderen Körperverhältnissen, die Nietzsche in Beziehung zu Lust- und
Gefühlshaushalten, zu Religion und Moral darstellt, ist nach Nietzsche
die Frage verbunden, ob es trotz der ausgeprägten Besonderheiten der je
verschiedenen Körperkulturen diese übersteigende, allgemeine Standards
des Körperumgangs gibt, die moderne, nachhaltige, zukunftsorientierte
und humane Körperselbstverhältnisses des Menschen global garantieren.

E - (Ästhetische) Kultur und Kunst
(Sektionsleitung: Renate Reschke / Knut Ebeling)
Dass Nietzsches Philosophie zu einem guten Teil kulturphilosophisch
dimensioniert ist, gehört zum Konsens gegenwärtiger Diskurse, ihr
inhärenter Bezug zu grundlegender ästhetischer Welt- und Kunstsicht
ebenso. Wie der Zusammenhang zwischen Kultur, Ästhetik und Kunst in
seinem Denken historisch, aktuell und interdisziplinär konkret zu
bestimmen ist, soll in den Beiträgen dieser Sektion zur Debatte stehen.
Dies, gemäß der Ansicht Nietzsches, dass ein Zustand ohne Kunst nicht zu
imaginieren sei und der Wert einer Kultur sich an ihrer Kunstnähe oder
Kunstferne zu messen habe.

F - Kultur und Politik
(Sektionsleitung: Beatrix Himmelmann / Martin Rühl)
Kultur und Politik stehen für Nietzsche durchaus in einem
Spannungsverhältnis. Unter dem Titel „Auferstehung des Geistes“ heißt es
in Menschliches, Allzumenschliches (465): „Auf dem politischen
Krankenbette verjüngt ein Volk gewöhnlich sich selbst und findet seinen
Geist wieder, den es im Suchen und Behaupten der Macht allmählich
verlor. Die Cultur verdankt das Allerhöchste den politisch geschwächten
Zeiten.“ Größe begreift Nietzsche als Größe der Kultur, nicht der
Imperien. Die Kultur aber stützt sich wesentlich auf ästhetische
Fundamente. Für den späten Nietzsche gewinnt die Idee der „großen
Politik“ Bedeutung. Insbesondere die mit ihr verbundenen Aufgaben der
„Züchtung“ und der „Erdherrschaft“ haben Anlass zu Kritik an Nietzsches
politischen Visionen und ihren kulturpolitischen Implikationen gegeben.
Insofern Nietzsche „große Politik“ als europäische Politik versteht, die
„Nationalismus“ und „Vielwollerei“ überwindet, erhofft er sich von ihr
positive Effekte für die Menschenbildung, genauer: für die Herausbildung
des „guten Europäers“. In verschiedenen geschichtlichen Gestalten wie
Goethe, Napoleon, Beethoven, Heine und Schopenhauer, allesamt „große
Individuen“, bewundert er den Stil dieser Zukunft, die er in ihnen
vorgeprägt sieht.
Die Vielschichtigkeit und Ambivalenz der Beziehungen zwischen Politik
und Kultur, wie sie Nietzsche zeichnet und wie sie von der
Nietzsche-Rezeption in unterschiedlichster Akzentuierung aufgenommen
wurden, sollen im Zuge der Sektionsarbeit genauer ausgelotet werden.

Anmeldungen zu Vorträgen in den Sektionen (max. 30 Minuten) mit Abstract
(max. 2'000 Zeichen) und Curriculum Vitae bitte bis 30. April 2007
einsenden.

Wissenschaftliche Leitung: PD Dr. Andreas Urs Sommer (Greifswald)
Organisation: Ralf Eichberg (Dehlitz an der Saale)


Kontakt:

Ralf Eichberg
Nietzsche-Gesellschaft e.V.
Weingarten 18
06618 Naumburg (Saale)
Deutschland
E-Mail: [email protected]
Web: http://www.nietzsche-gesellschaft.de/deutsch/anzcall.htm


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