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Konferenzankündigung

"Selbstverhältnis im Weltbezug? Eine interkulturelle
philosophische Perspektive"
Tagung des Forschungskolloquium Interkulturelle Philosophie
Universität zu Köln
Köln (Deutschland)
11.-12. Juli 2007

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Sollte die menschliche Seele in den großen Traditionen der
Weltphilosophien – in der abendländischen Philosophie von
Platon bis Hegel – aber auch in den Philosophien des
Orients, - im Hinduismus, Buddhismus, Taoismus und
Konfuzianismus - noch die Mitte bilden zwischen den
natürlichen Erscheinungen der gegebenen Welt und dem freien
Geiste der moralischen Welt, so hat das Selbst oder die
Seele - herabgestimmt zum empirischen Ich oder zur
personalen Identität – in der Philosophie des 19. und 20.
Jh.s diese Zentralstellung verloren. Vormals in nahezu allen
Weltphilosophien Ort der Vermittlung und Indifferenzierung
der Pole, sollte sie das gesamte Seinsgeschehen aus seiner
Veräußerung in Natur und Geist in sich selbst zurückführen
und auf einen freien Grund stellen können. Im Horizont der
speziellen Metaphysik sollte die menschliche Seele zwischen
dem Weltbegriff und der Idee eines Wesens aller Wesen
vermitteln, in ihrer sinnlich-übersinnlichen Doppelnatur an
beiden Sphären gleichermaßen einen Anteil haben.

Nun aber wird sie – vornehmlich innerhalb der
abendländischen Philosophie - weder in ihren epistemischen
Funktionen mehr als Integrations-instanz
(Apperzeptionseinheit) unserer empirischen Erkenntnisse
dienen, noch als moralisches Ich im Reich der Zwecke
spontanursächliche Quelle freier Selbstgesetzgebung sein;
noch soll sie als ein fühlendes und strebendes Wesen in
Kunst, Natur und Religion ihre Einstimmigkeit mit der
erfahrbaren Welt erkunden.

In kritischer Abgrenzung gegen das Bemühen, unser wissendes,
wollendes und fühlendes Selbst- und Weltverhältnis in einem
höher integrierten Theorietyp zu vereinen, ist das Ich oder
Selbst aus seiner vermittelnden Rolle zwischen der
vorausgesetzten natürlichen Welt und der durch freie Akte
möglichen moralischen Welt entlassen. Ohne ein Bewusstsein
von `Herkunft´ und `Zukunft´ stürzt das transzendental
obdachlos gewordene Ich - nach Schleiermacher, der
Frühromantik, nach Kierkegaard, Nietzsche und Heidegger - in
das Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit. Angst (Heidegger)
und Verzweiflung (Kierkegaard) werden zur Grunderfahrung
einer Existenz, die sich nicht mehr in einem transzendenten
Bezugssystem verankert weißt. Gegenläufig dazu finden wir -
ebenso innerhalb der abendländischen Philosophie - eine
Weltbeschreibung, die den Einzelnen als beobachtbares und
beschreibbares Objekt im relationalen Gefüge innerer und
äußerer Abhängigkeiten zur Selbstdementierung und
Selbstannihilierung seines wissenden und wollenden
Selbstverhältnisses zwingt. Indem eine solche
verobjektivierende Selbst- und Weltbeschreibung nur mehr
Relationen, aber keine sich wissenden Individualitäten mehr
kennt, - deren ‚Sich-Wissen’ im ‚sich setzenden
Selbstvollzug’ (Fichte) verankert ist, - liefert sie dem
Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit (Schleiermacher)
ungewollt ein sachliches Fundament.

In welcher Weise kann eine Öffnung auch gegenüber
vielfältigen nicht-europäischen Philosophien, in denen das
Weltverhältnis noch an das wissende und wollende
Selbstverhältnis gebunden bleibt, einen Weg in eine
gemeinsame Fragestellung weisen?


Programm
 
Mittwoch, 11. Juli 2007

9.15-9.55       
Prof. Dr. Claudia Bickmann: 
Zwischen Vernunft und Erfahrung: Selbstverhältnis im
Weltbezug?

9.55-10.35      
Dr. Dirk Fonfara: 
Selbst und Weltverhältnis gemäß Aristoteles' Ethik und
'Erster Philosophie' - unter besonderer Berücksichtigung der
Metaphysikdeutungen des Avicenna und des Averroes

10.35-11.15     
Dr. des. Sasa Josifovic: 
Der liebende Gott und die Kantische Vernunft. Kann der
Anspruch der Aufklärung, Gott als reine Vernunft zu fassen,
gelingen?

11.30-12.10     
Konrad Wrobel: 
Glauben und Wissen bei Kant und Hegel - Probleme doppelter
Weltbürgerschaft aus absoluter Perspektive

12.10-12.50     
Renate Trapp:  
Der Mensch: ein Weltbildendes Wesen? Eine Untersuchung zu
Kants Kritik der ästhetischen Urteilskraft

14.30.-15.10
Tom Denter: 
Absolute Vernunft und zeitgenössischer Pluralismus – im
Ausgang von J.G. Fichte

15.10-15.50
Myriam-Sonja Hantke: 
Vom Wesen des Negativen Idealismus - Die Poesie als Urgrund
von Selbst und Welt

15.50-16.30
Maren Zimmermann: 
Hegels Idee der Negativität als Movens in der Entwicklung
des Selbst- und Weltverhältnisses

17.00-17.40
Junichi Ono: 
Mulla Sadra und Überwindung der Prädikatstheorie Nishidas

17.40-18.20
Dr. Markus Wirtz:
Gibt es mich? - Marxistische und buddhistische Positionen
(und Negationen) zur un-aufhebbaren Dynamik des
Selbst-Welt-Verhältnisses

Donnerstag, 12. Juli 2007

9.15-9.55
Jana Padel:
"Fichtes Theorie der verschiedenen Stufen des Selbst- und
Weltverhältnisses. Vom „engen“ zum wahren Ich.
Glückseligkeit und sittliche Selbstaufgabe in Fichtes
populären Schriften"

9.55-10.35      
Dr. des. Anja Solbach: 
Hymnische Dichtung und die différance.
Hölderlin-Heidegger-Derrida

10.35-11.15     
Dr. des. Kai Hochscheid: 
Heidegger. Ontologische Differenz und Ereignis

11.30-12.10     
Markus Pfeifer:
Ontische und ethische Dimensionen des Selbst- und
Weltverhältnisses im Sinne von Emmanuel Levinas

12.10-12.50
Viktoria Burkert:
Orte der Verletzlichkeit. Zur notwendigen Bedingung für ein
angemessenes menschliches Selbst- und Weltverhältnis
(Eckhart, Levinas, Derrida)

12.50-13.30
Suzanne Metselaar:
Eine Hermeneutik der Unverständlichkeit
Gadamer-Heidegger-Levinas

14.30-15.10
Dacian Bugnar:
Die Erschaffung einer Weltgesellschaft. Über die
sozialontologischen Grundlagen einer Philosophie der
Interkulturalität.

15.10-15.50     
Tatjana Sheplyakova:
Der Mensch – „Schauspieler" oder „Doppelgänger"? Zu
gesellschaftspolitischen Konsequenzen anthropologischer
Positionen Helmuth Plessners und Michail Bachtins.

15.50-16.30     
Dr. Silja Graupe:
Der Spiel-Raum wirtschaftlichen Handelns. Kritik einer
ökonomischen Metapher aus Sicht der japanischen Philosophie

17.00-17.40
PD Dr. Monika Kirloskar-Steinbach: 
Selbst und Weltverhältnis. Eine Advaita-Perspektive

17.40-18.20
PD Dr. Klaus von Stosch:
Selbst und Welt im Spannungsfeld von Einheit, Vrschiedenheit
und Nicht- Dualität. Ein Gespräch zwischen Advaita Vedanta
und christlicher Trinitätstheologie vor dem Horizont
modernen Freiheitsdenkens


Kontakt:

Prof. Dr. Claudia Bickmann
Philosophisches Seminar
Universität zu Köln
D-50923 Köln
Tel. +49 221 470 6362; 470 2451
E-Mail: [email protected]

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