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Einladung zu Beiträgen

"Ethik"
Moderne. Kulturwissenschaftliches Jahrbuch
Jahrgang 7 (2011)
Hg. von Helga Mitterbauer und Katharina Scherke

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Das Kulturwissenschaftliche Jahrbuch Moderne versteht sich als
Publikationsorgan interdisziplinärer Forschungsarbeiten zu
gesellschaftlichen bzw. kulturellen Aspekten der akzelerierten
Modernisierung. Grundlegende Koordinaten bilden die Moderne sowie der
zentraleuropäische Raum, ein besonderes Gewicht kommt den Phänomenen
der Globalisierung und ihren Folgen (Transnationalität,
Multikulturalität, Disloziertheit etc.) zu.

Der Themenschwerpunkt des Jahres 2011 greift die Debatte um einen
„Ethic Turn“ auf und reagiert damit einmal mehr auf das wachsende
Unbehagen an konstruktivistischen Paradigmen. Die Hinwendung zu
ethischen Fragestellungen nach Verantwortlichkeit und Glaubwürdigkeit
baut auf Theoremen von Emmanuel Levinas, John Rawls bzw. Charles
Taylor auf, die fokussieren, was unsere Beziehungen mit und unser
Erkennen des Anderen konstituiert. Bereits Derridas Dekonstruktion
der Ethik ist genuin ethisch, weil angetrieben von der Notwendigkeit
wie dem unmöglichen Verlangen nach der Versöhnung zwischen dem Selbst
und dem Anderen, ohne dabei deren irreduzible Singularität
aufzugeben. Ebenso wie Jean-Luc Nancy oder Jean-François Lyotard geht
er dabei von einer nicht-dominanten Beziehung zum Anderen aus. Zu
reflektieren wäre damit die Frage nach Recht und Gerechtigkeit im
Verhältnis des Selbst zum Anderen, in „der Sprache des Anderen“.
Verantwortlichkeit konstituiert vor allem bei Levinas das Menschsein,
das Humanitäre an sich. Der Themenschwerpunkt des
Kulturwissenschaftlichen Jahrbuchs fragt nach dem Stellenwert und der
Bedeutung der Ethik „after certainity“ (Zygmunt Bauman) und somit
auch nach den Möglichkeiten einer Anknüpfung an die Erkenntnisse
postmoderner, -strukturalistischer oder -kolonialer Theoriebildung.

Kultur wird nicht als „unschuldig“ gegenüber Politik betrachtet, und
der Band zielt darauf, zentrale ethische Begriffe, die in den
Kulturwissenschaften eine wichtige Rolle spielen, zu reflektieren.
Die Aufgabe, die komplexen und vielfältigen Schnittstellen zwischen
Ethik und Kultur, Politik, Recht oder Ökonomie in der gegenwärtigen
Gesellschaft herauszufiltern, richtet sich sowohl an VertreterInnen
der Soziologie, Geschichte, Philosophie, Politik- sowie
Rechtswissenschaften, der Geschlechterstudien als auch der Musik-,
Literatur- und Kunstwissenschaften, in denen das von Alain Badiou
postulierte Streben nach Wahrheit als primäre ethische Aufgabe von
Literatur und Kunst zu diskutieren wäre.

Neben den bereits angedeuteten Themen sind Beiträge zu Fragen
denkbar, ob Ethik als letztes großes Narrativ in der postmodernen
Gesellschaft Bestand haben kann und soll, wie der gegenwärtige
ethische Diskurs dazu beitragen kann, neue Ideen im Bereich Kultur
und Gesellschaft hervorzubringen oder welche Theorien, Denkansätze zu
Synergien in der interdisziplinären Debatte um die Ethik führen
können, um die aktuellen kulturellen und sozio-politischen
Veränderungen besser zu verstehen.

Zusätzlich zu diesem Schwerpunkt kommen Diskussionsbeiträge,
Forschungsberichte und Aufsätze in Frage, die sich aus
kulturwissenschaftlicher Perspektive theoretisch und empirisch mit
den Phänomenen „Moderne“ und/oder „Zentraleuropa“ auseinandersetzen.

Erbeten werden Vorschläge für:
1. Aufsätze im Umfang von ca. 15 Druckseiten (30.000 Zeichen) sowohl
zum Themenschwerpunkt als auch zu anderen Bereichen der
Moderneforschung
2. Forschungsberichte im Umfang von ca. 6 Druckseiten (10.000
Zeichen), in denen aktuelle Forschungsprojekte auf diesen Gebieten
vorgestellt bzw. -ergebnisse mitgeteilt werden
3. Rezensionen (max. 3000 Zeichen) über aktuelle Neuerscheinungen
(2010–2011)

Abstracts im Umfang von 10 bis 15 Zeilen (mit kurzen
bio-bibliographischen Angaben) ersuchen wir bis 31. Dezember 2010 an
<[email protected]> zu richten. Da das Jahrbuch ein
Peer-Review-Organ ist, sind die ausgewählten Beiträge bis spätestens
30. April 2011 abzuliefern. 


Kontakt:

Prof. Dr. Helga Mitterbauer
E-Mail: [email protected]
 
 
 
 
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