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Call for Papers

Theme: Faktum, Faktizität, Wirklichkeit
Subtitle: Phänomenologische Perspektiven
Type: DGPF Jahrestagung 2019
Institution: Deutsche Gesellschaft für phänomenologische Forschung
(DGPF)
   Österreichische Gesellschaft für Phänomenologie (ÖGPhä)
   Universität Wien
Location: Wien (Österreich)
Date: 18.–21.9.2019
Deadline: 30.1.2019

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(Enlish version below)


Folgt man der mit dem Begriff des »Postfaktischen« verbundenen
Zeitdiagnose, so befinden wir uns in einem Zeitalter, in dem
wissenschaftliche Erkenntnisse durch »gefühlte Wahrheiten« und
Tatsachen durch »alternative Fakten« ersetzt werden. Gleichzeitig
zeigt sich – im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und des
Aufkommens neuer Informationstechnologien – eine breite
gesellschaftliche Entwicklung hin zu einer Herrschaft des faktisch
Gegebenen im Sinne nackter Daten (Big Data), die scheinbar abseits
jeder lebensweltlichen Verankerung das soziale Leben einer
umfassenden Algorithmisierung und Berechenbarkeit unterwerfen.
Angesichts dieser ambivalenten und spannungsreichen Gemengelage im
Kontext der gegenwärtigen „Wahrheitskrise“ fragt die Tagung nach den
spezifischen Einsatzpunkten, Perspektivierungen und Einsichten, die
phänomenologische Ansätze für Fragen des Gegebenen und des Faktischen
sowie der Faktizität und der Evidenzerzeugung zu liefern vermögen. Im
Zentrum steht dabei das Problem des Verhältnisses zwischen
wissenschaftlichen Tatsachen und soziopolitischen Realitäten sowie
kulturellen Lebenswelten, das nicht zuletzt im Zuge der
Globalisierung von Informationsflüssen und den damit einhergehenden
interkulturellen Verflechtungen heute an Dringlichkeit gewinnt.

Bei diesen Fragen handelt es sich in der Tat um Kerngebiete der
Phänomenologie. Denn in ihrer gesamten Geschichte – von Husserls
Diktum »Zu den Sachen selbst!« und seiner Kritik am Positivismus
resp. Psychologismus über Heideggers Abgrenzung der Wahrheit als
aletheia von Formen faktischer Richtigkeit sowie seiner
»Ding«-Analyse, Arendts Überlegungen zu Politik und Wahrheit sowie
Levinasʼ These vom Vorrang der Gerechtigkeit gegenüber der
Objektivität bis hin zu Marions Analysen des Gegebenen und
Waldenfels’ Denken der »Bruchlinien der Erfahrung« – erweisen sich
Fragen des Gegebenen, des Faktischen und der Faktizität, der Evidenz,
der Objektivität und der Wahrheit als phänomenologische
Grundprobleme. Dabei ist es vor dem Hintergrund des Tagungsthemas ein
besonderes Anliegen, neben dem Aspekt deskriptiver Methodik vor allem
das sach-kritische und zugleich eröffnende und »aufweisende«
Potential phänomenologischer Forschung in den Fokus der
Aufmerksamkeit zu rücken.

Die Tagung diskutiert das Problemfeld mit internationalen
GastrednerInnen sowie in zwölf thematischen Sektionen, auf die sich
alle interessierten WissenschafterInnen bewerben können. Zudem gibt
es erneut einen Auftaktworkshop, in dessen Rahmen
NachwuchswissenschaftlerInnen ihre Arbeiten und Projekte (insbes.
Dissertationen) präsentieren können.

Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch sowie ggf. Französisch.
Die Sektionen III, V und XII werden durchgehend in englischer Sprache
gehalten.

Sektion I:
Die Wirklichkeit und das Imaginäre. Diskontinuitäten, Ambiguitäten
und wechselseitige Einflüsse
(Leitung: Michela Summa, Würzburg)

Sektion II:
Wirklichkeit und Bildlichkeit
(Leitung: Alexander Schnell, Wuppertal)

Sektion III:
Facts, Emotions and Values
(Leitung: Sonja Rinofner-Kreidl, Graz)

Sektion IV:
Faktizität und Wirklichkeit der Lebenswelt
(Leitung: Christian Bermes, Landau)

Sektion V:
Normativity in Experience
(Leitung: Maren Wehrle, Rotterdam)

Sektion VI:
Umständlichkeit – Erfahrungsstruktur und ontologische Kategorie?
(Leitung: Thiemo Breyer, Köln)

Sektion VII:
Die Gegebenheit des Realen. Methodische Fragen
(Leitung: Peter Gaitsch, Graz; Sandra Lehmann, Wien; Philipp Schmidt,
Wien)

Sektion VIII:
Erkenntnis versus Meinung – Falsche Gegensätze
(Leitung: Eva Schürmann, Magdeburg)

Sektion IX:
‚Zwischen-Welten‘: Interkulturelle Perspektiven auf die Frage nach
der Wirklichkeit
(Leitung: Niels Weidtmann, Tübingen)

Sektion X:
Vielfach fremd in der Fremde – Alteritätserfahrungen im Exil
(Leitung: Pascal Delhom, Flensburg; Matthias Flatscher, Wien)

Sektion XI:
Digitale Kultur
(Leitung: Thomas Bedorf, Hagen)

Sektion XII:
Post-truth and Post-secular: Contextualizing Phenomenology of Religion
(Leitung: Michael Staudigl, Wien)

Auftaktworkshop:
Traditionslinien der Phänomenologie

Plenarvorträge:
Hiroshi Abe (Kyoto), Jocelyn Benoist (Paris), Markus Gabriel (Bonn),
Sara Heinämaa (Jyväskylä), Julia Jansen (Leuven), Sophie Loidolt
(Darmstadt), Ernst Wolfgang Orth (Trier), Nicolas de Warren (Penn
State), Dan Zahavi (Kopenhagen)

Einreichung

Bitte senden Sie Vorschläge in Form eines ca. 500 Wörter umfassenden
Abstracts für einen Vortrag von max. 30 Minuten bis zum 30.1.2019 an
den Generalsekretär der DGPF, Sergej Seitz:
[email protected]

Die Auswahl der Beiträge treffen die Sektionsleitungen. Geben Sie
daher bitte die Sektion an, auf die Sie sich mit ihrem Vorschlag
bewerben.

Den Auftakt der Jahrestagung der DGPF bildet der Nachwuchsworkshop
„Traditionslinien der Phänomenologie“ am 18. September 2019.
Vorschläge für einen Vortrag im Rahmen des Nachwuchsworkshops können
ebenfalls bei Sergej Seitz eingereicht werden:
[email protected]


Organisation:

Prof. Georg Stenger (Präsident)
Prof. Inga Römer (Vizepräsidentin)
Sergej Seitz (Generalsekretär)


Tagungs-Website:
http://phaenomenologische-forschung.de/dgpf-tagung-2019/call-for-papers/



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Fact, Facticity, Reality: Phenomenological Perspectives

According to the critical assessment linked to the concept of the
“post-factual”, we live in an age in which scientific insights and
facts are increasingly replaced by “felt truths” and “alternative
facts”. At the same time, in the course of the onward process of
digitalization and the spread of new information technologies, we
witness a broad social development towards a reign of the factually
given in the sense of naked data (Big Data), which seem to subject
social life to an extensive calculability and algorithmization, apart
from all anchorage in the lifeworld. In view of this ambivalent and
tenuous social situation in the context of the present “truth
crisis”, the conference canvasses the productive potential of
phenomenological approaches for questions of the given and the
factual, as well as of facticity and reality. Thereby, the focal
problem is the relation between scientific facts, socio-political
realities and cultural lifeworlds – a problem that becomes more and
more urgent in the course of the globalization of information flows
concomitant with increased intercultural intertwinings.

Indeed, these questions constitute core areas of phenomenological
research. For in its entire history – from Husserl’s maxim of “going
back to the tings themselves” and his critique of positivism and
psychologism, via Heidegger’s dissociation of truth as aletheia from
all forms of factual veracity and his analysis of the “thing”,
Arendt’s reflections on politics and truth, and Levinas’s thesis of
the prevalence of justice before objectivity, through to Marion’s
analyses of the given and Waldenfels’s thinking of the “ruptures of
experience” – questions of the given, the factual and facticity, of
evidence, objectivity and reality prove to be phenomenological basic
problems. Thereby, not only phenomenology’s descriptive method, but
also its critical, unfolding, and opening potential comes to the fore.

These issues are discussed with international guest speakers as well
as in twelve topical sections. All interested scholars are invited to
apply for one of these sections.

Conference languages are German and English as well as French where
required. Sections 3, 5 and 12 are held in English.

Section I:
Die Wirklichkeit und das Imaginäre. Diskontinuitäten, Ambiguitäten
und wechselseitige Einflüsse
(Chair: Michela Summa, Würzburg)

Section II:
Wirklichkeit und Bildlichkeit
(Chair: Alexander Schnell, Wuppertal)

Section III:
Facts, Emotions and Values
(Chair: Sonja Rinofner-Kreidl, Graz)

Section IV:
Faktizität und Wirklichkeit der Lebenswelt
(Chair: Christian Bermes, Landau)

Section V:
Normativity in Experience
(Chair: Maren Wehrle, Rotterdam)

Section VI:
Umständlichkeit – Erfahrungsstruktur und ontologische Kategorie?
(Chair: Thiemo Breyer, Köln)

Section VII:
Die Gegebenheit des Realen. Methodische Fragen
(Chair: Peter Gaitsch, Graz; Sandra Lehmann, Wien; Philipp Schmidt,
Wien)

Section VIII:
Erkenntnis versus Meinung – Falsche Gegensätze
(Chair: Eva Schürmann, Magdeburg)

Section IX:
‚Zwischen-Welten‘: Interkulturelle Perspektiven auf die Frage nach
der Wirklichkeit
(Chair: Niels Weidtmann, Tübingen)

Section X:
Vielfach fremd in der Fremde – Alteritätserfahrungen im Exil
(Chair: Pascal Delhom, Flensburg; Matthias Flatscher, Wien)

Section XI:
Digitale Kultur
(Chair: Thomas Bedorf, Hagen)

Section XII:
Post-truth and Post-secular: Contextualizing Phenomenology of Religion
(Chair: Michael Staudigl, Wien)

Junior Scholar Workshop:
Traditions of Phenomenology

Keynote Speakers:
Hiroshi Abe (Kyoto), Jocelyn Benoist (Paris), Markus Gabriel (Bonn),
Sara Heinämaa (Jyväskylä), Julia Jansen (Leuven), Sophie Loidolt
(Darmstadt), Ernst Wolfgang Orth (Trier), Nicolas de Warren (Penn
State), Dan Zahavi (Copenhagen)

Submission

Please send your proposal of about 500 words for a talk of up to 30
minutes to Sergej Seitz, the General Secretary of the DGPF:
[email protected]

Deadline: January 31, 2019.
The proposals are selected by the respective chair of the section.
Therefore, please indicate the section to which you apply.

Proposals for the junior scholar workshop can also be submitted to
Sergej Seitz: [email protected]

Organisation:

Prof. Georg Stenger (Präsident)
Prof. Inga Römer (Vizepräsidentin)
Sergej Seitz (Generalsekretär)


Conference website:
http://phaenomenologische-forschung.de/dgpf-tagung-2019/call-for-papers-english-version/




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InterPhil List Administration:
https://interphil.polylog.org

InterPhil List Archive:
https://www.mail-archive.com/[email protected]/

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