__________________________________________________

Aufruf zu Bewerbungen

Theme: Alltäglichkeit und Medialität in Japan
Type: Workshop zur interkulturellen Philosophie
Institution: College of Fellows - Center for Interdisciplinary and
Intercultural Studies, Universität Tübingen
   Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie (GIP)
Location: Tübingen (Deutschland)
Date: 10.–11.2.2022
Deadline: 31.12.2021

__________________________________________________


Traditionell sind die Philosophen die Subjekte der Philosophie. Sie
sind diejenigen, die philosophische Theorien formulieren. Es hat
jedoch viele Versuche gegeben, mit dieser Idee zu brechen und andere
mögliche Subjekte der Philosophie in Betracht zu ziehen. Können
„normale Menschen“ Philosophie betreiben? Oder können „normale
Menschen“ Wissen produzieren? Gibt es eine Philosophie der Massen?
Wenn ja, wie wird sie ausgedrückt? Wie nutzt sie Technik und Medien?

Ziel dieses Workshops ist es, die Begriffe „Gemeinsinn“,
„Alltäglichkeit“ und „Medien“ (bzw. Mittel) interkulturell zu
hinterfragen. Zu diesem Zweck werden die Texte von Miki Kiyoshi,
Tosaka Jun, Nakai Masakazu und Nakamura Yūjirō verwendet. Diese
Autoren haben nicht versucht, den gesunden Menschenverstand des
Status quo zu rehabilitieren, sondern im Gegenteil, den Gemeinsinn
der Massen zu denken. Zu diesem Zweck konzentrierten sie sich auf die
Massenmedien: die Zeitung und den Film. Diese in Japan entstandene
Medienphilosophie kann nützlich sein, um eine Reihe von Fragen von
aktueller Relevanz zu beantworten: Wie ist es möglich, eine
interkulturelle Medienphilosophie zu denken? Inwieweit kann das
Alltägliche revolutionär sein? Welche Rolle spielen Medien und
Maschinen in der aktuellen philosophischen Debatte?

Seit den 1930er-Jahren gab es in Japan einige Autoren, die
versuchten, die philosophische Kraft des Gemeinsinnes zu retten. Wie
Gramsci mit seinem buon senso oder Lefevre mit seinem Begriff der
quotidiennté versuchten diese japanischen Philosophen, Formen der
Erkenntnis der Wirklichkeit „von unten“ zu erforschen.

Miki Kiyoshi postulierte eine Grunderfahrung (kisokeiken), nämlich
die körperliche Erfahrung des In-der-Welt-Seins. Für Miki war diese
Erfahrung historisch und manifestierte sich in der Praxis und in der
Erfahrung des Proletariats.

Für Tosaka Jun, einen Kollegen von Miki an der Universität Kyoto, war
das Prinzip der historischen Zeit weder in der subjektiven Zeit der
Phänomenologie noch in der objektiven, rationalisierten Zeit der
Wissenschaft zu suchen. Das Prinzip der historischen Zeit sei
vielmehr in dem zu finden, was er „Alltäglichkeit“ (nichijōsei)
nannte. Diese Alltäglichkeit war die situierte Zeitlichkeit des
Arbeiters, die sich nach den Bedürfnissen seines Arbeitstages
richtete.

Miki und Tosaka beschränkten sich jedoch nicht darauf, über diese
Begriffe abstrakt nachzudenken. Sie suchten nach anderen Wegen,
Philosophie im Einklang mit ihren Theorien zu betreiben. Auf diese
Weise haben sie beide Journalismus betrieben. Tosaka wiederum
theoretisiert ebenfalls über die Bedeutung des Films.

Ein anderer Autor jener Zeit, Nakai Masakazu, war ebenfalls ein sehr
wichtiger Filmtheoretiker. Für ihn bot der Film ein Mittel, durch das
die Massen ihre Gefühle ausdrücken konnten. Die Erfahrung der
Maschine war für ihn das „Mittel“ (mitteru), das dies ermöglichte,
denn während eines Films sind es die Zuschauer, die die aktive
Aufgabe haben, die Szenen und Schnitte in ihrem Kopf zu vereinen.

Abschließend sei noch der Fall von Nakamura Yūjirō zu erwähnen.
Obwohl Nakamura hauptsächlich in der Nachkriegszeit schrieb, wurde er
stark von Miki, Tosaka und Nakai beeinflusst. Im Gegensatz zu Miki
und Tosaka kehrt Nakamura zum aristotelischen Sinn des gesunden
Menschenverstands als koinē aisthēsis zurück. Der gesunde
Menschenverstand in seiner idealen Funktion ist für Nakamura das, was
das Gesamtbild in den Blick nimmt und spontan auf die sich ständig
verändernden Anforderungen der realen Welt und ihrer konkreten
Situationen antwortet.

Während des Workshops wird eine Auswahl von Texten dieser Autoren
gemeinsam diskutiert und kommentiert. Die Diskussion beginnt mit
einem Impuls von einem der Teilnehmenden. Am Ende eines jeden Tages
gibt es außerdem einen speziellen Vortrag.

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.


Keynote Speakers:
Yoko Arisaka, Fabian Schäfer


Diejenigen, die an einer Teilnahme interessiert sind, sollten eine
kurze Motivationsschrift schicken. Bitte geben Sie auch die folgenden
Informationen an:

- Vollständiger Name
- Institution
- Status/Stelle
- E-Mail
- Erläutern Sie kurz Ihr Interesse an dem Workshop
- Autor des Programms, an dem Sie interessiert sind

Anmeldeschluss: 31.12.2021

Die Teilnahme ist kostenlos.

Veranstaltungsort: Tübingen


Organisation:
Fernando Wirtz
Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie (GIP)
E-Mail: [email protected]


Website des Workshops:
http://www.int-gip.de/gip-workshops/alltaeglichkeit-und-medialitaet-in-japan-miki-tosaka-nakai-nakamura/




__________________________________________________


InterPhil List Administration:
https://interphil.polylog.org

InterPhil List Archive:
https://www.mail-archive.com/[email protected]/

__________________________________________________

Reply via email to