Tobias Wimbauer (Hg.): Anarch im Widerspruch. Das Luminar 3

".. jene geheimnisvolle Hand, die unsern Griff nach Büchern lenkt .." (Carl 
Schmitt)

Nach Tobias Wimbauers Personenregister zu Ernst Jüngers Tagebüchern und der 
Dissertation John Kings über Ernst Jüngers tatsächliche und ungeschminkte 
Kriegserfahrungen unter dem Titel "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?" 
erschien in der Edition Antaios Band 3 - Anarch im Widerspruch. Dieser Band ist 
eine anregende Lektüre, manches liest sich fast wie eine kriminalistische 
Spurensicherung. So schreibt Tobias Wimbauer über die eigentlichen Hintergründe 
der scheinbar so eiskalten, dandyhaften Burgunderszene Ende Mai 1944 in Paris, 
jener Stadt, die Ernst Jünger liebte wie eine Frau ("Beim zweiten 
(Luftangriff), bei Sonnenuntergang, hielt ich ein Glas Burgunder, in dem 
Erdbeeren schwammen, in der Hand. Die Stadt mit ihren roten Türmen und Kuppeln 
lag in gewaltiger Schönheit, gleich einem Kelche, der zu tödlicher Befruchtung 
überflogen wird."). Ihm gelingt der Nachweis, daß an diesem Tag gar keine 
Luftangriffe stattfanden und diese berühmte Schilderung in Wirklichkeit Jüngers 
Affaire zu einer französischen Ärztin verschlüsselt beschrieb. Eine zweite 
Arbeit von Tobias Wimbauer handelt von Ortners Erzählung, einer Binnenerzählung 
in Jüngers Roman Heliopolis, die vom Traum nach Allmacht und Allwissenheit 
handelt und der dadurch entstehenden Leere ("Es war zunächst die Langeweile, 
die mich immer lebhafter ergriff. Ich merkte, daß mir die Spannung fehlte, das 
Ungewisse, das Für und Wider, das Rote und das Schwarze, das dem Leben den 
eigentlichen Reiz verleiht. Die Chance war für mich berechenbar. Es fehlte ihr 
das Rätselhafte, das Unbestimmte, das uns das Herz beschwingt") - und 
schließlich dem Wunsch, diese Allmacht wieder abzustreifen. Ein wunderschönes 
Gleichnis, inspiriert durch eine Augenoperation, der sich Ernst Jünger 1947 
unterzog. Ein weiteres Beispiel für eine aus zahllosen Mosaiksteinchen 
zusammengetragene detektivische Meisterleistung ist der Beitrag von Piet 
Tommissen über die Entstehung und Wirkung von Ernst Jüngers Schrift "Der 
Friede", die während des Zweiten Weltkriegs entstand. Dieser Friedensaufruf an 
Soldaten und die europäische Jugend war ein gefährliches Unterfangen ("Ich bin 
da ganz einsam, indem ich weder auf dieser noch auf der Gegenseite auf 
Freundschaft rechnen kann."). So verbrachte Jüngers siebzehnjähriger Sohn Ernst 
ein halbes Jahr im Gefängnis, weil er als Marinehelfer einigen Kameraden davon 
erzählt hatte. Ihm widmete Ernst Jünger schließlich auch diesen Text. Luminar 3 
enthält auch ein beeindruckendes, sehr poetisches Traktat von Leonhard Fischer 
zum Thema "Vom Verlust der Autorität", ein Meisterwerk der Dichtkunst, geschult 
an den Schriften Hölderlins und Heideggers. Weiters enthält der Band auch einen 
aufschlußreichen Text von Friedrich Georg Jünger über seine Erfahrungen in den 
ersten Nachkriegswochen am Bodensee, über Plünderungen und Verhaftungen der 
französischen Truppen, Wilhelm Marquardt schildert seine Zeit als 
Gefechtsläufer bei Ernst Jünger 1918, und Peter Bahn berichtet über die 
Beziehung zwischen Friedrich Georg Jünger und Friedrich Hielscher. Zu Wort 
kommen auch Zeitzeugen wie Franz Schauwecker und Ludwig Alwens. 
Schlußfolgerung: Ein faszinierender Band, der Lust darauf weckt, manches aus 
der Feder Ernst Jüngers endlich oder erneut zu lesen. 

Gerhard

http://www.edition-antaios.de/

Tobias Wimbauer (Hg.): Anarch im Widerspruch. Neue Beiträge zu Werk und Leben 
der Gebrüder Jünger. Das Luminar. Schriften zu Ernst und Friedrich Georg 
Jünger. Bd. 3.
Edition Antaios, Albersroda 2004.
300 Seiten, 30,00 EUR.
ISBN 3935063539

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