Liebe Jünger-Freunde,

nachstehende Rezension zu Morats Buch zu Heidegger/EJ/FGJ = NS erscheint heute 
in der Frankfurter Rundschau. 
Schöne Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw




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Frankfurter Rundschau, 27.06.2007

Stilisierungen, wohin man schaut
"Von der Tat zur Gelassenheit": Daniel Morat über Martin Heidegger und die 
Jünger-Brüder
VON THOMAS MEYER

Von Martin Heideggers am 27. Mai 1933 gehaltenen Rektoratsrede über die 
"Selbstbehauptung der deutschen Universität" wurden im gleichen Jahr nahezu 
4000 Exemplare verkauft. Wie oft sie vervielfältigt und versandt wurde, lässt 
sich nur erahnen. Einer, der die Rede sofort für bedeutsam hielt und sie an 
Freunde verschickte, war der Münchner Romanist Karl Vossler. Er bedachte unter 
anderem den italienischen Philosophen Benedetto Croce. Der war sich nach der 
Lektüre im August 1933 sicher, dass "Heidegger mit seiner reinen Philosophie" 
sich "nicht so in die Geschäfte stürzen" könne wie jene, die der Idee einer 
"reinen Tat" anhingen.

Kalkulierte Nähe zum Nationalsozialismus

Bei Ernst Jünger war das anders. Hier drang seit dem Ersten Weltkrieg alles auf 
Tat, das Schreiben war nur ein Ersatz für den sich im Dauereinsatz befindlichen 
Offizier. Stilisierungen wohin man schaut, die ihn schließlich in eine 
kalkulierte Nähe zum Nationalsozialismus führen. Dort verbleibt der ewige 
Frontkämpfer, der je nach Bedarf die Entfernung ändert. So lassen sich die 
bekannten Distanzierungen in "Auf den Marmorklippen" ebenso finden wie ein 
radikaler Antisemitismus etwa in einem Brief an Carl Schmitt, in dem Jünger 
noch 1944 über die Ethik der Juden schreibt, die nach der Ermordung derselben 
nunmehr freigesetzt sei und deren universalistischer Gehalt frei flottiere. Bei 
Friedrich Georg Jünger liegen die Dinge einfacher, wobei Feinunterscheidungen 
im Vokabular und im Umgang mit den völkischen Tendenzen sichtbar sind.

Das Buch
Daniel Morat: Von der Tat zur Gelassenheit. Konservatives Denken bei Martin 
Heidegger, Ernst und Friedrich Georg Jünger. Wallstein Verlag 2007, 624 S., 49 
Euro.
Während um Heidegger noch immer Deutungskämpfe stattfinden, hat man mit Ernst 
Jünger seinen Frieden geschlossen; sein Bruder ist vergessen. Früher noch als 
Schmitt ist Ernst Jünger in der intellektuellen Mittelschicht als vollwertiges 
Mitglied begrüßt worden.

Daniel Morat rekonstruiert nicht als erster das Denken dieser 
Generationsgenossen, doch er tut es mit Abstand am überzeugendsten. Er schweißt 
die drei nicht zu einer Konstellation zusammen, sondern beobachtet minutiös die 
Verschiebungen im Denken seiner Protagonisten. Den in Deutschland in weiten 
Kreisen denunzierten moralischen Diskurs setzt Morat spärlich, aber präzise 
ein. Das zeigt sich in seiner Analyse des "Arbeiters", als ihm einmal das Wort 
"predigt" entfährt, was angesichts der penetranten Feier der Figur des 
"Selbstopfers" exakt passt. Schon Siegfried Kracauer, worauf Morat hinweist, 
hat Jüngers Neigung, alles ins Metaphysische zu zerren, als Motiv erkannt. 
Morat verfolgt sie bis zum Weltstaat-Essay von 1960.

Abkehr vom Willen zur Macht

Es ist Heideggers Sensibilität für metaphysische Gehalte und deren mögliche 
Transformation, die ihn bei der zweimaligen Lektüre des Arbeiters erkennen 
lässt, wie er mit Hilfe von Jüngers Typologie die freiwillige Indienststellung 
seiner Philosophie für die nationalsozialistische Sache umwenden kann. Er 
entwickelte ein "Verfahren", so Morat, "alles Revolutionieren zu einer Äußerung 
des Willens zur Macht" zu erklären, "für sich selbst aber einen 
nachmetaphysischen Standort zu reklamieren, der auf die nicht-aktivistische 
Überwindung der Metaphysik des Willens zur Macht zielte."

Dieses "Verfahren", ergänzt durch die Lektüren Nietzsches und Hölderlins und in 
den Beiträgen zur Philosophie (1936 / 38) fortgeschrieben, lässt ihn einen 
Aufenthaltsort für die Konstruktion der späteren Seinsgeschichten finden: der 
der "Gelassenheit", die bei Morat nicht nur den philosophischen Terminus meint, 
sondern auch die neugedachte, quasi ins Innere zurückverlegte "Tat".

Die beiden Jüngers und Heidegger gingen nach dem Krieg verschiedene Wege. Der 
Austausch von Festschriftenbeiträgen zeigt das intellektuelle Gefälle. Der 
Philosoph, untauglich für denkerische Verschwörungen und harthörig für den 
Jüngerschen Tonfall des "Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft", mochte keine 
Mitkämpfer an seiner Seite. Gleichwohl, darin ist Morat zuzustimmen, ähneln 
sich die Gesten, mit denen sie in der Öffentlichkeit agierten und auch die 
Schreibtechniken, mit denen das Bild des Einsamen konstruiert wurde.



Copyright © FR-online.de 2007
Dokument erstellt am 26.06.2007 um 16:44:02 Uhr
Letzte Änderung am 26.06.2007 um 18:31:17 Uhr
Erscheinungsdatum 27.06.2007

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