18.7. 2007
"Aufrichtigkeit und Dankbarkeit sind die dorischen Pfeiler eines
vernunftbegabten Gemuets, da sie die Gottes Naehe an den Tag bringen." Harold
Kleed.
Liebe Juenger-Freunde:
Zur Wiederkehr des dreissigsten Todestages Friederich Georg Juengers
(1.9.1898-20.7.1977), dachte ich, waere es wohl angebracht, ueber die
inbruenstige Liebe Ernst Jungers fuer seinen Bruder etwas zu plappern. Wie
jeder vernunftbegabte Zeitgenosse weiss, kaum jemand liebte seinen Mitmenschen
so sehr wie Ernst den Friedrich. Jawohl," er liebte ihn mit ganzem Herzen und
ganzer Seele, mit all seiner Kraft und all seinen Gedanken," - er liebte ihn
ueber alles. Aus diesem Anlass fand ich einige Zitate , die sogar den
vernunftlosen Buerger befluegeln koennten:
1. Die Naehe Friedrich Georgs ist seit den Kindertagen ein grosser Trost
fuer mich. BLAETTER UND STEINE. 4. 6. 1939.
2. Ich fahre uebermorgen an den Bodensee. Vielleicht ist es gut, dass ich
mich etwas ausluefte. Auch ist es eine grosse Sache, wenn ein Mensch, der
absolut gelebt hat, fuenfzig Jahre alt wird. Alles wetteifert heute, sie zur
Strecke zu bringen, und daher sind solche Jahre doppelt zu rechnen wie
Kriegsjahre. In meinem Bruder fand ich den einzigen, der mir in bestimmten
Stunden sagen konnte, was recht war, und deshalb muss ich ihm dankbar sein.
ERNST JUENGER - GERHARD NEBEL - BRIEFWECHSEL. 28. 8. 1948.
3. Fuer mich sind Sie (Gerhard Nebel) eine autarke Kraft, und unter den
zahllosen Aspiranten, denen ich waehrend der letzten dreissig Jahre begegnete,
ausser meinem Bruder der einzige, den ich ernst nehme. Ibid. 5.2. 1949.
4. Wir fuhren, wie seit vielen Jahren, zu des Bruders Geburtstag an den
See. - - - Der Vater hatte einst erzaehlt, dass, waehrend er am Tag nach
Friedrich Georgs Geburt zum Standesamt ging , um den Sohn registrieren zu
lassen, auf dem Welfenplatz die Kanonen gefeuert hatten; es war am Sedanstag.
Abends, wie immer, zusammen mit den alten Freunden: Hans Speidel, Monsignore
Horion, Vittorio Klostermann und dem Ueberlinger Stamm. SIEBZIG VERWEHT. I.
1. 9. 1969.
5. Genau vor neunzig Jahren - in der naechsten Woche - am 28.7. 1917 -
geschah in Langemarck ein unvergessliches Ereignis, - ein unerklaerliches
Wunder - das Ernst Juenger, wie folgt, beschrieben hat:" Ein Mann kam und
teilte mir mit, dass mein Bruder verwundet in einem nahen Unterstand liege. Er
zeigte dabei auf ein wuestes, von entwurzelten Baeumen bedecktes Blockhaus, das
bereits von den Verteidigern verlassen war. Ich eilte ueber eine Lichtung, die
unter gezieltem Gewehrfeuer lag, und trat ein. Welch ein Wiedersehen! Mein
Bruder lag in einem von Leichengeruch erfuellten Raum inmitten einer Menge
aechzender Schwerverwundeter. Ich fand ihn in einer traurigen Verfassung vor.
Beim Sturm hatten ihn zwei Schrapnellkugeln getroffen, die eine hatte die Lunge
durchgeschlagen, die andere das rechte Oberarmgelenk zerschmettert. Das Fieber
glaenzte ihm aus den Augen; eine geoeffnete Gasmaske hing auf seiner Brust. Er
konnte nur mit Muehe sich bewegen, sprechen und atmen. Wir drueckten uns die
Hand und berichteten. Es war mir klar, dass er nicht an diesem Ort bleiben
durfte, denn jeden Augenblick konnte der Englaender stuermen oder eine Granate
dem schwerbeschaedigten Betonklotz den Rest geben. Der beste Bruderdienst war,
ihn sofort zurueckzuschaffen. Obwohl sich Sandvoss gegen jede Schwaechung
unserer Kampfkraft straeubte, gab ich den fuenf mitgenommenen Leuten den
Auftrag, Fritz zum Sanitaetsunterstand "Kolumbien" zu tragen und von dort Leute
zur Bergung der anderen Verwundeten mi mizubringen. Wir knuepften ihn in eine
Zeltbahn und steckten eine lange Stange hindurch, dann nahmen ihn zwei Mann auf
die Schulter. Noch ein Haendedruck, und der traurige Zug setzte sich in
Bewegung." IN STAHLGEWITTERN. 185.
Mit herzlichen Gruessen aus dem Land des maechtigen Manitous - Henry T.
Malon
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