Liebe Juenger-Freunde:
DIE WELT berichtet heute, am 24. August 2007, "Laerm toetet weltweit
zehntausende Menschen". Der Berichterstatter konstatiert , "dass der Krach auf
das Herz schlagen kann und Schlafstoerungen, Schwerhoerigkeit oder Tinnitus,
die von lauter Musik, Verkehrs- und Freizeitlaerm kommen koennen, verursachen.
Permanente Geraeusche am Tag oder nachts koennen zu Lernstoerungen bei Kindern
fuehren. Laerm toetet nach vorlaeufigen Kenntnissen der
Weltgesundheitsorganisation zehntausende Menschen pro Jahr. Allein die
Langzeitbelastung durch Verkehrslaerm sei in Europa fuer bis zu drei Prozent
aller toedlichen Herzanfaelle verantwortlich. Angesichts von weltweit sieben
Millionen Toten pro Jahr durch sogenannte ischaemische Herzkrankheiten koennten
jaehrlich mehr als 200.000 Todesfaelle auf das Konto des Krachs gehen."
Jeder zeitgenoessissche, stumpfsinnige, geltungsbeduerftige, neurotische,
eitle, paranoische, druesengestoerte, betriebsame Mensch weiss, dass seine
Mitmenschen den Laerm, das Geschwaetz, die Dampfplauderei, den Geiz, die Gier,
das Geld, die Ungeduld, die Wollust, die Ausbeutung, das Fernsehen, die
Grausamkeit, den Geschlechtsverkehr , die Maske, das Radio, die Sonnenbrille,
die Luege, - und vor allem die Beschaeftigung von ganzem Herzen lieben, -
(natuerlich spricht kein blasierter, eitler, anmassender, arroganter,
paranoischer Mensch ueber solche Dinge) - - - jedoch die Stille, die Ruhe, die
Gottesnaehe, die Dankbarkeit, die Einsamkeit, das Ehrgefuehl, die
Aufrichtigkeit, die Geduld verabscheuen. Ich gehe taeglich auf einen
alleinigen, besinnlichen Waldgang und habe in drei Jahren noch niemals ein
Schwein im Walde getroffen. Wie jeder vernunftgegabte Mensch wohl weiss, das
schlimmste Uebel dieser Welt, das der Menschheit droht , ist nicht der
Verkehrslaerm noch ein Dritter Weltkrieg noch eine wuetende Epidemie noch eine
furchterregende Naturkatastrophe wie ein Erdbeben , sondern der fortwaehrende
Laerm, das liederliche Geschnabbel, das Getoese, das Getrappel, das Gequassel,
das Geschnatter, das Geschwaetz der verlogenen Dampfplauderer, der
Journalisten, der Politiker, der Rechtsanwaelte, der Aerzte und aller
Verkaufsleute - das allmaechtige Wort des flagitioesen Gesindels. Der weise
Ernst Juenger sagt diesbezueglich so treffend:"Das Vergnuegen einsamer
Spaziergaenge beruht gewiss auch darauf, dass man das Seine mit sich traegt.
Unser Bewusstsein begleitet uns gleich einem Kugelspiegel, oder besser gleich
einer Aura, deren Mittelpunkt wir sind. Die schoenen Bilder dringen in diese
Aura ein und erfahren in ihr eine atmosphaerische Veraenderung. So schreiten
wir unter Zeichen wie unter Nordlichtern, Sonnenringen und Regenboegen dahin.
Diese erlesene Vermaehlung und Zeugung mit der Welt gehoert zu den hoechsten
Genuessen, die uns beschieden sind." GES. WERKE. Band 9. 288.
Stille ist eine der wichtigsten Dimensionen des Menschseins, die
groessenteils unterschaetzt wird. Wer sie erfaehrt und geniesst, empfindet ein
ungeheures Wachstum im Selbstvertrauen und in der Liebeskraft. Um sich vom
eigenen inneren Elend abzulenken, kommt es , dass die Menschen den Laerm und
jegliches Getoese schaetzen. "Jeder Waldspaziergang ist ja eine Art von
Kreuzzug, zu dem uns eine innere , heilige Stimme ruft. In jedem Wandern
verbirgt sich also eine Wallfahrt mit unbekanntem Ziel." Ernst Juenger. AUTOR
UND AUTOSCHAFT. 235
Dem ungestuemen Laerm , des liederlichen Geschwaetzes und der inneren
Unruhe zum Trotz , schlaegt Hermann Hesse (1877-1962) den Nagel genau auf den
Kopf:" Geduld ist die schwierigste aller Eigenschaften und die einzige auf die
wir uns konzentrieren sollten. Die ganze Natur, jegliches Wachstum, jeglicher
Friede, - alles Bluehende und Schoene in der Welt beruhen auf Geduld, -
beduerfen Zeit , Stille, Glauben und Vertrauen auf lange Wachstumsprozesse."
REFLEKTIONEN. 57.
Wegen ihrer Selbstsucht und ihres unausrottbaren Geltungsbeduerfnisses
reagieren gewoehnlich die Leser einer Zeitung auf ein Thema des Tages, - selten
auf die Meinung eines anderen Lesers. Da nach Studien der Fachleute ein
Leserbrief sechshundert Meinungen darstellt, erfreute es mich , eine Reaktion
auf meinen Brief zu erhalten. Im Internet schrieb ein Emil Ohropax:" Henry T.
Malon hat voellig recht in seinem tollen Beitrag. Ich habe noch niemals
freilaufende Schweine gesehen. Vielleicht solltest Du auch einmal ruhig und
alleine in einem Wald spazieren gehen ohne rumzulaermen. Du wirst Dich wundern,
wieviele Schweine umherlaufen. Leider kennen viele den Wald nur aus der
Perspektive des ueberlaufenen, ausgetretenen Wochenendspazierpfades, wo vor
lauter plappernden laermenden Menschen, Fahrradklingeln, Hundegebell,
Handygebimmel und Kindergekreische kaum noch ein Vogel zu hoeren ist."
Wie immer, - herzliche Gruesse aus dem Land der ziegelroten Irokesen, der
lachsroten Abenakis, der glitzernden Wasser und des maechtigen Manitous -
Unvergleichlich - H.T. Malon.
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