John wrote:And last but not least fresh off the presses is the new EJ biography.
>
> Paul Noack, "Ernst Juenger. Eine Biographie" (Berlin: Alexander Fest
> Verlag, 1998), 328pp, DM 49,80.

I tried to fish it from the Internet, but you can read it only if you are 
patient
enough to replace all crazy signs by the appropriate umlauts... (Can anyone of
you tell me how to avoid this gibberish next time and get the umlauts right?) Or
you go directly to
http://www.sueddeutsche.de/cgi-bin/treffer.cgi?file=/sz/www/docs/szdb/1998/09/199
80916/feuill_d.htm&date=19980916


Dandy, Anarchist, Waldgänger: Ernst Jünger in
einer Biographie von Paul Noack
</B></SZ.UT>
<P>
Sie ist die erste nicht, und sie wird gewi&szlig; nicht
die letzte sein. Aber sie erscheint als erste nach
J&uuml;ngers Tod: Paul Noacks Biographie &uuml;ber Ernst
J&uuml;nger. In seinen &#132;fragmentarischen
Nachbemerkungen&#147; zitiert der Autor Fran&ccedil;ois
Mitterrand, der J&uuml;nger im oberschw&auml;bischen
Wilflingen besucht hat: &#132;Ein Leben ist ein Ganzes.
Man kann einen Menschen erst nach seinem Tod
beurteilen.&#147; In gewisser Weise kam also J&uuml;ngers
Tod im Februar dieses Jahres dem schon vorher begonnenen
Unternehmen zugute. Andrerseits zwang das Ereignis den
Biographen zu rasanter Beschleunigung.
<P>
Ein wenig merkt man die erzwungene Eile dem Buch schon an:
Mehr als zwei Drittel entfallen auf die erste
Lebensh&auml;lfte J&uuml;ngers, w&auml;hrend die
Jahrzehnte seit dem Umzug nach Wilflingen 1949 und das
immense Werk, das auf die beiden im selben Jahr
erschienenen B&uuml;cher, das Tagebuch
&#132;Strahlungen&#147; und den Roman
&#132;Heliopolis&#147;, noch folgte, etwas pauschal
abgetan werden. Das hat aber auch seine innere Logik: Der
fr&uuml;he und mittlere J&uuml;nger ist interessanter,
aufregender, erkl&auml;rungsbed&uuml;rftiger als der
sp&auml;te; er teilt diese Unausgewogenheit mit dem
&quot;Ecce-Zug&quot; (Gottfried Benn) seines und unseres
Jahrhunderts, das sich in den f&uuml;nfziger Jahren ins
relativ Gesichts- und Geschichtslose verlor.
<P>
Ohnehin ist es nahezu unm&ouml;glich, die Wendungen und
Wandlungen der J&uuml;ngerschen Vita im einzelnen
biographisch zu verfolgen &#150; es w&auml;re auch wenig
ergiebig. &#132;Wenn es gelungen w&auml;re&quot;, schreibt
Noack, &#132;diesen Schriftsteller, diesen Poeta doctus
und &#150; im Wortsinne &#150; merkw&uuml;rdigen
Erforscher von Worten und S&auml;tzen, K&auml;fern, Drogen
und Kriegen in aller kaleidoskopischen Vielschichtigkeit
darzustellen, w&auml;re schon einiges gewonnen.&#147; Es
ist gelungen, und der Leser hat gr&ouml;&szlig;eren Gewinn
davon als von einer dickleibigen Lebensgeschichte, die den
Waldg&auml;nger vor lauter Wider- und Wiederg&auml;ngern
nicht mehr erkennen lie&szlig;e.
<P>
Dem fixierenden Auge enth&uuml;llt sich die innere Gestalt
seines Gegenstandes, als ob er von sich aus sein Geheimnis
preisg&auml;be. Und doch verliert sich der Betrachter
nicht an sein Objekt; er wird, um es mit einem bekannten
J&uuml;ngerschen Beispiel zu sagen, nicht einfach eins mit
dem Mann im Mond. Etwas von diesem &#132;stereoskopischen
Blick&#147; mu&szlig; auch der Biograph J&uuml;ngers
aufbringen, wenn er der Figur gerecht werden will. Paul
Noacks Optik ist von ihrem Gegenstand fasziniert, richtet
sich auf das Wesentliche, erkennt Wechself&auml;lle und
Kontinuit&auml;ten und bewahrt zugleich kritische Distanz.
<P>
&#132;Im &#140;uvre J&uuml;ngers gibt es alles, was man
ihm vorwirft: Kriegsverherrlichung, Kitsch, Geziertheiten,
Halbbildung, politische Ahnungslosigkeit und moralische
Indifferenz&#147;, hei&szlig;t es res&uuml;mierend. Aber
nicht nur das Gegenteil von all dem findet sich und wird
hellsichtig herausgestellt, Noack vermag auch die
Koinzidenz der Gegens&auml;tze aufzudecken und damit die
Scheinbarkeit der Widerspr&uuml;che zu erhellen. Wie wird
aus dem Krieger der Flaneur, aus dem das Fatum des
technischen Fortschritts gl&uuml;hend bejahenden Autor des
&#132;Arbeiters&#147; der Kontrahent der technischen Welt,
aus dem Ver&auml;chter b&uuml;rgerlicher
Individualit&auml;t der Anwalt des Einzelnen (des
&#132;einzigen, auf den noch Verla&szlig; ist&#147;), aus
dem rabiaten Nationalisten der Humanist und Vision&auml;r
christlicher F&auml;rbung?
<P>
Noack macht deutlich, da&szlig; solche Gegens&auml;tze im
Hinblick auf ein ihnen gemeinsam zugrunde liegendes Muster
gesehen werden m&uuml;ssen. Eine derartige Grundfigur ist
der Abenteurer &#150; in einem Zeitalter, das den
Spielraum f&uuml;r das Abenteuer immer mehr zum Reservat
einschr&auml;nkte, das Geheimnisvolle und
&Uuml;berraschende aus der Wirklichkeit verbannte, indem
es sie der instrumentellen Vernunft unterwarf und
zunehmend geordnet, sicher, verf&uuml;gbar machte. Das
selbstherrliche Subjekt, das schlie&szlig;lich
&uuml;berall nur noch sich selbst begegnet, ist der
Antipode des Abenteurers, der die elementare Fremdheit
sucht &#150; auch in sich selbst.
<P>
Von diesem Punkt sind J&uuml;ngers Aversion gegen
Psychologie und Moralismus der V&auml;ter-Welt des 19.
Jahrhunderts, der antib&uuml;rgerliche und
antidemokratische Affekt, seine mythisch
&uuml;berh&ouml;hten Gegenentw&uuml;rfe des Kriegers, des
Arbeiters, des Waldg&auml;ngers und Anarchen zu begreifen,
die biographisch wie literarisch relevant gewordenen
Fluchtbewegungen, ob sie nun in die Fremdenlegion oder auf
die Schlachtfelder des Weltkriegs, in geographische Fernen
und deren Fauna und Flora, in den inneren Bezirk eines
geistigen Widerstands &#132;im Bauch des Leviathans&#147;,
in Lekt&uuml;re-Ausscheifungen, in die Paradiese und
H&ouml;llen von Traum und Rausch f&uuml;hrten. Alfred
Andersch hat im Zusammenhang mit dem &#132;Abenteuerlichen
Herzen&#147; und der Essaysammlung &#132;Bl&auml;tter und
Steine&#147; von einer &#132;Weltbewegung des
Geistes&#147; gesprochen, &#132;&uuml;ber die nichts
gesagt ist, wenn man das Stichwort ,Surrealismus&#146; in
den Raum wirft&#147;. Noack nennt als Geistesverwandte
Lawrence, Saint-Exup&eacute;ry, Apollinaire, Malraux.
<P>
Aus der kurzen Rede, die der hundertj&auml;hrige Ernst
J&uuml;nger an seine G&auml;ste richtete, entnimmt sein
Biograph ein merkw&uuml;rdiges Motiv. Von Werken und
Taten, sagte J&uuml;nger, habe er zuerst durch B&uuml;cher
erfahren und sei dann durch die Realit&auml;t
entt&auml;uscht worden. In diesem Bekenntnis entdeckt
Noack eine &uuml;berraschende N&auml;he zur
Dekadenzliteratur des
fin de si&egrave;cle,
namentlich zu einer Novelle des 21j&auml;hrigen Thomas
Mann. Dem Autor der &#132;Entt&auml;uschung&#147; begegnet
in Venedig die dandyhafte Erscheinung eines Mannes, der
vergeblich nach einem Erlebnis gesucht hat, das seinen von
den &#132;gro&szlig;en W&ouml;rtern&#147; geweckten
Erwartungen entsprochen h&auml;tte. Die Tatsachen blieben
jedesmal hoffnungslos hinter der Vorstellung zur&uuml;ck.
Wenigstens die Bilder seiner Sehnsucht will der vom Leben
umfassend Entt&auml;uschte retten &#150; dadurch,
da&szlig; er von einem Leben tr&auml;umt, &#132;in dem die
Wirklichkeit in meinen gro&szlig;en Ahnungen ohne den
qu&auml;lenden Rest der Entt&auml;uschung aufgeht&#147;.
<P>
W&auml;hrend aber der D&eacute;cadent im Zustand des
Tr&auml;umens verharrt, hat J&uuml;nger das Traumauge bei
aller Empf&auml;nglichkeit zugleich zu einem Organ
magischer Durchdringung und Aneignung der Realit&auml;t
entwickelt. Damit verbinden sich freilich die
Unf&auml;higkeit, sich unmittelbar f&uuml;r eine
Wirklichkeit gegen eine andere zu engagieren: Oft genug
hat man J&uuml;nger die K&auml;lte des Blicks, die
unbeteiligte Sachlichkeit seiner Sprache bei der
Beschreibung des Grauenhaften, den Mangel an moralischer
Entr&uuml;stung und die &auml;sthetische Rechtfertigung
des B&ouml;sen vorgeworfen. Noack ist weit davon entfernt,
die Wege, Irrwege, Umwege seines Helden, der seinem
eigenen Heldenideal keineswegs immer entsprach, ins
Geradlinige zurechtzubiegen, das Absto&szlig;ende des von
Feuer und Blut Berauschten, das Unheilvolle der
antidemokratischen und antihumanen Sto&szlig;richtung in
J&uuml;ngers zwischen 1925 und 1927 praktizierter
politischer Publizistik, das Fragw&uuml;rdige eines
Zuschauer-Standorts angesichts der Katastrophen zu
verharmlosen.
<P>
Aber er macht auch &uuml;berzeugend deutlich, wie eben
diese Haltung J&uuml;nger von Anfang an gegen den
Nationalsozialismus immunisierte. Im Vergleich mit den
Freunden Carl Schmitt und Martin Heidegger schneidet
J&uuml;nger gut ab: Er hat &#132;im richtigen Moment das
menschlich wie politisch Richtige&#147; getan. Der Autor
der &#132;Marmorklippen&#147;, auch das wird einleuchtend
gezeigt, hat 1939 das &Auml;u&szlig;erste geboten,
&#132;was in der gegebenen Situation einem Schriftsteller
ohne Selbstzerst&ouml;rung m&ouml;glich war&#147;. Das
Werk markiert eine entscheidende Wende: Der Humanist tritt
neben den Diagnostiker und &Auml;stheten. &#132;Es
ist&#147;, schreibt Noack, &#132;der Leser, der gewinnt,
wenn er J&uuml;nger endlich von den Stereotypen befreit,
in die man ihn so lange gepre&szlig;t hat.&#147; Zu dieser
f&auml;lligen Befreiungsaktion leistet die vorliegende
Biographie einen bedeutenden Beitrag.
ALBERT VON SCHIRNDING
<P>
<P>
PAUL NOACK:
Ernst J&uuml;nger. Eine Biographie. Alexander Fest Verlag,
Berlin 1998. 368 Seiten, 49,80 Mark.

</ARTICLE>
</OL>
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