For Bertil, re: Iceland in EJ
Der Stil zählt zur Begabung: er ruht unter den Taten und Werken und drückt sich
in ihnen aus. Hier stellt sich die Frage, ob der Nationalsozialismus Stil hatte.
Dafür war er zu mächtig in der Bewegung und zu populär.
Immerhin hätte er eine Elite bilden können, doch bei der Betrachtung der
führenden Kräfte ergibt sich der Schluß, daß keine genügte; die Talente haben
sich in der Bewegung konsumiert. Keines von ihnen reichte an Mussolini heran,
der sich mit ihnen einließ und an ihnen zugrunde gegangen ist. Hier war Franco
behutsamer. Der Prüfstein ist die Kunst von den Monumenten bis zum Gedicht.
Nichts Bleibendes entstand.
Stilistisch galten die Preußen als Vorbild, doch reichte es nur zu einem
dürftigen Korsett. Dem Generalstab, soweit er noch preußisch fundiert war,
schien die Bewegung von Anfang an verdächtig - Hitler zog zum Schluß das Fazit,
daß "am Verrat der Generäle" der Krieg verloren gegangen sei.
Das zweite Vorbild waren die Isländer. Dazu hat paradoxerweise die Rasse nicht
genügt. Das leuchtet schon physiognomisch ein.
Will man einen nihilistischen Stil akzeptieren, so wurde er während der letzten
Tage in der Reichskanzlei erreicht. Vernichtungsbefehle noch aus dem Bunker
inmitten der brennenden Hauptstadt, Giftpillen selbst an die Sekretärinnen,
Verbrennung der Leichen bis zur Unkenntlichkeit.
(Siebzig verweht V, 18. März 1995)