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Rez. ZG: D. Morat: Von der Tat zur Gelassenheit
27.09.2007 Villinger, Ingeborg <[email protected]>     

Autor(en):      Morat, Daniel
Titel:  Von der Tat zur Gelassenheit. Konservatives Denken bei Martin 
Heidegger, Ernst Jünger und Friedrich Georg Jünger 1920-1960
Reihe:  Veröffentlichungen des Zeitgeschichtlichen Arbeitskreises Niedersachsen 
24
Ort:    Göttingen
Verlag: Wallstein Verlag
Jahr:   2007
ISBN:   978-3-8353-0140-5
Umfang/Preis:   592 S.; € 48,00
 

Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
Ingeborg Villinger, Seminar für Wissenschaftliche Politik, 
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
E-Mail: <[email protected]>


„Metaphysische Orakel" und „weltanschauliche Ideengeber" (S. 270), das zeigt 
Daniel Morats Analyse der Denkwege der beiden Brüder Jünger und Martin 
Heideggers, waren sie zu allen Zeiten. Die intellektuellen Kehrtwendungen 
dieser konservativen Trias in den Jahren 1920 bis 1960 arbeitet Morat akribisch 
heraus – im Kontext der Weimarer Republik, der beginnenden NS-Herrschaft, der 
unmittelbaren Nachkriegszeit sowie der jungen Bundesrepublik. Er verfolgt dabei 
eine doppelte Fragestellung: einmal, weshalb es für eine Gruppe 
radikalkonservativer Intellektueller möglich war, die Dichotomie zwischen 
„Geist" und „Tat" zugunsten einer aktivistischen Logik des Tat-Denkens so zu 
vermitteln, dass sie selbst vor praktischen Einlassungen mit dem NS-Regime 
nicht zurückschreckten und zugleich für dieses Regime, mit seiner offenen 
Geist- und Intellektuellenfeindlichkeit, attraktiv waren. Die Antwort auf diese 
Komplizenschaft, die für Morat erneut auch die Struktur der NS-Herrschaft auf 
den Prüfstand stellt, findet sich – und daran lässt er keinen Zweifel – in 
einer inneren Affinität des Denkens der konservativen Intelligenz. Die zweite, 
den größten Teil des Bandes einnehmende Frage lautet, auf welchem Denkweg der 
intellektuelle Konservativismus sich im Anschluss an die Tat-Bereitschaft ab 
Mitte der 1930er-Jahre so transformierte, dass er wieder den Weg zurück zum 
(scheinbar) unpolitischen, „reinen" Denken gefunden hat.

Morats methodische Vorgehensweise – sie orientiert sich an Hannah Arendts 
Überlegungen zur „geistigen Verfassung" Martin Heideggers – rekonstruiert zur 
Klärung der internen Wandlungen und deren politischer Wirkungen einen 
kontinuierlichen „denkbiographischen" Gesamtzusammenhang einzelner Personen und 
Personenkonstellationen im strukturellen Kontext. So können nicht nur die 
Wandlungen der Identitätsentwürfe und „Selbstfestlegungsgeschichten" (S. 20) 
der untersuchten Personen profiliert werden, sondern diese Zusammenführung von 
Ideen- und Zeitgeschichte macht die jeweiligen personalen Selbstentwürfe in 
unmittelbarer Verbindung mit ihren zeithistorischen Phasen transparent. Zum 
anderen eröffnet sie die Möglichkeit, das Bemühen Heideggers und der Brüder 
Jünger um Kohärenz und ihre nahezu „zwanghafte Vermeidung von Eingeständnissen 
der Diskontinuität ihrer Denkentwicklung" (S. 22) als Selbstinszenierungen und 
Verdeckungsstrategien sichtbar zu machen. Ferner rückt mit den einzelnen 
Personenkonstellationen die Gruppenstruktur der Netzwerke in den Blick, die 
nicht nur formale Einflüsse auf ihre Denkentwicklung hatte. Denn in dieser 
Struktur spiegelt sich, durch alle Modifikationen hindurch, das auch in der 
Nachkriegszeit deutlich vom liberaldemokratischen Mainstream abweichende, 
esoterische Denken für ein „geheimes Deutschland".

Der entscheidende Gewinn von Morats Vorgehensweise ist der Einblick in eine 
Vielzahl von sehr differenzierten, außerordentlich erhellenden Perspektiven, 
mit denen die ganze Bandbreite der Facetten konservativen Denkens in 
Deutschland erkennbar wird. Die Dissertation kann deshalb als ein 
unverzichtbares, nahezu lexikalisches Kompendium der Entwicklung und der 
Perspektiven dieses Denkens bezeichnet werden. Eine Untersuchung dieses Formats 
– sie könnte mit ihren fast 600 Seiten deutlich gestrafft werden – ermöglichte 
nicht nur die inzwischen breite (zumeist allerdings nicht den hier untersuchten 
Zeitraum umfassende) Forschungsliteratur, die Morat einer detailgenauen 
(jederzeit gut lesbaren) und fruchtbaren Relektüre unterzieht, sondern auch die 
Auswertung von umfangreichem, bisher unveröffentlichtem Material, das den Blick 
für die politische Dimension auch des scheinbar Unpolitischen schärft.

Mit der konsequenten Korrespondenz zwischen Denkwegen und Tat, zwischen Ideen- 
und Realgeschichte kann sich die Arbeit hinsichtlich des Verhältnisses von 
Heidegger und Ernst Jünger zwar auf bereits Publiziertes stützen. Hinsichtlich 
der „intellektuellen Dreiecksbeziehung" betritt sie jedoch echtes Neuland. Denn 
Friedrich Georg Jüngers Einfluss auf Ernst Jünger, aber auch auf Heidegger, der 
in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, wurde bislang von der 
Forschung kaum zur Kenntnis genommen.

Die chronologisch aufgebaute Rekonstruktion der intellektuellen Denkwege 
erläutert zunächst die Logik des konservativen Tat-Denkens und den Begriff der 
„Konservativen Revolution" in den Jahren 1923 bis 1934. Der als Geburt aus dem 
Geist des Krieges entstehende, radikale „neue Nationalismus", mit seinem 
„Nihilismus zur Tatbereitschaft", wird an den Texten der Brüder Jünger evident. 
Bei Friedrich Georg Jünger stand im Zentrum die Übertragung der Energie des 
Genius des Krieges als Strukturprinzip für die Friedenszeit. Bei Ernst Jüngers 
„Arbeiter" war es die apokalyptische Aufforderung einer „heroischen Akzeptanz" 
zur Gestaltung der technischen Welt der Moderne. Mit beiden Motiven setzte sich 
auch Heidegger auseinander. Sein politischer Existentialismus und Voluntarismus 
der Tat wird in den Kontext seines praktischen NS-Engagements während seiner 
Rektoratszeit gestellt, mit dem er zur Umgestaltung der Freiburger Universität 
beitragen wollte. Die dabei geprägte Formel vom „Arbeitsdienst, Wehrdienst, 
Wissensdienst" zeigt in aller Deutlichkeit die kriegerische Politisierung des 
Tat-Denkens, das sich weder in der Phase des politischen Existentialismus noch 
in der Phase der Nachkriegs-Gelassenheit durch Mäßigung auszeichnete – was 
grundsätzlich auch für die beiden Brüder Jünger gilt.

Die ab 1934 einsetzende, langsame Distanzierung von der Tat und die Wandlung 
hin zu einem anderen Denken, das gleichwohl der Apokalyptik wie der (nun 
ästhetisierten) Gewaltbereitschaft verbunden blieb, war Ausdruck der 
„Enttäuschungsverarbeitung" während des „Dritten Reiches" (S. 32). Heidegger, 
motiviert auch durch das Scheitern seines politischen Engagements, 
verabschiedete sich von der Existentialontologie und wandte sich in kritischer 
Auseinandersetzung mit Ernst Jüngers „Arbeiter" sowie mit Nietzsche und 
Hölderlin einer „Geschichte des Seyns" zu. In den Vordergrund rückte nun die 
Kritik an den im Zweiten Weltkrieg sichtbar werdenden „technischen 
Machenschaften" und Entwurzelungen des Menschen. Sie zielte auf die Realpolitik 
des NS-Regimes, der er in seinen Vorlesungen Bodenständigkeit und 
Heimatverbundenheit entgegensetzte. Auch die beiden Brüder Jünger codierten 
ihren sich von Tat und Politik zurückziehenden Denkhaushalt um, wenngleich sie 
die Tendenz zum Elementaren beibehielten. Mit den „Illusionen der Technik" 
entwarfen sie ihre erste Kritik an den technischen Zurichtungen des Arbeiters. 
Friedrich Georg Jünger formulierte mit seinem Essay „Perfektion der Technik" 
und in seiner Beschäftigung mit der griechischen Mythologie einen Gegenentwurf 
zum „Arbeiter". Ernst Jünger konnte sich, trotz seiner praktischen Erfahrungen 
als Wehrmachtsoffizier mit den Entfremdungen durch die moderne Kriegsführung, 
zu keiner klaren Verurteilung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik 
durchringen. Stattdessen beschritt er mit seiner Denkschrift „Der Friede" den 
auch später durchgehaltenen Weg einer ins Kontemplativ-Wesentliche 
ausweichenden Kritik „allgemein-nihilistischer Zeitströmungen" (S. 525). 
Dieser, das konkrete Geschehen nivellierenden, Betrachtungsweise der Politik 
des Nationalsozialismus als einer Erscheinungsform des technischen Nihilismus 
schlossen sich auch Friedrich Georg Jünger und Martin Heidegger an. Sie war und 
blieb eine Denkfigur der Schuldverweigerung und Ablehnung jeglicher offenen 
Auseinandersetzung – bei Heidegger vor allem erkennbar an Karl Jaspers' 
gescheitertem Versuch, mit ihm zu einer Verständigung über die durch die Tat 
entstandene „Wüste" (S. 373) zu kommen.

Im „Streit um die Tat in der Nachkriegszeit" (S. 279) korrespondierte diese 
Form der Verteidigungsstrategie, die in Netzwerken der Verschwiegenheit als 
„innere Emigration" gepflegt wurde, mit einem Rückzug von der Politik. Dass 
dieser Rückzug ins Unpolitische politisch selbst höchst bedeutsam war, zeigt 
nicht nur der Widerstand von Morats Protagonisten gegen den 
liberal-demokratischen Neuansatz und die Westbindung der frühen Bundesrepublik. 
Auch die Beziehungen zu den ehemaligen Kampfgefährten dokumentieren dies. Die 
heftigen Auseinandersetzungen von Ernst Niekisch, Carl Schmitt und Armin Mohler 
mit den Brüdern Jünger drehten sich um deren bewusst unpolitische Attitüde, mit 
der die bekennenden Antidemokraten sich gleichwohl in die bürgerliche 
Öffentlichkeit der Bundesrepublik als Elite integrierten. Ähnliches ist bei 
Heideggers Reintegration in die akademische Welt zu beobachten.

Auf dem schließlich eingeschlagenen Denkweg zur Gelassenheit, der als 
nicht-aktivistischer Modus zu verstehen ist, standen bei Heidegger und den 
Brüdern Jünger die Suche nach einer dichterischen Sprache und die Kritik am 
Technik- und Massendiskurs der Gegenwart im Vordergrund. Diese Denkentwicklung 
– so Morat abschließend – bestätigt den Befund einer Deradikalisierung des 
Konservativismus durch die Desillusionserfahrung des Nationalsozialismus, die 
zugleich eine bemerkenswerte Verschiebung erkennen lässt: von der vormaligen 
enthusiastischen Bejahung der Technik hin zu einem technikkritischen und 
protoökologischen Denken, das in dieser elementaren Variante jedoch zum 
Stichwortgeber konservativer Modernekritik wurde und keinesfalls in die 
Liberalisierungsgeschichte der Bundesrepublik einzuordnen ist. Es dient 
vielmehr – bis heute – mit seinen antidemokratischen Ideenbeständen als ein 
Reservoir der Neuen Rechten.

Diese Rezension wurde redaktionell betreut von:
Jan-Holger Kirsch <[email protected]>

Typ:    Dissertationen
Land:   Germany
Sprache:        German
Klassifikation: Regionaler Schwerpunkt: Deutschland
Epochale Zuordnung: 1918-1933, 1933-1945, 1945-1989
Thematischer Schwerpunkt: Kulturgeschichte, Politikgeschichte, Geistesgeschichte
Zitation:       Ingeborg Villinger: Rezension zu: Morat, Daniel: Von der Tat 
zur Gelassenheit. Konservatives Denken bei Martin Heidegger, Ernst Jünger und 
Friedrich Georg Jünger 1920-1960. Göttingen 2007. In: H-Soz-u-Kult, 27.09.2007, 
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2007-3-235>.



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