Liebe Jünger-Freunde,

in der "Jungen Freiheit" vom 19. Oktober 2007 ist eine Rezension des 
Briefwechsels Gretha Jünger / Carl Schmitt abgedruckt. 

In einem sei dem Autor widersprochen: die Kommentierung des Briefwechsels lässt 
viele Fragen offen und ist mitunter von unbegründeter Beliebigkeit, sodass die 
Formulierung von einer "mustergültigen Edition" etwas hoch gegriffen ist. Die 
Briefe sind sehr lesenswert, der Kommentar aber ist eine vertane Chance.

Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw






Junge Freiheit, Nr. 43/07, 19. Oktober 2007, S. 16 LITERATUR

Kreuzer zwischen zwei Panzerschiffen
Gretha Jünger zeigt sich in ihrem Briefwechsel mit Carl Schmitt als Vermittlerin
Alexander Pschera

Ernst Jünger charakterisierte einmal seine Gespräche mit Carl Schmitt so, daß 
man dabei „wie in Panzerschiffen aneinander vorbeidefiliert, wenngleich mit 
blumengeschmückten“. Dieses Bild deckt sich mit dem, das die Jünger- und 
Schmitt-Forschung in den letzten Jahren ans Tageslicht beförderte und das dabei 
half, den Begriff der „Männerfreundschaft“, der bis dahin mehr oder weniger 
bedenkenlos auf jene Beziehung angewandt wurde, zu schärfen und zu 
modifizieren. Jünger und Schmitt begegneten sich gewiß freundschaftlich und 
wohlwollend, aber auch mit einer gewissen Abwehrhaltung, die in den fünfziger 
Jahren bis zu Distanz und Frostigkeit, ja bis zum Schweigen reichen konnte. Auf 
jeden Fall war man voreinander auf der Hut und nicht dazu bereit, den Panzer 
des Selbstschutzes ohne weiteres aufzugeben.

Zwischen diesen Panzerschiffen kreuzte nun eine Frau vermittelnd hin und her. 
In dem Verhältnis der Familien Jünger und Schmitt, die sich wohl um die 
Jahreswende 1929/30 in Berlin kennenlernten, spielte Ernst Jüngers erste Frau 
Gretha (geborene von Jeinsen) eine wichtige Rolle. Zeugnis hierfür ist der 
Briefwechsel zwischen Gretha Jünger und Carl Schmitt, der sich von 1934 bis 
1953 erstreckt und nun in einer mustergültigen Edition und ausführlichen 
Kommentierung von Ingeborg Villinger und Alexander Jaser vorliegt. Sie wird im 
Anhang abgerundet durch eine Reihe von Bildtafeln und ergänzende Briefe, unter 
anderem von Gretha Jünger an Schmitts Frau Duska und an Armin Mohler.

Diese Korrespondenz - die erste Gretha Jüngers übrigens, die zur 
Veröffentlichung kommt - ergänzt nicht nur Gretha Jüngers eigene, nur noch 
antiquarisch greifbare Erinnerungsbücher (Die Palette, 1949; Silhouetten, 
1955), sondern fügt sich auch als neue Perspektive dem Briefwechsel zwischen 
Jünger und Schmitt sowie den Tagebüchern der beiden an. Nicht zuletzt 
profilieren die Briefe Gretha Jünger als eine eigenwillige, intelligente und 
tapfere Frau in schwierigen Zeiten, der man ganz und gar nicht gerecht wird, 
wenn man sie nur als Ehefrau Jüngers in Erinnerung behält, die ihren Mann als 
„Gebieter“ titulierte. Denn sie ist es, die in dem Briefwechsel mit Schmitt die 
weitere Perspektive behält und von der unmittelbaren Gegenwart zu abstrahieren 
vermag. So heißt es am 15. April 1951: „(...) auch glaube ich immer, daß wir zu 
intensiv leben, und das große Theater ‘Welt’ zu ernst nehmen. Kurz vor unserem 
Tode wird das anders sein, und wir werden selbst unsere Häscher mit anderen 
Augen sehen“.

Die Edition umfaßt 164 Schreiben, davon 90 von Gretha Jünger an Carl Schmitt 
(14 davon gemeinsam mit Ernst Jünger) und 66 Schreiben Schmitts an Gretha 
Jünger. Die Herausgeber teilen den Briefwechsel in drei Phasen ein, in deren 
Verlauf sich Umfang und Intensität der Korrespondenz steigern. Eine erste Phase 
reicht von 1934 bis 1939, sie umfaßt nur wenige kurze Briefe, in denen es vor 
allem um Schmitts Patenschaft für Jüngers zweiten Sohn Carl Alexander (geboren 
1934) geht, der unter dem Einfluß des Staatsrechtlers katholisch getauft wurde.

Die zweite Phase umfaßt die Kriegsjahre 1939 bis 1945, erlaubt interessante 
Einblicke hinter die Kulissen, die die „Strahlungen“ mit viel Kunstverstand 
aufbauen, und enthält auch manch dezenten Hinweis auf die „Morbidezza“ (GJ an 
CS, 9. Oktober 1951), der sich Jünger in Paris hingab. Die dritte Phase 
erstreckt sich von 1946 bis 1954 und umfaßt mehr als die Hälfte der 
Korrespondenz. In den Briefen dieser Zeit wird neben vielen privaten Sorgen - 
unter anderem der schweren Erkrankung und dem Tod von Duska Schmitt - vor allem 
die politische Lage in der Nachkriegszeit diskutiert, in der sich vor allem 
Schmitt zu verteidigen und um seine Rolle zu kämpfen hatte.

Die Briefe unterstreichen aus dem Blickwinkel Gretha Jüngers, daß die Beziehung 
der beiden Autoren zueinander deshalb so komplex war, weil sie keinen wirklich 
privaten Raum fand. Sie war in den Rahmen einer sozusagen öffentlichen 
Privatheit eingespannt. Die Rollen, die Jünger und Schmitt in der Gesellschaft 
und in den verschiedenen Öffentlichkeiten des Dritten Reichs und im 
Nachkriegsdeutschland spielten, reichten tief hinein in ihren privaten 
Austausch, ja sie fundierten ihn. Dort gab es so etwas wie „Bedeutungsfreiheit“ 
nicht. Alles, was hier gesagt, nicht gesagt oder geurteilt wurde, war bedeutsam 
im Hinblick auf die eigene Selbsteinschätzung, die Bewertung der eigenen 
gegenwärtigen und historischen Relevanz und letztlich auch auf die eigene 
Überlebensfähigkeit. Diese Form des bedeutungsvollen Sprechens, das sich als 
einerseits chiffriertes Sprechen dem Druck der Diktatur und der inneren 
Emigration („Leviathan“-Komplex), als andererseits gehaltvolles Sprechen dem 
Druck der Selbstbehauptung verdankt, verhinderte in continuo einen einfachen, 
unmittelbaren Austausch und damit das, was sich berechtigterweise 
„Freundschaft“ nennen läßt.

Keiner verließ sein Panzerschiff. Irgendwann wurden dann nach und nach auch die 
Blumengirlanden abgehängt: Ab 1952 kam es zu offensichtlichen Spannungen, an 
denen, so zumindest die in dieser Hinsicht sehr deutliche Darstellung Gretha 
Jüngers, Armin Mohler, damals Sekretär Jüngers, und der gemeinsame Bekannte 
Gerhard Nebel alles andere als unschuldig waren. Gretha Jünger sieht ohnmächtig 
zu, wie die beiden Panzerschiffe kontinuierlich auseinanderdriften. Im Brief 
vom 23. November 1951 faßt sie dies in das Bild einer Brücke: „Das Schwierige 
(...) ist weniger die Entfernung, als mein Posten an der Brücke; diese Brücke 
droht fortwährend einzustürzen, weil nichts daran repariert, und weil nicht mit 
gegenseitigem guten Willen daran gearbeitet wird. Darin besteht mein Kummer. 
Ich möchte Ihnen und E .J. immer zurufen: Halt! Aber ich weiß wohl, daß man 
meine Stimme entweder nicht hören will oder kann. (...) Ich stehe in meiner 
ganzen Aktivität recht hilflos zwischen den beiden Eckpfeilern der Brücke, und 
kann nichts tun, als dieses Gewicht zu tragen, und nach Möglichkeit 
auszubalancieren.“

Und noch in ihrem letzten Brief an Carl Schmitt vom 8. Oktober 1953 beschwört 
Gretha Jünger den „alten Geist der Freundschaft“, der doch wohl stärker sein 
müsse als „alle gelegentliche Unlust und Kritik, oder Entstellung durch 
Dritte“. Doch war es Gretha Jüngers Fatum, in tiefere Schichten blicken zu 
können, die ihr bereits zuvor auch die wahre Natur des Problems (23. November 
1952) entlarvten: „Worin bestand aber, das frage ich mich oft, der Sinn, das 
Wesen dieser Freundschaft, die sich über Jahrzehnte erstreckte. Lag in ihrem 
Beginn schon das Ende?“

Ingeborg Villinger, Alexander Jaser (Hrsg.): Briefwechsel Gretha Jünger-Carl 
Schmitt (1934-1953). Akademie Verlag, Berlin 2007, gebunden, 241 Seiten, 
Abbildungen, 44,80 Euro
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