Bravo, Herr Gauger! (And excuse me if I continue in English - perhaps this will encourage responses from others who can read the German contributions but are more capable of responding in English....)
I only want to second exactly what Herr Gauger has expressed so well here; it is something that has always greatly disappointed me since I discovered EJ about 15 years ago. And that is the traditional preoccupation with the controversial character of EJ's early life and its works, a parallel and perhaps consequent lack of attention to the ultimately richer and more interesting later works, and finally and most interestingly, precisely what Herr Gauger has said here, a lack of understanding that the insights and maturity of the later works could only have resulted from the life experiences and intellectual experimentation of the early years. Let's hope this process continues so that the world will be freer to discover what is of greatest value in EJ's works and which only appears late.... Simon Friedrich --- In [email protected] hat "Klaus Gauger" <klaus_gau...@...> geschrieben: > > Lieber John, > > > gebe Dir in allem völlig Recht, letztendlich hat Jünger nur mit > sinnstiftenden Elementen religiöser Art ziemlich eklektizistisch > gespielt. Zu diesem Eklektizismus gehört natürlich auch der > Katholizismus, der übrigens bei Jünger außerordentlich unorthodox > ausfällt, es gehören aber auch gnostische, magische, mythische, > zyklische, neopagane und viele andere Elemente dazu, letztendlich hat > Jünger - im Grunde sehr postmodern - eine Art Potpourri > sinnstiftender religiöser Elemente angerührt. Das erinnert übrigens > an Heidegger, der dies genau gleich getan hat, und deshalb von linken > Flachköpfen als eine Art "gelassener" Möchtegernmystiker und Buddhist > verspottet wird (siehe die Ergüsse des politisch peinlich > ultrakorrekten Daniel Morat, der selbst in solchen Konzepten noch die > rechtsradikale Vergangenheit und die Selbstrechtfertigung > unbelehrbarer Faschisten rauswittert). Ich sehe in diesem Verfahren > Jüngers übrigens kein Nachteil, sondern einen Vorteil, er ist damit - > einschliesslich seiner ökologischen Elemente - anschlussfähig an > aktuelle Lifestyles und Philosophien, ist zumindest in diesem Punkt > in seinem Spätwerk absolut zeitgemäß und interessant auch für junge > Leser, die selbst auf der Sinnsuche sind. Der simplifizierte und > brutalisierte Nietzscheanismus der Stahlgewitter, der später durch > elaboriertere Nietzscheanismen im elitär-faschistischen Sinne > im "Arbeiter" abgelöst wurde, ist heute kaum mehr vermittelbar, wer > will heute schon eine Gesellschaft, die auf militaritische und > elitaristische Prinzipien aufgebaut ist und und dessen eigentliches > Ziel die "maximale Aufrüstung" und der Kampf um eine nihilistisch > verstandene Erdherrschaft ist? (Immerhin, die U.S.A. sind von solchen > Prinzipien nicht ganz soweit entfernt, aber welcher Amerikaner würde > das schon im Sinne eines nihilistischen und faschistoiden Konzepts > befürworten wollen? Wenn überhaupt machen dies die Amerikaner mit der > Bibel in der Hand, als "Gods own country", das den anderen Ländern > die Segnungen von Marktwirtschaft und Demokratie aufzwingt). Wie auch > immer, dieser frühe, heroisch-nihilistische Jünger kann nur noch aus > seiner Zeit heraus verstanden werden, aus der Konstellation der > Weimarer Republik und auf dem Hintergrund eines kommenden Weltkriegs, > für die jungen Leute von heute bleibt er fremd, geradezu widersinnig, > in einer zivilen und hedonistischen Gesellschaft wie der unseren > ergeben solche Konzepte einfach keinen Sinn mehr. Der späte Jünger > aber im Sinne von "Eumeswil", "An der Zeitmauer", "Die Schere", etc. > ist auch für heutige junge Leser, selbst für Aussteiger und Hippies > aus dem linken und ökologischen Spektrum interessant, und das Lustige > ist, dass dieser "aktuelle" und "moderne" Jünger sich organisch und > logisch aus dem nihilistischen und heroischen Jünger - nicht zuletzt > über die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und vor dem Hintergrund von > Nietzsches Nihilismusdiagnose, genau wie bei Heidegger auch - > herausentwickelt hat. Auch das Zusammenspiel zwischen Friedrich Georg > und Ernst Jünger ist in diesem ganzen Kontext sehr interessant. > > > Klaus Gauger > > > > > > --- In [email protected] hat John King <jejking@> > geschrieben: > > > > So, ein paar Bemerkungen vorweg: > > > > Dawkins ist Engländer und seine Argwohn gilt allen Religionen > schlechthin. Trotz (oder vielleicht wegen) der radikalen Sekularität > der amerikanischen Verfassung, geboren direkt aus dem Geiste der > europäischen Aufklärung, bleibt Amerikas Beziehung zur Religion > höchst problematisch und widersprüchlich. Die Teilnahme an > Gottesdiensten und der Einfluss von (teils) radikalen Prediger ist > dort viel höher als hier in Europa. > > > > Und nun zum eigentlichen Thema: > > > > Die Frage nach der Beziehung Jüngers zu Bloy ist eine ganz > wichtige, auch zu Bernanos. Ich habe immer gemeint, die Würzel der > Konversion liegen in der Sinnsuche nach dem ersten Weltkrieg und > manifestieren sich parallel - und gewissermassein in Widerspruch - zu > dem "heroischen Nihilismus". Das ist ziemlich klar in den Rezensionen > zu Bernanos nachzulesen - "Die Heilige im Automobil" - und vieles aus > der Zeit deutet auf ein Neid auf die angeblichen Gewissheiten des > katholischen Glaubens. > > > > Man kann auch ganz gezielt nach der Spriritualität des "Arbeiters" > fragen. Ich sage, es gibt keine, geschweige denn man will > Gestaltsbegrifflichkeiten in theologische Kategorien umbiegen, was > m.E. eine eher gewagtes Manöver wäre. Die Begeisterung für die > logistischen Leistungen des Materialkrieges steht im krassem > Gegensatz zu einem Glauben am christlichen Gott, die Heilslehre und > die Nächstenliebe. > > > > Die aus "Eumeswil" zitierte Stelle schreit > > auch nicht nach dem Bedarf nach Glauben, trauert ihn auch nicht > nach. > > Das ist die typische Jüngersche diagnostische Geste. Er stellt fest, > > nimmt seine geliebte Perspektive der kognitiven Überlegenheit an, > und > > setzt sich mit dem "Tod Gottes", der Erbschaft Nietzsches > auseinander. > > Und eben das hat er auch selbst erfahren. > > > > Von daher finde ich die Behauptung: "Wie jeder aufmerksame, > langsame Ernst > > Juenger Leser weiss, war Ernst Juenger ein frommer, tiefglaeubiger > Mensch, > > dessen Buecher nicht nur mit biblischen Zitaten ueberfluten, > sondern er bei > > jeder Gelegenheit seinen Glauben an Gott kundtut" ziemlich gewagt. > > > > Ernst Jünger war ein interessanter Schriftsteller, dessen Texte > voller Brüche und Widersprüche sind. Da fliesst viel aus dem 20. > Jahrhundert zusammen und wird auf einzigartige Weise verarbeitet. > Dazu gehört die Religion. Das kann man spätestens ab den Strahlungen > und der Bibellektüre in Paris nicht übersehen. Aber ihn als quasi- > Heiligen und Propheten darzustellen oder zurechtzubiegen, das ist > genauso einseitig wie der Versuch in ihm nur den "Faschisten" und > Gewaltverherrlicher zu sehen. Und den Jünger gab's auch. > > > > Gruss aus HH, > > > > jk > > > > ----- Ursprüngliche Mail ---- > > Von: Tobias Wimbauer <wimbauer@> > > An: [email protected] > > Gesendet: Sonntag, den 14. Oktober 2007, 22:04:34 Uhr > > Betreff: [juenger_org] Henry Malons Zuschrift > > > > >Helmut Kiesel, Alexander Pschera und viele Juenger-Freunde werden > offensichtlich mit Dawkins uebereinstimmen, da man >nie einen Ton > ueber Ernst Juengers Geistlichkeit und Spiritualitaet hoert. > > > > > > H. Kiesel hat in der FAZ 1999 einen guten Artikel über Jüngers > Konversion geschrieben (Helmuth Kiesel: Eintritt in ein kosmisches > Ordnungswissen. Zwei Jahre vor seinem Tod: Ernst Jüngers Konversion > zum Katholizismus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 74 vom 29. > März 1999, S. 55;); Pschera hat eine Monographie über Léon Bloy (mit > Hauptaugenmerk auf Jünger) verfasst, und das ist ein Bereich, der > essentiell war für Jüngers Glauben, auch hat er wiederholt im Vatikan- > Magazin über Jünger geschrieben. Wie es um andere Jünger-Freunde > steht, weiss ich nicht. > > > > In der Jünger-List habe ich das Thema 2001 behandelt: > http://www.juenger.org/mailarchive/4_2001/msg00033.php > > > > Dass also die von Malon Genannten sich nicht zu Jüngers > Religiosität äussern würden, ist schlicht falsch. > > > > Dawkins' antichristlicher Feldzug ist m..E. symptomatisch für > Amerika, aber hat mit Europa wenig zu tun. Wir haben's auch nach Rom > nicht so weit. > > > > Gruss, > > tw > > > > -- > > Tobias Wimbauer | Wimbauer Buchversand > > Waldhof Tiefendorf > > Tiefendorfer Str. 66 > > 58093 Hagen-Berchum > > 02334-502826 > > http://www.waldgaenger.de/fragebogen.html > > USt-IdNr.: DE251720280 > > unsere Angebote (ZVAB, AbeBooks, Amazon, Booklooker, Antbo, > Antiquario, Antikbuch24, Guthschrift, Buchfreund und Allstores) > finden Sie hier: > > http://www.waldgaenger.de/wimbauerbuchversand.html > > http://www.waldgaenger.de/tiefendorf.JPG > > einen Büchergruß an TW senden: > http://www.amazon.de/gp/registry/IBSBOT1B0 > > > > > > > > Yahoo! Groups Links > > >
