I see that Herr Gauger and I have independently expressed a similar conclusion, that there is a fundamental difference between the early and later Juenger, and that we have both put Der Arbeiter/19933 as the turning point.
My question remains if the early works merit all the attention they have received, or at least are they worth any further attention? Particularly in the light of what Herr Gauger has expressed here, that they are elitist, without empathetic humanistic motivation, and destined to be eclipsed by later works, my answer would be a decisive no. Even if the later Juenger could only have evolved from the early one, haven't we examined the early one enough now to understand what it contributed to the larger complex of the author? Now that we've studied and understood him better, let's forgive the old man (actually the young man) for his early sins and naive exaggerations and move onto his truly exceptional and useful works. From my point of view, this is a stagnation of a sort, and it threatens to become a bad and only self-serving habit. Forwards, onto new challenges! --- In [email protected] hat klaus gauger <klaus_gau...@...> geschrieben: > > Ich muss Krömer in diesem Punkt leider völlig Recht > geben. Eine Mitleidsethik ist in Ernst Jüngers > Frühwerk bis zum "Arbeiter" in keinster Weise präsent. > Schon die "Stahlgewitter" sind im Stil des elitären > Frontkämpfers geschrieben, der für die Schwächen > durchschnittlicher "Frontschweine" nur Verachtung > übrig hat. Das zieht sich bis zum "Arbeiter" durch, > auch hier ist es eine Elite - die Vertreter eines > "aktiven" Nihilismus im Gegensatz zu denen, die den > Nihilismus "passiv" erleiden: Die Unterscheidung hat > Jünger von Nietzsche - die dem globalen "Mahlgang" > voranschreitet, und das Ziel ist nicht ein Reich des > Mitleids, sondern der bis an die Zähne gerüstete > militärische Machtstaat, der mit anderen Staaten des > selben Typus´ um die Weltherrschaft kämpft, > selbstverständlich im Zuge weltweiter kriegerischer > Auseinandersetzungen. Der "totale Krieg" (Ludendorffs > Werk mit gleichlautendem Titel, das Clausewitz auf den > Kopf stellt: Die gesamte staatliche Politik in einem > Land als Fortführung des Krieges mit anderen Mitteln) > ist das Ziel der Anstrengung, dem sich alle Mitglieder > des Arbeitstaates als Rädchen in einer gigantischen > Maschinerie einzufügen und zu dienen haben. Insofern > muss ich Kiesel ganz klar widersprechen und Krömer > Recht geben, von Mitleid keine Spur, vielmehr ist > dieser Grossessay ein Dokument eines gnadenlosen > totalitären, kriegerischen und elitären Denkens, und > tatsächlich kann man diesen Essay nur vor dem > Hintergrund des Aufstiegs des Faschismus´ und dem > kommenden Weltkrieg verstehen, wo tatsächlich mit > totaler Rücksichtslosigkeit um die Erdherrschaft > gekämpft wurde, übrigens streckenweise auch auf Seiten > der demokratischen Nationen, man denke nur an den > Bombenterror von Briten und Amerikanern in > Deutschland. > Trotzdem ist der "Arbeiter" kein > nationalsozialistischer Entwurf: Das Rassedenken, die > Grundlage des Nationalsozialismus, fehlt in diesem > Essay völlig, ebenso wie das Blut- und Bodendenken. > Der "Arbeiter" ist auch ein transnationaler Typus, ein > Art ein technischer Überkrieger, solche Generäle, > Politiker und Techniker, "aktive", elitäre Nihilisten, > gab´s wohl in allen am Weltkrieg beteiligten Nationen, > und Jünger frohlockte damals in apokalyptischer Manier > über den kommenden Globalkampf um die Erdherrschaft > zwischen solchen "aktiven Nihilisten", denen die > untergeordneten "passiven" Nihilisten als Material > dienen. Tatsächlich kam der "Arbeiter" in der > nationalsozialistischen Presse schlecht an und wurde > verrissen. Erst nach 1933 wendet sich Jünger von einem > solchen Denken ab, die Mitleidsethik entwickelt er > erst später, angesichts der Lemurenherrschaft der > Nazis und der ungeheueren Verwüstungen und > Grausamkeiten des Weltkrieges. Auch die mehrmalige > Lektüre der Bibel gehört zu dieser "Konversion" > Jüngers zu Humanismus und Mitleidsethik, der frühe > Jünger hingegen ist ein besonders radikaler > Nietzscheaner und Antihumanist. Insofern empfinde ich > Kiesels Bemerkungen geradezu als Verdrehung, > offensichtlich treibt ihn der Ehrgeiz, Jünger vom > Faschismus-Verdacht posthum reinwaschen zu wollen. > Ernst Jünger war aber in der Weimarer Republik > eindeutig der Vertreter eines elitären, > transnationalen und transrassischen Faschismus und in > rechtsradikalen Zirkeln und Magazinen in der Weimarer > Republik als fleissiger Publizist aktiv. Jünger hat > selbst daraus nie einen Hehl gemacht und stand auch zu > Werken wie dem "Arbeiter", den er nie widerrufen, > sondern vielmehr in seinem Werk ab 1933 organisch > weiterentwickelt und modifiziert hat, und zwar in > einem humanistischen Sinne, in der die Mitleidsethik > dann ebenfalls eine Rolle spielt. Es gibt also > eindeutig zwei Jünger, zwischen denen ein Zusammenhang > besteht: Den frühen, vor allem nietzscheanischen, > elitär-faschistischen Jünger (vor 1933) und den > späteren konservativ-humanistischen Jünger, der sich > einer Vielzahl unterschiedlichster geistiger Einflüsse > öffnet (ab 1933). Den frühen Jünger leugnen und im > Sinne einer Mitleidsethik "hinbiegen" zu wollen ist > Unfug. > > > Klaus Gauger
