"Geschwaetzige, weitschweifige, eitle , stumpfsinnige Menschen hoehnen ueber 
alles ausserhalb ihres winzigen Bereiches - das ist alles ; weil sie ja so 
wenig - nichts wissen." Harold Kleed. 
Liebe Juenger-Freunde:
 
Da der Herr Gauger in der heutigen Korrespondenz Juengers "Mitleidsethik" 
bemaengelt , fuehlte ich mich gezwungen zu diesem Thema Stellung zu nehmen. In 
der Behandlung dieses Themas kommt man nicht umhin den Menschen Juenger und 
seine Schriften zu betrachten. Ich wurde selten in meinem Leben derart von 
einem Mitleidsgefuehl befluegelt wie in den STAHLGEWITTERN ( Seite 185. 28.7. 
1917.):" Unvermittelt fragte mich Sandvoss , ob ich etwas von meinem Bruder 
(Friedrich Georg) gehoert haette. Man wird sich meine Sorge vorstellen koennen, 
als ich erfuhr, dass er den naechtlichen Sturm mitgemacht hatte und vermisst 
wurde. Er war meinem Herzen der Naechste; das Gefuehl eines unersetzlichen 
Verlustes tat sich vor mir auf. Gleich darauf kam ein Mann und teilte mir mit, 
dass mein Bruder verwundet in einem Unterstand liege. Er zeigte dabei auf ein 
wuestes, von entwurzelten Bauemen bedecktes Blockhaus, das bereits von den 
Verteidigern verlassen war. Ich eilte ueber eine Lichtung, die unter gezieltem 
Gewehrfeuer lag, und trat ein. Welch ein Wiedersehen! Mein Bruder lag in einem 
von Leichengeruch erfuellten Raum inmitten einer Menge aechzender 
Schwerverwunderter. Ich fand ihn in einer traurigen Verfassung vor. Beim Sturm 
hatten ihn zwei Schrapnellkugeln getroffen, die eine hatte die Lunge 
durchschlagen, die andere das rechte Oberarmgelenk zerschmettert.Das Fieber 
glaenzte ihm aus den Augen; eine geoeffnete Gasmaske hing auf seiner Brust. Er 
konnte nur mit Muehe sich bewegen, sprechen und atmen. Wir drueckten uns die 
Hand." usw. usw. Tant mieux. Jedesmal - sogar heute - wenn ich die 
unvergessliche Passage lese -werde ich von einer Gaensehaut magnetisiert. 
Desbezueglich hat Juenger unzaehlige Bemerkungen ueber das Mitleid in seinen 
Schriften gemacht, insbesondere in den STRAHLUNGEN . , wo er sich mit dem 
Schicksal der Juden, der Leichen in Russland, den Hinrichtungen in Frankreich 
beschaeftigt. Zudem wird man zum Mitleid ueber seine eigenen Leiden bewegt, - 
der furchtbare , unvergessliche fruehe Tod seines Sohnes, Ernstl, - das 
Schreibverbot nach dem Zweiten Weltkrieg, -der fruehe Tod seiner Frau, Greta, - 
der Selbstmord seines einzigen, ueberlebenden, missratenen Sohnes, Alexander, - 
und dann insbesondere die Verleumdungen und anhaltenden Luegen ueber seine 
Vergangenheit. - - - Wer vom Schicksal des Menschen und Schriftstellers Ernst 
Juengers nicht vom Mitleid ergriffen wird ist stumpfsinnig , blind und 
komatoes. Unvergleichlich Heinrich.. 

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