Liebe Jünger-Freunde,

der MDR hat auf seiner Website eine Zusammenfassung einer Sendung zu den 
Jünger-Biographien von H. Schwilk und H. Kiesel veröffentlicht. Diese 
nachstehend.
Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw


http://www.mdr.de/mdr-figaro/journal/5010658.html

Buchjournal | MDR FIGARO
Ein neuer, unverkrampfter Blick auf ein Jahrhundertleben
Sendung am 17. November 2007
Im Buchjournal von MDR FIGARO war Geschichtsredakteur Stefan Nölke im Gespräch 
mit dem Publizisten Heimo Schwilk, der über den Schriftsteller Ernst Jünger 
eine fesselnde Biografie geschrieben hat.

Ernst Jünger, der vor neun Jahren, im Februar 1998 im Alter von 102 Jahren 
gestorben ist, ist ohne Zweifel einer der faszinierendsten deutschen 
Intellektuellen, der das gesamte 20. Jahrhundert wie kein zweiter als Zeitzeuge 
durchlebt und als Autor kommentiert hat. Lange Zeit allerdings war er ein 
Schriftsteller, an dem sich die Geister schieden. Der Grund dafür lag in seiner 
politischen Haltung, vor allem während der zwanzig Jahre, als Jünger 
rechtsextreme und kriegsverherrlichende Positionen vertrat, die zum großen Teil 
mit denen der Nazis übereinstimmten.

Prominente Bewunderer
Für die SED stand deshalb außer Frage, dass der "pro-faschistische" Jünger auf 
den Index gehört. Aber auch für das linksliberale Spektrum des westdeutschen 
Politikbetriebes galten Autor und Werk als anrüchig, wobei Jünger selbst auch 
niemals ein klares Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie abgegeben hat. Dennoch 
hatte Jünger auch immer wieder seine Bewunderer gefunden, wie Helmut Kohl und 
Francois Mitterand, die den betagten Schriftsteller in seinem Haus in 
Wilflingen im Landkreis Biberach besuchten, oder auch der Dramatiker Heiner 
Müller und der Ex-Sponti und Ex-Außenminister Joschka Fischer, die Jünger gegen 
Angriffe in Schutz nahmen. Der Höhepunkt der Kontroverse um Ernst Jünger war 
zweifellos im Jahre 1982, als er den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main 
verliehen bekam und viele Stühle der Frankfurter Paulskirche aus Protest leer 
blieben. 

Zwei neue Biografien
Nun sind in diesem Herbst gleich zwei Biografien über Ernst Jünger erschienen, 
die einen neuen Blick auf den Schriftsteller wagen. Das Buch des 
Literaturwissenschaftlers Helmut Kiesel wurde von manchen Kritikern vielleicht 
zu Unrecht nicht sonderlich gut besprochen. Die im Siedler-Verlag erschienene 
Biografie liefert einen sehr gediegenen Überblick auf Jüngers Leben und Werk 
sowie eine ausführliche Rezeptionsgeschichte. Sicher ein Muss für alle 
Germanistikstudenten. Für den historisch interessierten Laien empfiehlt sich 
eher die Biografie des Publizisten Heimo Schwilk, der Jüngers Jahrhunderleben 
ungleich lebendiger und anschaulicher schildert. 

"Man kann heute sachlicher, gelassener über Jünger sprechen, was auf 
verschiedene Gründe zurück zu führen ist. Unter anderem darauf, dass die 
ideologischen Einengungen, die vor 20 oder 25 Jahren noch stärker waren, 
mittlerweile etwas abgebaut sind."
Helmut Kiesel
MDR FIGARO
 
Perspektive eines einfachen Frontsoldaten
Vor allem der Abschnitt über Jüngers prägende Erlebnisse zwischen 1914 und 
1918, als er im Ersten Weltkrieg an den heftigsten Materialschlachten der 
Westfront teilgenommen hat, gehören mit zum Besten, was in den letzten Jahren 
über diese "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts in deutscher Sprache erschienen 
ist. Es ist die Perspektive eines einfachen Frontsoldaten, der das gnadenlose 
Gemetzel aus einer schockierend unemotionalen Perspektive zu begreifen 
versucht. Heimo Schwilk hat zu dieser Schilderung Jüngers gesamte 
Tagebuchaufzeichnungen und Korrespondenz ausgewertet.
 
Seine Fronterlebnisse verarbeitete Jünger nach dem Krieg in seinem Buch "In 
Stahlgewittern", das bis heute das bekannteste Werk von ihm geblieben ist. In 
den Kanon der wichtigsten Werke der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts 
ist freilich auch der Roman "Auf den Marmorklippen" eingegangen, mit dem Jünger 
sich kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges als Gegner der Nazis eindeutig zu 
erkennen gab. Jünger stand dann auch konsequenterweise am 20. Juli 1944 auf 
Seiten der Hitler-Attentäter.
 
Jünger-Renaissance erwartet
Zwar haben diese beiden genannten Bücher im In- und Ausland immer wieder ihre 
Leser gefunden, dennoch ist die Mehrzahl seiner Romane dem größeren Publikum 
bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Vielleicht wird sich das aber ändern, 
so spekuliert jedenfalls Heimo Schwilk im MDR FIGARO-Gespräch:
"Ich gehe eigentlich davon aus, dass er im 21. Jahrhundert eine etwas 
bescheidenere Renaissance erlebt als Hermann Hesse in den 60er-Jahren, aber 
immerhin wird man sich Ernst Jünger wieder mehr zuwenden".
Heimo Schwilk
MDR FIGARO
 
zuletzt aktualisiert: 21. November 2007 | 08:58
 
        
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