Liebe Jünger-Freunde,

nachstehende Rezension zu Schwilks EJ-Biographie erschien jüngst in der 
TAGESPOST.
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Ihr / Euer
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Die Tagespost, 24. November 2007

Zwischen dem Nichts und der Unendlichkeit
Ernst Jüngers Jahrhundertleben in einer mustergültigen Biographie

Von Urs Buhlmann

Er fehlt. Auch bald zehn Jahre nach dem Tod Ernst Jüngers ist niemand 
erkennbar, der seinen Platz einnehmen könnte. Der kühle Beobachter des Fatums, 
dessen Lebensspanne mehr als ein Jahrhundert fasste, der „Anarch“ – zugleich in 
der Zeit und neben der Zeit – der unbeirrt seiner Wege geht – er ist einer, den 
es vorher nicht gab und nicht mehr geben wird. Das Interesse dauert an. In 
einer neuen Biographie behandelt Heimo Schwilk auch die Frage, die als finale 
Pointe über diesem „Jahrhundertleben“ steht, Jüngers Konversion zur 
katholischen Kirche.

Im Mittelpunkt stehen die Freiheitslehre und Konversion

Schwilk hat die Aufgabe, dieses 102-jährige Leben zu schildern, glänzend 
gelöst. Er stützt sich dabei nicht nur auf das Werk, sondern auch auf den 
historischen Hintergrund. Vor allem lässt er unterschiedliche Wegbegleiter zu 
Wort kommen, die dem Autor in Zuneigung oder Abneigung verbunden waren. Der 
wichtigste Gesprächspartner war sicher sein Bruder, der Dichter Friedrich Georg 
Jünger, eine genuin eigene Begabung, der dem Älteren den Ruhm nie neidete. Das 
Verhältnis zu Carl Schmitt blieb wechselhaft, was auch mit dessen Rolle als 
politisch Handelnder im NS-Staat zu tun hatte. Zu Benn entstand jedenfalls 
keine Freundschaft. Sie – und viele andere mehr – kommen zu Wort. So gelingt 
Schwilk ein mit allen Lebensfarben gemaltes und nie hagiographisches Tafelbild 
Ernst Jüngers. Auch die weniger angenehmen Seiten des Autors scheinen auf, die 
in jungen Jahren maßlose Arroganz etwa. Vor allem aber zwei Aspekte sind es, 
die Schwilks Interesse finden: Das, was man die „Freiheitslehre“ Jüngers nennen 
könnte und die Motivation seiner zwei Jahre vor dem Tod 1996 erfolgten 
Konversion zur katholischen Kirche.

Schwilks These ist, dass Ernst Jünger die Rolle des Einzelgängers und 
„Anarchen“ nicht selbst wählte. Das Gefühl der Fremdheit, die Frage: „Was habe 
ich hier zu schaffen – wie komme ich hierher?“, dieses Geworfen-Sein in die 
Welt, das Nichtdazugehören sei schon dem Knaben ein Problem gewesen. Von daher 
seit früher Jugend die Fluchtbewegungen in die Welt von Natur und Literatur. 
Dazu trat die Ahnung eigener Schuld, nicht aufgrund von Taten, sondern quasi 
als menschliches Erbteil und Wurzel der eigenen Existenz. Diese „seelische 
Hypothek“ erkläre Jüngers lebenslanges Metaphysikverlangen. Später wird er 
durch die Lektüre von Hans Jonas lernen, dass dieses eigentümliche Lebensgefühl 
der antiken Gnosis entstammt. Seit der Jugend ging er immer nur eigene Wege: 
„Die Fragwürdigkeit der eigenen Existenz ist auch Ursache eines manchmal 
verwegenen Mutes, der keine Angst vor Todesgefahr kennt, ja diese geradezu zu 
suchen scheint. Als wäre der Tod die Aufhebung des Schuldgefühls und eine 
Rückkehr in den mütterlichen Ursprung des Lebens.“

Dieser Mut wird ihm 1918 den höchsten preussischen Kriegsorden „Pour le Mérite“ 
einbringen. Als Haltung findet er auch – gelegentlich selbstgefällig – Eingang 
in das Frühwerk, so etwa in den „Stahlgewittern“. Doch ist dieser Erstling, den 
manche seiner Kritiker Jünger bis heute nicht verzeihen, bereits Weltliteratur. 
Jüngers lakonischer Stil, bei dem kein Wort verschwendet wird, ist vor allem 
eben das: Bewusster, anerzogener Wille zum Stil. Der Autor spricht einmal vom 
„ameisenhaftes herumminieren“ am Text, bis alles passt und das einzig richtige 
Wort gefunden ist.

Mag sein, dass die zu Lebzeiten meist unfrohe Aufnahme von Jüngers Werken durch 
deutsche Autoren da und dort auch schlichtem Neid auf Jüngers Vermögen zur Form 
entsprang. Sein Hang zum Eskapismus wird ihn zeitlebens begleiten, ob er ihm 
durch Reisen in tropische Länder noch im Alter oder durch Drogen-Experimente 
nachgibt. Dieser unbürgerliche Zug Jüngers kann nur den irritieren, der mit 
dessen gleichsam naturrechtlichen Elitedenken nichts anzufangen weiß. Für den 
sich gemeinsam mit dem LSD-Entdecker Albert Hofmann – er lebt noch 101-jährig – 
an synthetischen Stoffen Berauschenden war klar, dass nicht jedem alles erlaubt 
ist.

Eine schon früh erkennbare metaphysische Traditionslinie

Jüngers Freiheitsbegriff wandelt sich vom wagefrohen Nonkonformismus des 
Soldaten – „Übrigens gehört es zu meinen Maximen, dass uns die Freiheit immer 
gewogen bleibt, solange wir mit dem Tode als Dritten im Bunde einverstanden 
sind“ – zur Haltung einer „Désinvolture“. Gemeint ist nichts weniger als eine 
„göttergleiche Überlegenheit“, die sich dem Wissen um eine höhere Wirklichkeit 
verdankt. Jünger versteht dies als eine besondere Form der Heiterkeit, als 
genuin menschliche Waffe des Geistes gegen die Schrecknisse der Zeit. Viktor 
Frankl beschreibt Ähnliches, wenn er von der „Trotzmacht des Geistes“ spricht, 
die ihm half, das KZ zu überleben.

Der Frage, wie involviert der nationalistische Schriftsteller Jünger in das 
NS-System war, weicht Schwilk nicht aus. Er bietet eine sorgfältig abgewogene 
Antwort und zieht dabei den Vergleich zu dem ungleich mehr belasteten Carl 
Schmitt. Letztlich konnte Hitler, der um ihn buhlte, einen wie Jünger nicht für 
sich gewinnen, weil die Differenz zwischen der aristokratisch-elitären Ordnung, 
wie Jünger sie erwog, und der Massen-Diktatur der Nazis zu deutlich war. Im 
Schlüsselroman „Heliopolis“, 1949 vollendet, gibt Jünger über sein Staatsdenken 
Auskunft und lässt dabei auch erkennen, dass der demokratische 
Verfassungsstaat, der sich am Rhein zu formieren begann, gleichfalls nicht 
seinen Gefallen fand – wegen der Übermacht des „Technischen“. Jünger war nun 
zum einsamen „Waldgänger“ geworden: „Im Waldgang betrachten wir die Freiheit 
des Einzelnen in dieser Welt“, schreibt er 1951 im gleichnamigen Buch. Er 
fordert, dass der Einzelne Substanz gegen den Substanzverlust zu setzen, das 
Individuum gegen das Kollektiv zu repräsentieren habe: „Wenn alle Institutionen 
zweifelhaft (...) werden und man selbst in den Kirchen nicht etwa für die 
Verfolgten, sondern für die Verfolger öffentlich beten hört, dann geht die 
sittliche Verantwortung auf den Einzelnen über.“

Es hatte sich etwas geändert seit jenen Tagen, da er kaltschnäuzig den eigenen 
Tod und den der Anderen guthieß, wenn dies nur ehrenhaft geschehe. Noch 1932 
hieß es freudig im „Arbeiter“: „Das tiefste Glück des Menschen besteht darin, 
dass er geopfert wird.“ Diese unheimliche Emphase verlor sich in einem langen 
Leben. Schwilk weist eine schon früh erkennbare metaphysische Traditionslinie 
auf, die dann, in der Gesamtschau, des Schriftstellers Bekenntnis zur römischen 
Kirche am Ende seines Lebens erklärt. Als junger Offizier verstand er sich als 
Monist in der Nachfolge Haeckels, der von einem einzigen Seinsprinzip, der 
„Substanz“ ausging, vor dem Existenz oder Nichtexistenz keine Gegensätze sind. 
Der im Schützengraben Ausharrende bestand darauf, dass der Tod kein Schrecken 
sei, sondern „Rückkehr aus der Zeit in die Ewigkeit, aus dem Raum in das 
Unendliche, aus der Persönlichkeit in jenes Große, das alles im Schoße trägt“. 
Doch geht es dabei schon um Gott?

Dazu bedurfte es weiterer Dezennien und weiterer Anregungen auf Jüngers 
Lebensweg. Zum einen bekennt er, dass er auch im Krieg niemals Zuflucht im 
Gebet gesucht habe. Zum anderen beginnt er nach 1918 mit der Lektüre von 
Ignatius und von Grácians „Handorakel“. Später, im Zweiten Weltkrieg, kommt die 
Bibellektüre dazu, die er bis zum Tod fortsetzt. Sie hilft ihm, den Bombenkrieg 
als Kampf mit den Mächten der Finsternis zu deuten. Für Jünger sind Bibel und 
Offenbarung ein Gleiches, das man nicht auf „Wissenschaftlichkeit“ abklopfen 
dürfe. Die Textkritik, die er an den Schriften Bruno Bauers studiert, vermittle 
genauso wenig Einsicht in die Bibel wie der Darwinismus Aufschluss über das 
Tier. Daher verfehle Textkritik an der Bibel die mythische Wirkungsmacht 
Christi, der als „ewiger Mensch“ seinen Ursprung jenseits der Zeit habe. Aber 
auch mit der Schrift verfügte Jünger noch lange nicht über Glaubensgewissheit: 
„Die Existenz auf diesem vorgeschobenen Bogen wird mit jedem Tag unhaltbarer, 
falls nicht von drüben spiegelbildlich ihm die Entsprechung, die 
Vervollkommnung entgegenwächst. Aber das andere Ufer liegt in dichtem Nebel – 
und nur zuweilen dringen unbestimmte Lichter und Töne aus der Dunkelheit.“

Der Papst hat „Die Schere“ mit Wohlgefallen gelesen

Das Schreckliche, das er gesehen hatte, prägte ihn. So distanzierte er sich 
gegen Kriegsende in einer Friedensschrift klar vom Nihilismus und rät zur 
„Zauberklinge des Wortes“, was nichts anderes als den Glauben an das 
fleischgewordene Wort meint. Kritik hat diese Wandlung vom Nationalisten, der 
nahe am Nichts gebaut hatte, zum christlich geprägten Metaphysiker durchaus 
erfahren, wie auch nicht?

Ganz unbemerkt hatte die Zuwendung zur Kirche – im schwäbischen Wilflingen, 
wohin Jünger 1950 zog, konnte dies nur die katholische sein – eingesetzt. Mit 
dem Ortspfarrer verstand er sich gut. 1990 erhält er eine Urkunde mit dem Segen 
Johannes Pauls II., der ihm auch mitteilen lässt, er lese „Die Schere“ mit 
Wohlgefallen. Im Gespräch mit dem Priester wird die Frage des persönlichen 
Gottes thematisiert. So kommt es 1996 in Wilflingens Pfarrkirche zur 
Konversion. Schon zuvor hatte er sich aktiv am Gemeindeleben beteiligt. Es war 
mehr als Verbundenheit mit dem lokal Üblichen, die Jünger diesen Schritt gehen 
ließ.

Die Distanz zur evangelischen Kirche seiner Kindheit war gewachsen. Im Tagebuch 
führte er Klage über die Verweltlichung des evangelischen Pfarrers, über den 
Verlust der Transzendenz in der Predigt. Wie sollte auch ein Jünger, fragt 
Schwilk, sich in einer Kirche, die mit Bultmann das Geheimnis des Glaubens zu 
entzaubern begann, als eschatologisch Denkender heimisch fühlen? Durch 
lebenslanges Nachdenken über die Begriffe von Opfer und Wandlung war sein 
Denken je schon auf das Katholische gerichtet. Die Frage, ob denn Jünger als 
vollblütiger Katholik zu gelten habe, verneint Schwilk jedoch. Sie tritt auch 
zurück hinter einem so langen Aneignungs- und Wandlungsprozess.

Heimo Schwilk ist ein kundiger Führer auf dem Lebenspfad eines Schriftstellers, 
der aus der Literatur des 20. Jahrhunderts hervorsticht. Was für ein Weg, was 
für ein Mensch, der zum Totengedenken an den gefallenen Sohn 1992 ein Gedicht 
schreibt, das mit „Ich klopfe an, ich klopfe an, ich klopfe an“ beginnt und 
endet mit: „Amen. Dank“! Schwilks Buch ist ein Gewinn.

Heimo Schwilk: Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben. Piper Verlag, München 2007, 
560 Seiten, 44 Abbildungen, ISBN 978-3- 492-04016-7, EUR 24,90


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