Liebe Jünger-Freunde,

nachstehende Rezension erschien heute in der "Berliner Literaturkritik".
Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw


Berliner Literaturkritik
Aus dem Nachlass Hans Blumenbergs
Der Briefwechsel mit Carl Schmitt und Texte zu Ernst Jünger
© Die Berliner Literaturkritik, 03.12.07

Der soeben erschienene Briefwechsel zwischen Hans Blumenberg und Carl Schmitt 
ist eine Mogelpackung. Ganze fünfzehn Briefe, die im Abdruck nur etwas mehr als 
fünfzig Seiten benötigen, werden zu einem eigenständigen Buch mit sechsfachem 
Umfang aufgebläht. Genauer gesagt sind es sechs Briefe von Blumenberg und 
folglich neun Briefe von Schmitt. Dass Blumenberg nicht regelmäßig auf Schmitts 
Briefe und Karten antworten kann, liegt daran, dass dieser von seinen 
akademischen Pflichten so stark okkupiert ist, dass er im November 1974 stöhnt: 
„Das Semester lässt keinen Seitenblick mehr zu, weder nach rechts noch nach 
links, nicht einmal nach links.“ Zudem lebt der äußerst produktive 
Nachtarbeiter zurückgezogen, was zu einigen Irritationen bei Kollegen führt. Da 
geht es Carl Schmitt anders, der – wenn auch vom Alter beschwert – die Vorzüge 
seiner Plettenberger Isolierung genießen kann; eine Isolierung, die es ihm 
erlaubt, sich vollständig auf sein Werk zu konzentrieren.

Die Korrespondenz setzt ein mit einem Brief von Hans Blumenberg an Carl Schmitt 
vom 24. März 1971. Er schreibt ihm, um auf dessen Kritik zu und an seinem Buch 
„Die Legitimität der Neuzeit“ (1966) zu antworten. Blumenberg gelangt bereits 
Mitte der sechziger Jahre unter der Voraussetzung seines Anspruchs auf eine 
bedeutende Geschichtsphilosophie des 20. Jahrhunderts und der Verwirklichung 
der Prämisse, das Denken an den Leitfaden der Sprache zu verweisen (linguistic 
turn), in eine unakzentuierte Nähe zu konservativen Denkern, die einen 
besonderen Wert auf die Bedeutungskraft einer „Politischen Theologie“ legen. 
Unter diesen Denkern firmieren insbesondere Hermann Broch, Ernst Jünger und 
Carl Schmitt. In seinem Buch „Die Legitimität der Neuzeit“ (1966) widmet er 
innerhalb des Säkularisierungsabschnitts (erster Teil des Buches) das achte 
Kapitel der „Politischen Theologie I und II“, ausgehend von Thomas Hobbes und 
hinführend zu Carl Schmitt.

Carl Schmitt repliziert in seinem vier Jahre später erscheinenden Band 
„Politische Theologie II“ (1970) auf eben jenes umwälzende Kapitel, genauer 
gesagt auf Blumenbergs Infragestellung des Begriffs der Säkularisierung. 
Während Schmitt unter Säkularisierung die Zurückführung politischer Kategorien 
auf theologische beabsichtigt, ist Blumenberg davon überzeugt, dass die Neuzeit 
nicht in einer (mittelalterlichen) Schuld gegenüber dem theologischen Begriff 
der Säkularisation steht. Blumenberg bemüht sich den Übergang vom Mittelalter 
zur Neuzeit als eine epochale Wende verständlich zu machen und in diesem 
Kontext den Begriff der Epochenwende (im vierten Teil von „Die Legitimität der 
Neuzeit“) durch eine genaue Untersuchung der Geburtsrhetorik neuzeitlicher 
Wissenschaft neu zu schreiben. Der Briefwechsel reagiert also auf ein Buch, das 
Jahre zuvor erscheint.

Es hätte zu einer Konfrontation von erheblicher Tragweite kommen können. Doch 
der schon quantitativ überschaubare Briefwechsel ist auch in seiner Qualität 
unzureichend. Zunächst noch zeigen sich höflich ausgetragene Differenzen – bis 
hin zu einer äußersten dezenten Korrektur Carl Schmitts von Hans Blumenbergs 
Verwechslung der Goethe’schen Marienbader mit der Karlsbader Elegie. Später 
kommt es nur noch zum freundlichen Austausch von Selbstverfasstem, von 
Glückwünschen und Grüßen. Das liegt vielleicht an dem lebensnahen Umstand, dass 
die beiden Briefpartner zweiunddreißig Jahre auseinanderliegen. Der eine ist zu 
Beginn der Korrespondenz einundfünfzig und steht mitten im akademischen Leben, 
der andere ist dreiundachtzig Jahre und ordnet seinen Nachlass.

Blumenberg publiziert ein umfangreiches und schlagkräftiges Buch nach dem 
anderen: 1966 „Die Legitimität der Neuzeit“ (in der auf die Politische 
Theologie Carl Schmitts zu sprechen kommt), 1975 „Die Genesis der 
kopernikanischen Welt“ (in der Carl Schmitt keine Rolle spielt), 1979 „Arbeit 
am Mythos“ (wo er sich erneut der Politischen Theologie widmet). Noch zuwenig 
beachtet erscheinen bereits 1971 die beiden Arbeiten „Wirklichkeitsbegriff und 
Wirklichkeitspotential des Mythos“ und „Beobachtungen an Metaphern“, die nicht 
zuletzt in das Buch „Arbeit am Mythos“ (1979) einmünden.

Carl Schmitt selbst veröffentlicht 1970 mit „Politische Theologie II“ sein 
letztes Buch. In den folgenden Jahren ist er mit Neuausgaben und Neuauflagen 
beschäftigt: 1974 erscheint die zweite Auflage von „Nomos der Erde“ (zuerst 
1950) und 1979 die dritte Auflage von „Politische Theologie I“ (zuerst 1922). 
In seinem siebenundneunzigsten Lebensjahr stirbt Carl Schmitt am 7. April 1985. 
Den letzten Brief an Blumenberg schreibt er – höflich und belanglos – am 25. 
Juli 1978. Hans Blumenberg stirbt am 28. März 1996 im sechsundsiebzigsten 
Lebensjahr. In seinen späteren Büchern werden Carl Schmitt und sein Werk nicht 
weiter erwähnt.

Das ist das Traurige an diesem Briefwechsel, dass beide Briefpartner nicht den 
Schritt zu den Abenteuern des Geistes vollziehen. Aus welchen Gründen auch 
immer bleibt die Korrespondenz lückenhaft, bruchstückhaft, höflich und 
respektvoll. Es stellt sich die Frage, ob Blumenberg – der ja den postalischen 
Weg nach Plettenberg sucht – tatsächlich aus Gründen der Zeitökonomie nicht 
weiter korrespondiert oder ob ihm die dunkle Vergangenheit Carl Schmitts 
störend erscheint. Im Nachlass finden sich wenige Aufzeichnungen zu Carl 
Schmitt. Sie sind ausdrücklich nicht vom Autor zu Lebzeiten berücksichtigt, 
geschweige denn sollten sie posthum veröffentlicht werden. Es sind unfertige 
Gedankengänge, Notizen, Stichworte und Überlegungen, die besser nicht Eingang 
in den Appendix dieses Briefbandes gefunden hätten.

Grundsätzlich ist Henning Ritter zuzustimmen, der in seiner Besprechung des 
Bandes (F.A.Z. vom 10.10.2007) schreibt: „Jeder Editor, so taktvoll er auch 
verfahren mag, kommt hier in die Rolle der Elisabeth Förster-Nietzsche. Auch 
wenn er nicht fälscht, greift er doch in die Absicht der Texte ein.“ In der Tat 
sollte der Blumenberg-Nachlass ruhen, nachdem ja nun schon vier Nachlassbände 
durch Manfred Sommer veröffentlicht wurden: 1999 „Goethe zum Beispiel“, 2000 
„Die Verführbarkeit des Philosophen“, 2002 „Zu den Sachen und zurück“ und 2006 
„Beschreibung des Menschen“. Aber Blumenberg scheint sich für den Suhrkamp 
Verlag gut zu verkaufen, sonst würde dieser behutsamer vorgehen, denn 
zeitgleich mit der Korrespondenz von Blumenberg mit Carl Schmitt erscheint auch 
ein Buch über Ernst Jünger, ebenfalls von den Herausgebern Alexander Schmitz 
und Marcel Lepper verantwortet.

Im Frühjahr erschien bereits der aus dem Nachlass von Anselm Haverkamp 
herausgegebene Blumenberg-Band „Theorie der Unbegrifflichkeit“. Im Herbst nun 
auch noch „Der Mann vom Mond. Über Ernst Jünger“. Ein halbes Jahr vor den 
Feierlichkeiten zum 10. Todestag von Ernst Jünger am 17. Februar 2008 liegt es 
jetzt schon vor.

Der 186 Seiten starke Band versammelt – gegliedert in neun Kapitel – gesamt 
achtundvierzig (kleine und kleinste) Texte zu Ernst Jünger. Im Schnitt ist 
jeder (hier großzügig gesetzte) Text drei Seiten lang. Schon die Länge der 
Texte lässt das Fragmentarische respektive Unfertige erkennen; es handelt sich 
eben um Paralipomena (Reste), die der Autor mit Sicherheit nicht so zur 
Veröffentlichung freigegeben hätte. Auch der hilflose Versuch der Herausgeber, 
hier zu ordnen und zu konstituieren, zeigt nur deren Scheitern, hier ein 
Ernst-Jünger-Buch aus der Hand von Hans Blumenberg konstruieren zu wollen.

In ihrem Nachwort, das allenfalls als editorische Notiz zu bezeichnen ist, 
erwähnen die Herausgeber, dass diese Texte in der Zeit von 1949 bis 1995 
entstanden sind. Beide machen einen besonderen Reiz dort aus, wo sie den 60. 
Geburtstag Ernst Jüngers (1955) und den 100. Geburtstag verorten. Ja, Hans 
Blumenberg nimmt davon jeweils Kenntnis und schreibt ein paar Zeilen dazu. 
Allerdings bedeutet das vorliegende Buch auch nur eine Auswahl, denn „die 
Herausgeber haben sich entschieden, die Zusammenstellung […] ohne Anspruch auf 
Vollständigkeit zu ergänzen“. Denn die vorliegende Ausgabe „greift an dieser 
Stelle aus Relevanzgründen einer systematischen und vollständigen Edition der 
Konvolute vor, welche noch zu leisten sein wird“.

Was immer auch diese Relevanzgründe sein sollen – sie werden weder benannt noch 
ausgeführt –, es bleibt nun zu befürchten, dass demnächst mit einer 
Miszellen-Schwemme aus dem Hause Blumenberg (oder Suhrkamp) zu rechnen sein 
wird. Insgesamt sind beide Bände enttäuschende Produkte eines unangebrachten 
Marketing-Denkens und zugleich zweifelhafte Ergebnisse zu schnell produzierter 
und äußerst fragwürdiger Editionen.

Von Michael Fisch

Literaturangaben:
BLUMENBERG, HANS / SCHMITT, CARL: Briefwechsel 1971-1978 und weitere 
Materialien. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Alexander Schmitz und 
Marcel Lepper. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 310 S., 14 Abb., 22,80 
€.
BLUMENBERG, HANS: Der Mann vom Mond. Über Ernst Jünger. Hrsg. u. mit e. 
Nachwort von Alexander Schmitz und Marcel Lepper. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am 
Main 2007. 186 S., 19,80 €.

Verlag

    * Suhrkamp


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