Liebe Jünger-Freunde,

nachstehende Rezension von A.Pschera erschien am 12. Januar in der Würzburger 
Die Tagespost.
Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw



http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=37311

Die Beschreibbarkeit der Welt. Hans Blumenberg fragte nach – auch bei Ernst 
Jünger
Die Tagespost vom 12.01.2008
Von Alexander Pschera

„In der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts ist kaum eine überraschendere 
Konstellation denkbar als die zwischen Hans Blumenberg und Ernst Jünger.“ 
Vielleicht sollte man es tatsächlich vermeiden, Klappentexte zu lesen, vor 
allem dann, wenn sie ein Buch einleiten, das vom genauen Schreiben und vom 
genauen Lesen handelt und das zudem präzisen editorischen Prinzipien gehorcht.

Aber aufschlussreich ist ein solcher Klappentext allemal, weil sich in einem 
solchen Satz wieder einmal die Haltung des eingeölten Ressentiments ausspricht, 
aus der heraus man sich hierzulande immer noch Jünger zu nähern müssen glaubt. 
Denn abgesehen davon, dass – wenn auch marginal eingegrenzte – superlativische 
Aussagen über intellektuelle „Konstellationen“ eines beliebigen Jahrhunderts 
von sich aus fragwürdig sind, ist die Einschätzung der Konstellation 
„Blumenberg–Jünger“ als ultimative Gegenüberstellung schon mehr als kurios und 
lässt unverhohlen die Auseinandersetzung Blumenbergs mit Jünger als einen 
mutigen Tabubruch erscheinen, als ein überraschendes, großzügiges, ja 
schulterklopfendes Hineinnehmen Jüngers, dessen Werke, so wieder der 
Klappentext, „zwischen Nationalbolschewismus und Postmoderne oszillieren“, in 
den Kreis der Unbedenklichkeit, um nicht zu sagen: in die streng überwachte und 
bestens gehütete Zone der Korrektheit.

Beute an Bedeutsamkeit

Zum einen unterschätzt eine solche Aussage, der man das gesträubte, aber gleich 
wieder glattgebügelte Nackenhaar bei der bloßen Nennung des Namens „Jünger“ 
förmlich ansieht, die Bedeutung Ernst Jüngers, der nach dem Krieg und bis in 
die sechziger Jahre hinein eben doch ein Fixpunkt der Intelligenz war, mit dem 
man sich auseinanderzusetzen hatte. Und zweitens liegt es auf der Hand, dass 
ein Philosoph wie Hans Blumenberg, dessen Hauptthema das Verhältnis von „Welt“ 
und „Bild der Welt“ war, auf einen Autor wie Ernst Jünger zurückkommen musste, 
dessen Leben als Versuch erklärbar ist, die Welt eben gerade nicht „erklärbar“, 
sondern beobachtbar, lesbar und beschreibbar zu machen. Wer, wie Blumenberg, 
das Werk von Goethe, Fontane, Hebel, Schnitzler, Thomas Mann, Benn und Valéry 
nach der Beschreibbarkeit der Welt befragte, der musste, früher oder später, 
seine Fragen auch an Jünger richten.

Hans Blumenberg, der Jünger übrigens niemals persönlich begegnet ist und mit 
ihm auch nicht in Korrespondenz stand, hat das getan, wie nun ein Band von 
Texten aus dem Nachlass des Philosophen zeigt. Sowohl der Titel des Buches als 
auch die Zusammenstellung und Anordnung der Texte in neun Themengruppen sind 
ein Werk der Herausgeber. Man darf also nicht auf eine zusammenhängende 
Reflexion spekulieren. Die Texte Blumenbergs wurden unterschiedlichen 
Nachlassschichten und Manuskriptmappen entnommen und entstammen dem Zeitraum 
zwischen 1949 und 1995. Es finden sich darunter Vortragstyposkripte, 
Zeitungsartikel und ausführlichere Notizzettel. Es ist also ein disparates 
Konvolut, das hier aufbereitet wurde, das allerdings auch von einer 
kontinuierlichen Beschäftigung mit Jünger zeugt.

Am Anfang dieser Beschäftigung steht schlicht und ergreifend die Faszination, 
die die Lektüre Jüngers ausübt. Blumenberg spart hier nicht an Superlativen. So 
gilt ihm Jünger als „der wichtigste Tagebuchschreiber des 20. Jahrhunderts“. 
Vor allem das späte fünfbändige Diarium „Siebzig verweht“ hat es ihm angetan: 
Jünger habe „in den Tagebüchern aus seinem achten Jahrzehnt mehr Zutrauen zu 
seinen Funden, seinen Einblicken und Durchblicken, seiner Beute an 
Bedeutsamkeit eintreiben können als mit allem Früheren. (...). Die späten 
Reisenotizen gehören zum Kostbarsten der Gattung. Auch der Skeptiker gegen 
alles Jüngerische wird da hereingezogen und mitgerissen“. Dem „Arbeiter“ – für 
viele schon fast mehr „Problem“ als „Buch“ – spricht Blumenberg die gleiche 
expressionistische Intensität zu wie Heideggers „Sein und Zeit“. Und selbst das 
erzählerische Werk Jüngers weiß Blumenberg partiell zu schätzen: „Auf den 
Marmorklippen“ sei Jüngers „bedeutendstes Werk, fast eine vollendete Dichtung“ 
– wenn Blumenberg auch „Heliopolis“ für „auf geradezu peinliche Weise 
misslungen“ hält, weil Jünger ein „phantasiearmer Autor“ sei, der „Zutaten“ 
benötige.

Diese „Zutaten“ findet Jünger im „Universum seiner „Aufzeichnungen“. Jüngers 
Texte sind für Blumenberg mithin weniger Erdachtes und Erschriebenes, also: 
Finalisiertes, als vielmehr „Durchblicke“, die für den Philosophen ihr Ende 
naturgemäß nicht in sich tragen, sondern durchlässig sind auf ein Dahinter. 
Diese Texte liegen wie eine transparente, aber strukturierte Schicht über dem 
Seienden, das Jünger, im Gegensatz zum heimatverwurzelten Heidegger, 
umgetrieben habe (Blumenberg: „Das Sein beruhigt, das Seiende treibt um“, S. 
37). Blumenberg wandelt bei seiner Jünger-Lektüre gleichsam über einen 
zugefrorenen See, durch dessen Eisschicht – Jüngers Optik – er hinabschaut. Es 
ist also eine Beobachtung der Beobachtung, die sich hier abspielt. Beispiel 
„Marathon“: Hier beobachtet Blumenberg Jünger genüsslich und gleich in mehreren 
Fassungen dabei, wie er (in „Siebzig verweht“) in einem Pariser Bistro einen 
Flipper-Spieler beobachtet, der sein Spiel mit einem „Marathon“ vergleicht, was 
Jünger wiederum zu einem Gedanken über den in der Technik von Anfang an 
verborgenen Sinn antreibt, der darin bestünde, Arbeit und Spiel 
ununterscheidbar zu machen. Blumenberg beschreibt diese Szene zunächst von 
höchster Warte als Beispiel für eine „Begegnung alter Leute mit technischem 
Gerät“, deren Evolution sie nicht mitbekommen haben und dem sie ebenso 
großäugig gegenüberstehen wie ein Buschmann einem Auto.

Offenheit der Texte

Dann aber bewundert er, gleichsam eine Warte tiefer, die „Dezenz, mit der 
Jünger sich die kleine Szene gönnt, in der er derjenige ist, der recht behalten 
hat“, weil er ebendieses Sich-Enthüllen des verborgenen Sinns der Technik schon 
ein halbes Jahrhundert vorher im „Arbeiter“ analysierte. Jetzt ist Jünger 
derjenige, der den Übergang herstellt und Kontinuität verbürgt. Blumenberg 
kommt dann aber wieder auf seine erste Prämisse zurück, indem er feststellt, 
dass Jüngers Ableitung „eine zu dürftige Vorstellung von den Möglichkeiten“ der 
Technik enthalte, die nämlich, so Blumenbergs Denkansatz, über jene bloße 
Identität von Arbeit und Spiel, die Jünger 1932 entwickelte, hinausginge und in 
der Simulation der Wirklichkeit und des Erlebnisses durch die Technik gipfeln 
würde, was nun seinerseits Blumenbergs finale These zum Wirklichkeitsbegriff 
repräsentiert.

Diese hermeneutische Bewegung des Blumenbergschen Textes ist bezeichnend. Denn 
so wie hier spüren viele seiner Jünger-Glossen dem Nicht-Finalen, 
Nicht-Zuende-Gedachten oder nicht zuende Denkbaren in Jüngers Beobachtungen 
nach, auch wenn Jünger sie final gemeint und als zu Ende gedacht eingeschätzt 
haben sollte. Blumenberg kann die dabei sich ergebende „Verschmelzung durch 
Kompression“ und den Einfall der Abstraktion in die Deskription gelassen als 
Stilmerkmale Jüngers anerkennen und bewundern, auch wenn er Jünger bescheinigen 
muss, die Probe einer „realen, einer ins Politische eingreifenden 
Verbindlichkeit“ und damit die Legitimation einer echten Aussage nicht zu 
bestehen. Und er kann das deshalb, weil er die prinzipielle Offenheit dieser 
Texte auf seiner Seite weiß.

Heidegger hat dies in seinen Jünger-Papieren knapper formuliert: Jünger sei ein 
Beobachter, aber eben kein Denker. Blumenberg ist da vorsichtiger – und 
gerechter. Denn, so weiß er genau, ohne die Voraussetzung des Beobachtens 
bleibt Denken wirklichkeitslos.

Hans Blumenberg: Der Mann vom Mond. Über Ernst Jünger. Herausgegeben von 
Alexander Schmitz und Marcel Lepper, Suhrkamp Verlag, 186 Seiten, EUR 19,80


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