Liebe Jünger-Freunde,

in der am Freitag erscheinenden Ausgabe der "Jungen Freiheit" (Nr. 
04/08,18.Jan.08) komnt nachstehende Rezension von A.Pschera zu A.Geyers 
FGJ-Biographie. Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw



S. 15 LITERATUR

Im Schatten des großen Bruders
Andreas Geyers Monographie zu Friedrich Georg lädt zur Wiederentdeckung des 
Bruders von Ernst Jünger ein
Alexander Pschera

Während es um Ernst Jünger immer lauter wird, verklingt der Name seines Bruders 
Friedrich Georg langsam im Nichts. Ja man kann fast schon sagen, er sei ein 
Vergessener, jener Friedrich Georg, der drei Jahre nach Ernst am 1. September 
1898 geboren wurde und mit Ernst fast achtzig Jahre in symbiotischer Existenz 
lebte.

Die biographische und denkerische Nähe erstreckt sich von der Kindheit in der 
„Villa Jünger“ in Rehburg am Steinhuder Meer über das Schlachtfeld vor Ypern, 
das die Brüder in einem schicksalshaften Erlebnis zusammenschweißt, über die 
Jahre der inneren Emigration bis hin zur Nachbarschaft der alten Herren im 
Oberschwäbischen zwischen Überlingen und Wilflingen. Immer wieder hat Ernst 
Jünger betont, wie wichtig – menschlich wie intellektuell – ihm sein Bruder 
war. Auch ahnte Ernst voraus, daß das Werk des Bruders in den Schatten des 
eigenen zu geraten drohte. Die Voraussetzungen für eine Beschäftigung mit dem 
Werk Friedrich Georgs wären zwar gegeben. Das Œuvre liegt in einer – allerdings 
unzureichenden – Teilausgabe im Klett-Cotta-Verlag vor. Dennoch ist es eine 
Tatsache: Friedrich Georg liest heute kaum einer mehr, weder zum privaten 
Vergnügen noch aus akademischer Neugier.

Warum dem so ist, darüber kann man spekulieren. Vielleicht besteht das 
Schicksal von dichtenden Brüderpaaren eben ganz einfach darin, daß, wenn sie 
nicht als Kollektiv schreiben, wie dies zum Beispiel die Brüder Goncourt getan 
haben, nur einer von beiden nachhaltig im Bewußtsein der Allgemeinheit 
verbleibt (wer liest eigentlich noch Heinrich Mann?). Bruder eines Großen zu 
sein, heißt eben auch, im Schatten dieses Großen zu stehen. Bei Friedrich Georg 
spielt allerdings auch der Intellektuellen-Typus eine Rolle, den dieser Autor 
repräsentiert und der einer anderen Zeit anzugehören scheint. Friedrich Georg 
war ein konservativer, formbewußter, sentimentalischer, ja im Dichterischen 
durchaus auch epigonaler Geistesaristokrat, der viel mehr der „Zeit“ verhaftet 
war als sein Bruder Ernst. Bei Ernst Jünger, dem, wie Hans Blumenberg sagte, 
„wichtigsten Tagebuchschreiber des 20. Jahrhunderts“, ist und wird alles 
Gegenwart. Friedrich Georg, der Phänomenologe der antiken Mythen und 
archaischen Versmaße, der Erinnerer der Kindheit, wurzelt viel stärker im 
Vergangenen, auf das er mit Wehmut zurückblickt, um dieser Wehmut dann lyrische 
oder erzählerische Gestalt zu verleihen. Aus diesem Blickwinkel schrieb er auch 
zwei Autobiographien („Grüne Zweige“, 1951; „Spiegel der Jahre“, 1958), die 
übrigens ein guter Einstieg in das Doppel-Leben der Jünger-Brüder sind.

Doch es gibt ja zum Glück die Gedenkjahre. So wurde 2007 Friedrich Georg 
Jüngers dreißigsten Todestages gedacht. Der Wiener Karolinger-Verlag, bekannt 
für zahlreiche mutige editorische Projekte von Dávila über Mosebach (hier 
erschien die ursprüngliche Fassung der „Häresie der Formlosigkeit“) bis zu Bloy 
und Céline, nahm dies zum Anlaß, die erste Monographie zum „kleinen Jünger“ auf 
den Markt zu bringen. Das materialreiche Buch, das eine Reihe schöner, bislang 
unveröffentlichter Fotos enthält, zeichnet den intellektuellen Weg Friedrich 
Georg Jüngers quellennahe nach und begnügt sich dabei keineswegs mit einer 
bloßen Nacherzählung. Plausibel arbeitet Andreas Geyer heraus, was ein Grund 
für die Unterkonturiertheit Friedrich Georgs sein könnte: Die Faszination für 
Ernst Jünger besteht in seinem intellektuellem Heldentum, das Jünger auch 
„heroischen Realismus“ nennt. Dieser Realismus stellt sich offen gegenüber dem 
Fremden auf.

Bei „FGJ“ ist das anders: Das Leitmotiv in Friedrich Georgs Werk ist, das zeigt 
Geyer durch genaue Lektüre des Gesamtwerks, das so noch niemand vor ihm im 
Zusammenhang gelesen und beschrieben hat, die „Heimholung des Unheimlichen“. 
Und dieses Unheimliche offenbart sich Jünger im Neuen und Fremden. Sein 
literarisches Schaffen läßt sich aus der Motivation heraus erklären, dieses 
Fremd-Unheimliche sich anzueignen. Ernst Jünger hätte es als Fremdes 
beschrieben, hätte sich ihm bis an die Grenzen des Schmerzes und des Nihilismus 
ausgesetzt. Friedrich Georg weicht dem Schmerz aus und bindet das Fremde an 
Traditionen, an Bekanntes, an bereits Erfahrenes zurück. Das ist selbstredend 
weniger spektakulär. So läßt sich erklären, daß neben Ernst Jüngers 
kristallinem Realismus, der eine neue Position in der deutschen Literatur 
etablierte, sich Friedrich Georgs dichterische und essayistische Heimholungen 
harmlos ausnehmen.

Dies sagt aber noch ganz und gar nichts über die Qualitäten des Werks aus. 
Andreas Geyer kann zeigen, daß viele Texte Friedrich Georgs zu Unrecht 
vergessen sind. Er arbeitet dabei sechs Werkphasen heraus. Die frühen Jahre der 
nationalistischen Publizistik erlebte Friedrich Georg zusammen mit seinem 
Bruder Ernst. Aus dieser Zeit kennt der gelegentliche FGJ-Leser höchstens den 
martialischen „Aufmarsch des Nationalismus“ (1926), den Ernst Jünger herausgab, 
oder den polemisch angelegten Fotoband „Das Gesicht der Demokratie“ (1931). 
Andreas Geyer hat jedoch in den Archiven gegraben und Texte Friedrich Georgs 
ans Tageslicht befördert, die diesen auf einem weitaus radikaleren Posten als 
seinen Bruder zeigen (so in den „Aphorismen der Dreikanter“, 1928), wobei 
dieser Radikalismus so gar nicht zum weichen Profil des jüngeren Jünger passen 
will und sich wohl nur als trotzige Übersteigerung und rhetorische Geste deuten 
läßt.

Die zweite Werkphase erstreckt sich von 1934 bis 1940. Es sind dies die Jahre 
der inneren Emigration, in denen Friedrich Georg vor allem mit seinem 
regimekritischen Gedicht „Der Mohn“ auf sich aufmerksam machte – Thomas Mann 
schrieb dazu am 30. November 1934 lobende Bemerkungen in seinem Tagebuch. Die 
dritte Werkphase, die Jahre des Krieges, sind gekennzeichnet durch eine 
Rückwendung zur Antike und durch eine Hinwendung zur Technik – zwei Bewegungen, 
die sich im Sinne der „Heimholung des Unheimlichen“ überkreuzen. 1939 entstand 
mit „Die Perfektion der Technik“ auch ein Hauptwerke (veröffentlicht 1946).

Nach dem Krieg – die vierte Werkphase des „Neubeginns“ erstreckt sich bis 1950, 
die fünfte umfaßt die Jahre zwischen 1950 und 1968 – ist FGJ 1 drauf und dran, 
zu einem der Vorzeige-Intellektuellen Deutschlands zu werden. Er erhält 
zahlreiche literarische Preise und referiert neben Heisenberg und Heidegger zu 
Fragen der Philosophie der Technik. Doch die Welle des Aufbruchs in der 
Literatur der sechziger Jahre rollt über ihn hinweg und spült ihn als Fossil an 
die Küste. In den Siebzigern ist er schon ein Unzeitgemäßer. Das Spätwerk – die 
in der Formulierung ökologischer Fragestellungen visionäre Zeitschrift 
Scheidewege. Vierteljahresschrift für skeptisches Denken (ab 1971), der Roman 
„Heinrich March“ (Geyer nennt ihn treffend die „Jüngerschen Buddenbrooks“) oder 
die späte Odyssee-Übersetzung zählen hierzu – ist hochinteressant und 
vielgestaltig, aber war schon damals kaum mehr als ein Geheimtip.

Geyers Arbeit hat den großen Vorzug, erstmals das Werk Friedrich Georg Jüngers 
zusamenhängend darzustellen, die Technikreflexion, die Mythen-Analyse, die 
lyrische Verdichtung, die erzählerische Eleganz und den „grünen“ Skeptizismus 
aus einem Grundmotiv heraus zu erklären. Das Buch ist detailgenau und 
quellennah, hat aber immer den Blick fürs Ganze. Das Biographische kommt 
sicherlich viel zu kurz. Der Leser erfährt kaum mehr als das, was er in den 
Autobiographien lesen kann. Aber das Buch heißt im Untertitel ja auch „Werk und 
Leben“ und nicht „Leben und Werk“.

Der größte Vorzug der Monographie ist, eine Vielzahl von Lesewegen zu FGJ 
aufzuschließen. Fragte man den Rezensenten, dann würde er einen Seitenweg 
nennen: Friedrich Georg Jüngers Versschule „Rhythmus und Sprache im deutschen 
Gedicht“ (1952). Sie gehört zum Besten, was über Metrik und Versmaß jemals 
geschrieben wurde. Also los: FGJ lesen!

Andreas Geyer: Friedrich Georg Jünger. Fremdheit, Technik, Wiederkehr. Werk und 
Leben. Karolinger Verlag, Wien 2007, broschiert, 320 Seiten, 26 Euro


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