Mit all dem was Juenger in seinem Leben geschrieben und getan hat, die 
Journalisten haben nichts wichtigeres zu tun als sich mit den Klebestreifen zu 
kümmern? Bitte, beschäftigt euch mit den Inhalt seines Werkes lieber!

Simon F


----- Weitergeleitete Mail ----
Von: Tobias Wimbauer <[email protected]>
An: Jünger-Rundbrief <[email protected]>
Gesendet: Freitag, den 7. November 2008, 13:21:01 Uhr
Betreff: [Jünger-Rundbrief] 07.11.08 Süddeutsche Zeitung: Streiflicht über 
Jünger

Liebe Jünger-Freunde,

im "Streiflicht" befasst sich die Süddeutsche Zeitung heute mit der 
Jünger-Nachlass-Problematik. Siehe unten.

Beste Grüsse rundum,
Ihr / Euer
tw

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Süddeutsche Zeitung, Nr. 259 vom 7. November 2008, Seite 1


(SZ) Was hat nicht alles schon an Ernst
Jünger geklebt: das Etikett des Faschistoiden
sowieso, Blut natürlich auch  vorzugsweise
an seinen Händen, schließlich
hat der Mann in zwei Weltkriegen gekämpft.
Was noch? Diverse Jünger-Jünger
von Hochhuth über Castorf bis hin zu
Arnulf Baring klebten an seinen Fersen,
respektive Ohren, und natürlich der Orden
Pour le Mérite: der klebte majestätisch
wie ein Admiralsfalter auf der
Brust des uralten Mannes. Übrigens sah
Herr Jünger am Ende seines unfassbar
langen Lebens außerordentlich gut aus:
Er glich einem großen alten Kreidefelsen,
in den sich das vergangene Jahrhundert
gefressen hat wie der Käfer in die Eichenrinde.
Damit sind auch schon zwei Größen definiert,
die mithelfen, das immens weite
biographische Feld Ernst Jüngers abzustecken:
das zwanzigste Jahrhundert, an
dem der Mann von Anfang bis Ende teilnahm,
sowie die wimmelndeWelt der Insekten,
die Jünger seit seinem vierzigsten
Lebensjahr sammelte und deren Kadaver
er liebevoll katalogisierte, indem er
sie teils in Schaukästen legte, teils aber
auch auf Manuskriptseiten klebte  und
zwar mit Tesafilmstreifen. Jünger wendete
die Tesafilmmethode nicht nur auf Käfer
an, sondern befestigte auch niedere Insekten
sowie Blüten, Blätter und Farne
auf diese Art. Zum Beispiel hatte er einmal
das Gefühl, das Manuskript seines
Romans Die Zwille sei in einer Lederschatulle
zwar schon kolossal gut aufgehoben,
fände aber eine noch komfortablere
Lagerstatt, wenn auf der Schatulle
auch ein Hanfblatt kleben würde. Jünger
riss mit einem Husarenstreich einen
Streifen Tesa ab und fixierte den Farn
auf dem Leder wie der Feldmarschall
den Schlachtplan an der Barackenwand.
Die verständigen Hände, welche das
Deutsche Literaturarchiv in Marbach
ordnen, müssen gerade beim Blättern in
Jüngers Nachlass feststellen, dass einige
der Papiere dermaßen verklebt sind, dass
man sie jetzt ums Verrecken nicht mehr
auseinanderkriegt. Das ist die Wahrheit,
aber nur die halbe. Tatsächlich verhält es
sich nämlich so, dass ein ganzer
Schwung von Nachlässen im Archiv heillos
mit Tesafilm zusammengepappt ist.
Oh Gott, was habt ihr bloß angestellt,
Herr Böll, Herr Andersch, Frau Bachmann,
Frau von Kaschnitz? Natürlich
müssen Romane aus zusammenhängenden
Kapiteln bestehen, das ja. Gedichte
sollen bündig daherkommen und schön
gefügt sein, selbstverständlich. Aber so
etwas macht man doch mit Sinn und
Formverstand und auf gar keinen Fall
mit Tesafilm. Wegen euch muss sich jetzt
in Marbach eine Forschungsgruppe mit
dem Einfluss des Tesafilms auf die Dichtkunst
beschäftigen. Dass die deutsche Literaturgeschichte
traditionsverliebt ist,
wussten wir schon. Dass aber alles dermaßen
mit allem zusammenhängt, ist
jetzt doch wieder ganz interessant.

-- 
Tobias Wimbauer | Wimbauer Buchversand
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