Wien ist over. Gehe hiermit ins Exil bevor mir hier noch übler wird. unsubscribe
das ende der nahrungskette schrieb: > Globalisierungskritik, wie weiter? Antwort#25 > > http://www.berlinergazette.de/?p=490 > > Ich glaube, die G-8-Proteste sind, wie erwartet, > wieder verebbt, und mir kam das ohnehin so vor, > als ginge es dabei mehr um so eine Art > Festspielcharakter, der da von allen Seiten > ausgelebt wurde. Ich bin, was die Wirkungen > dieser Protestform betrifft, ehrlich gesagt > skeptisch, ohne dass ich das jetzt als Haeme oder > klammheimliche Freude des > weltverhaeltnissefrustrierten Altlinken gelesen > wissen moechte. Die Anti-Globalisierungs-Bewegung > hat sich halt bewiesen, dass es ihr um > gesellschaftliche Verantwortung zu tun ist so > als Haltung und Identitaetsmoment und als Verantwortung. > > Und dafuer gibt es natuerlich die erhofften > Paradiespunkte und eine Handvoll > Extrajungfrauen/-maenner im Jenseits. Reale > Veraenderungen vielleicht so gar noch in den > grossen politischen Dimensionen standen da fuer > mich aber nie im Horizont. Zumindest nicht in > einer greifbaren, falsifizierbaren Form. Was > nicht den Leuten und ihren Aeusserungsformen im > Einzelnen und im Besonderen angelastet werden > soll, eher schon dem, was frueher mal >das > System< genannt wurde aber auf mich hat das > [allerdings zugegeben: aus der Ferne] gewirkt wie Protestroutine. > > Irgendwie traurig in seiner selbstgenuegsamen > Ohnmacht mit gelegentlichen kalkulierbaren > Ausbruechen [Schwarzer Block]. Eventuell koennte > dabei aber herausgekommen sein, dass sich fuer > Einzelne die Frage gestellt hat, am anderen Ende > des zu durchlaufenden Prozesses, worin der Grund > fuer diese Handlungsunfaehgikeit besteht > zumindest bei denen, die nicht eh bloss ein > bisschen saekularisierten Kirchentag spielen > wollten und dafuer ein gutes Gefuehl eintauschen: > naemlich auf der richtigen Seite zu stehen [das > alte Problem der Li[e]beralen...] Aber die gelten eh nicht! > > Generell waere es wohl sinnvoll, erstmal ein > brauchbares theoretisches > Framing/Setting/Ruestzeug auszuarbeiten, > innerhalb dessen und mit dem agiert werden kann, > oder eben auch: gefragt, denn dann wuerde es > vielleicht moeglich, im globalisierungskritischen > Rahmen auch strategische und politische Forderung > zu stellen und nicht bloss Michael Moore in Hunderttausender-Potenz zu sein. > > Von einem theroetischen Hintergrund aus lassen > sich auch die hinlaenglich bekannten Probleme von > Kollektivformen politischer Empoerung fassen, > begreifen und vielleicht sogar warum nicht das > auch mal zur Abwechslung: ueberwinden … Gehoeren > wuerde dazu natuerlich auch, sich mit den eigenen > antiimperalistischen Klischees > auseinanderzusetzen, die da oft wie tote Muecken > auf der Windschutzscheibe der Globalisierungskritik kleben. > > Oder ihr zumindest einsichtlich zu machen, dass > sie die laengst mit einem Grossteil des sich neu > erfunden habenden Deustchlands teilen muss, das > auch ein Stueck vom tollen Antiamerikanismus- und > Antikapitalismusklischee-Kuchen abhaben will > [Stichwort: Heuschrecken usw., Heiner Geisler, > CSU-Sozialpolitik] abhaben wollen. Weiters: der > verkappte Antisemitismus der > Globalisierungskritik, ihre heissgeliebten > Verschwoerungstheoreme und und und das alles > koennte in einem anders geframten Blickfeld auch > mal erfasst werden und nicht immer nur so mitzockeln. > > Wie die Kritik langfristig im Mittelpunkt des > Interesses bleiben kann? Da bleibt nur eins: Mehr > Kirchentage …! Nein, im Ernst: Das wird ihr nur > dann gelingen, wenn sie sich therotisches > Werkzeug zulegt, mit dem es ihr moeglich waere, > Vorgaenge in der Welt jenseits von > Stammtisch-Behauptungslogik zu verstehen, zu > erklaeren und also auch anzugreifen und dabei zu > treffen [und nicht immer meilenweit vorbei zu > schiessen]. Alles andere ist im Interesse der > Gegenseite, wer auch immer das eigentlich genau sein soll. > > Ich glaube, dass der Glaube an die Medien als > Agens von Veraenderung von vorneherein ein Teil > des Problems und nicht der Loesung ist. Medien > haben in der buergerlichen Gesellschaft die > Tendenz, sich an die Stelle politischen Handelns > zu schmuggeln und dieses zu ueberschreiben mit > ihren Medienproblemchen [also ihren > Luxus-Problemchen mit sich selbst], was sich ja > schon allein an der Existenz der Frage bezeigt, > ob Web 2.0 etwas zu veraendern vermag. Es geht > dann eigentlich nur noch um Web 2.0… Was > geaendert werden soll, wird aber kaum noch > gesagt, hoechstens noch mal kurz verschlagwortet. > > Der schwarze Block verstanden als > Arikulationsort und -art eines nicht schon > liberalistisch befriedeten Protestes spielt seit > jeher in den Medien eigentlich eine konstante > wichtige Rolle, die hoechstens mal zu- und mal > abnimmt [in dem Masse wie der Schwarze Block und > seine konkreten Formierungsanlaesse zu- und > abnehmen]. Er steht zwar fuer eine radikale > Kritik der Verhaeltnis [jenseits von Reform], die > er dann irgendwie meist eher ungluecklich in > reale Aktion zu transformieren versucht, aber > gerade dadurch spielt er eigentlich das Spiel der > Medien mit, und das nicht nur, weil die ja auf > ihn angewiesen sind, um titelseitenfaehige Demokriegszustandsbilder zu > kriegen. > > In diesem Spiel laesst sich der Schwarze Block > die Logik der buergerlichen Medien aufzwingen und > agiert in einem Setting, das von der Gegenseite > definiert wurde. Seine Subversion ist als > willfaehrige Repraesentation medialer > Subversionsklischees vielleicht nicht harmlos, > aber angepasst. Der Schwarze Block, zumal solange > er eher die Spielwiese von geschichtlich > verhinderten StrassenkaempferInnen ist anstelle > eines wirklichen Organes von Intervention, wird > also weiterhin medial bedeutsam sein fuer die > massenmediale Verwaltung/-mittlung des Demo-Guten und des Demo-Boesen. > > Der Schwarze Block haette aber aus seiner > faktischen Nichtpartizipation am buergerlichen > Diskurs und angesichts der radikalen Veroedung > der buergerlichen Intellligenz in Deutschland > durchaus die Chance, sich in subversiver Weise zu > intellektualisieren. Damit waere er dann auch > nicht mehr medial erfassbar, weil er sich in > einer Weise artikulieren koennte, die gar nicht > in deren Aufnahmegeraete passt. Wird aber nicht > passieren, zuviel Strassenkampfsport, zuviel Wut > und Empoerung und zuviel Identitaetsscheisse, da > wird man/frau nichts machen koennen… Bzw.: wollen. > > [Anm. d. Red: Der Autor ist Mitglied des Kuenstlerkollektivs monochrom] > > _______________________________________________ > netznetz.net mailing list > [email protected] > http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste > > _______________________________________________ netznetz.net mailing list [email protected] http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste
