Zur sozialen Lage der KünstlerInnen Dass die finanzielle Situation von Künstlerinnen und Künstlern nicht rosigist, wissen wir schon lange. Die Kunstsektion hat dazu eineumfangreiche Untersuchung in Auftrag gegeben. Und die ist seit Juli da.Das heißt, eigentlich ist sie noch nicht da. Weil sie nämlich vonClaudia Schmied unter Verschluss gehalten wird. Warumveröffentlicht die Ministerin nicht, was uns interessiert? Nun, weilauf 263 Seiten ein erschreckendes Bild gezeichnet wird, das allebisherigen Vermutungen dramatisch übertrifft. Der Report zeigt ganzklar, dass die soziale Situation der Kulturschaffenden katastrophalist. Und damit auch die Kulturpolitik.
Die Grünen sind an denBericht herangekommen. Als schlimmstes Ergebnis bei einer Stichprobevon 1700 Befragten kann die Einkommenssituation genannt werden. Trotzhohem Ausbildungsniveaus (73% akademisch, das ist exakt viermal höherals der österreichische Durchschnitt) verdient ein Drittel allerKulturschaffenden weniger als 700 ? pro Monat. Frauen verdienen sogarnoch weniger, nämlich 600 ?. Das ist beides weit unter derArmutsgrenze. Und noch dazu inklusive aller Nebenjobs, denennotgedrungen nicht voll nachgegangen werden kann, da sonst keine Kraftfür die Kunst bleibt. Kulturschaffende haben damit ein 5x höheresRisiko, arm zu werden, als der Durchschnitt der Erwerbstätigen. Ja,wir haben eine Kulturnation. Aber sie lebt von Kunstschaffenden, dieununterbrochen arbeiten, ihren Vorstellungen unabhängig vom Profitnachgehen und die mit Investitionen (speziell im Bereich der NeuenMedien) zudem ein hohes Risiko eingehen. Manch eine Autorin schreibtunter Umständen fünf Jahre an einem Roman, ohne zu wissen, ob sich daswirtschaftlich jemals trägt. Keine Berufsgruppe verfügt über derartunterschiedliche, unregelmäßige und unberechenbare Einkommen. Leistungenaus der Arbeitslosenversicherung entstehen daraus nicht. Dazu fehltfast immer die erforderliche Mindestanstellungsdauer. Dennoch wirdfleißig in die Versicherung eingezahlt. Mehr als ein Drittel derKulturschaffenden hat zudem große Lücken in der Durchgängigkeit derSozialversicherung und mehr als die Hälfte zahlt doppelt ein, weilgelegentliche kurze Anstellungen das erfordern. Die sogenannte"Künstlersozialversicherung" ist dabei so hilfreich wie einKopfwehpulverl, wenn Anämie diagnostiziert wurde. Sie ist ein Zuschusszur Pensionsversicherung, nicht mehr, und verdient daher ihren Namennicht. Aus alledem ergibt sich die wenig verwunderlicheUnzufriedenheit der Kunstschaffenden. Der Studie zufolge fühlt sichmehr als die Hälfte der Befragten unglücklich und - aufgrund vonniedrigem Einkommen und Angst vor der Zukunft - schwer gestresst. ImVergleich zur Gesamtbevölkerung sind das mehr als doppelt so viele. Verwunderlichbleibt, warum sich dennoch 17000 KünstlerInnen in Österreich diesem Losaussetzen. Sie bilden in Wahrheit jene verarmte Basis einerKulturnation, die mit ästhetischen Leuchttürmen oben drüber leuchtet.Und sie müssen leider als Role-models für den freien Arbeits- undKapitalmarkt herhalten. Solche Arbeitskräfte sind gesucht, die fürgeringes Honorar 52 Stunden pro Woche (laut Studie) hoch kreativarbeiten. Wir Grüne haben dagegen ein anderes Modell. Seit 2006liegt unser Gesetzesvorschlag zur Mindestsicherung derKulturschaffenden im Parlament. Er wurde bislang von keiner anderenPartei unterstützt. Wolfgang Zinggl
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