WÜRDEN WIR NEIN SAGEN?

Vernissage:

Heute 17. Oktober 2008, 19:00, Shultz, Siebensterngasse 31, 1070 Wien

Zur Eröffnung sprechen 

Mag. Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher Neubau, 

Manfred Lindner, IG der Kaufleute Kirchengasse und Siebensterngasse, 

Gilda Horvath, ORF Volksgruppenredaktion.

 

WÜRDEN WIR NEIN SAGEN? ist eine partizipative Ausstellungsinstallation zu 
Polemiken rund um das Thema Arbeit in einem Vergleich von NS-Propaganda und 
einem Blick auf Wien heute, veranstaltet von der Medienkünstlerin Alexandra 
Reill in Kooperation mit den Geschäftsleuten der Kirchengasse und 
Siebensterngasse: 

 

GRIECHISCHES SPEZIALITÄTENRESTAURANT ALEXIS . HOTEL ALTSTADT VIENNA . AT FIRST 
SIGHT . ELEKTRO ATZLER . BERFIN . BLUMEN SONJA SCHEIDL . CHICHO HÄNGEMATTEN . 
COLLI EXCLUSIVE SHIRTS . REISEBÜRO COLUMBUS-CONDOR . CONTINIS - ALT WIENER 
BUCH- UND GRAFIK-KABINETT . DISASTER CLOTHING . FLEUR-BLUMEN . GALERIE HOLZER . 
INTERNI TOSCANI . KARASAN . KINDERTRUHE . HERR UND FRAU KLEIN . KOSMOS THEATER 
. LOBO Y LUNA . BRILLEN GIOVANNI . CAFE MENTONE . EDELHAUSRAT NIESSNER . 
GLASEREI ORTNER INH. MICHAEL VLASIC . GALERIE PLANK . ATELIER POLLSIRI . 
BERUFSKLEIDUNG SCHNEPF . CAFÉ SIEBENSTERN . CAFÉ-BAR SHULTZ . SONTECH . STEMPEL 
HASLINGER SCHILDER . STEPPENWOLF . STIL-KONDITOREI . SU-RÉE SCHMUCKDESIGN . 
CAFFÉBAR TESTA ROSSA . VOM FASS . WARMUTH UND FRISEURE . ZAPATERIA .




Vergilbte Postkarten finden sich in den Geschäftslokalen in der Kirchengasse 
und in der Siebensterngasse in Wien Neubau neben den Kassen und werden von den 
Handelstreibenden bei jedem Kauf oder auch Gespräch an KundInnen verteilt - als 
Zeichen kritischer Stimme und Anregung zu eigener, aktiver Position, 
mitgenommen durch jede/n, der die Anregung annehmen möchte, der ein eigenes 
Zeichen kritischer Stimme für sich mitnehmen möchte. Die Kartenserie zeigt 
einen Vergleich der Argumente damals und heute ein und arbeitet diese als 
Zitatsammlung von medialen Eindrücken aus Zeitungen und TV in Bild und Wort auf.

 


Armut greift um sich, Arbeitslosigkeit steigt, Rezession und Wirtschaftskrise 
sind keine fremden Worte mehr. Die Berichterstattung in Tageszeitungen und TV 
berichten täglich darüber. Dazu kombiniert sich die Angst vor dem Fremden, vor 
den Fremden - nicht wirklich verschieden von Argumentationslinien aus der 
NS-Zeit, wo Slogan war, dass verhindert werden sollte, dass "die Mongolen 
kommen", wo "Überfremdung" grausames Schlagwort war - in einer Zeit, aus der 
tausendfach Fotos vorliegen, die hungernde Menschen, angestellt in langen 
Reihen vor Volksküchen und hungernd, oftmals obdachlos auf der Straße, selbst 
versehen mit umgehängten Schildern zeigen, die sagen: "Ich suche Arbeit".

 

Hier liegt aktuell wie in einem frühen Informationszeitalter gesellschaftliche 
Brisanz vor: Während der Entstehung der Arbeiterbewegung sahen die frühen 
Sozialdemokraten in »der Arbeit« den Grund allen gesellschaftlichen Reichtums 
und so fordern auch die heutigen »Arbeit für alle!«. Die »realsozialistischen« 
Akkumulationsregimes zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen [.] einen Schritt 
weiter und erhoben den Arbeitskultus zur Staatsreligion: »Wer nicht arbeitet, 
der soll auch nicht essen!«, so Lenin in Anlehnung an den Apostel Paulus. 
[...][1]

 

Spätestens, seit »Arbeit macht frei« über dem Tor des Vernichtungslagers 
Auschwitz prangte (und auch an den Eingängen weiterer Vernichtungslager), wo 
der Wahn des deutschen Arbeitsethos zur Vernichtung aller führte, die als 
»Nicht-Arbeitende«, als so genannte »Raffende« oder »Parasiten« projektiv 
stigmatisiert wurden, ist es geradezu notwendig angesagt misstrauisch zu sein, 
wenn »Arbeit« mit menschlicher Emanzipation per se gleichgesetzt wird.[2] 

 

So versteht sich das Projekt WÜRDEN WIR NEIN SAGEN? als Aufzeigen 
entsprechender Parallelen in historischen und aktuellen Argumentationslinien - 
in Zeiten, in denen Arbeit mehr und mehr verloren zu gehen scheint. In diesem 
Kontext versteht sich WÜRDEN WIR NEIN SAGEN? ebenso als Appell an Politik und 
Menschenrechte zur Sicherung von Wohlstand, sozialen Friedens und 
Weiterentwicklung von Demokratie. In einem Gedenken der NS-Opfer kann eine 
zeitgenössische Diskussion dieser Themen gleichzeitig einen nahezu zur Gänze 
fehlenden Widerstand nicht entschuldigen, selbst wenn die in den 30er Jahren 
hohe Arbeitslosigkeit und infolge großer Hunger und verbreitete Obdachlosigkeit 
zwar sicher Motivation für eine erhöhte Bereitschaft, Hitler zu folgen, bilden 
konnten. Doch zu entschuldigen ist der nahezu zur Gänze fehlende Widerstand 
noch heute nicht, insbesondere angesichts der Kolportation ähnlicher, wenn 
nicht gleicher, wenn nicht selbiger Polemiken rund um das Thema Arbeit, 
Wohlstand und Armut, Polemiken, die gesellschaftlichen Boden bereiten, dessen 
Züge nur allzu bekannt sind. 

 

Geschichtsbilder ebenso wie politische Einstellungen und Meinungen etablieren 
sich nicht von selbst, sie werden vermittelt, narrativ weitergegeben, entstehen 
durch Kommunikation und verändern sich im Laufe von Kommunikationsprozessen.[3] 

 

So ist Anliegen von WÜRDEN WIR NEIN SAGEN? in aktiver Kooperation mit 
Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden Kommunikationsprozesse zu befördern, die 
in einem Gedenken der Arisierungen 1938, die ja massiv auch in Wien Neubau 
angesiedelte Unternehmen betrafen, dazu beitragen, dass wir Nein sagen, wo Nein 
Demokratie, Menschenrechte und gleichberechtigte Zugänge zu gesellschaftlichen 
Chancen, zu Bildung, Arbeit und Wohlstand für sozial benachteiligte 
Bevölkerungsgruppen bedeuten kann.

 


Ausstellungsdauer: 

18. Oktober bis 18. November 2008

Vierwöchige partizipative Installation in den Geschäften der Kirchengasse und 
Siebensterngasse in Neubau, Ausstellungszentrale: Shultz an der Ecke 
Kirchengasse und Siebensternplatz

 

Unterstützung

Das Projekt kann mit der freundlichen Unterstützung der Kulturabteilung 
Wien/Bezirksaktivitäten 1070, der IG Kaufleute Kirchengasse und 
Siebensterngasse, dem Amerlinghaus Wien, dem Gastronomiebetrieb Shultz, der 
Galerie Plank und der NGO kanonmedia umgesetzt werden.

 

Konzept und Pressekontakt

Alexandra Reill

kanonmedia

call: 06991 820 70 03

mailto: [EMAIL PROTECTED]

visit: http://www.kanonmedia.com

 

Auf Anfrage stehen die Pressefotos und Sujets aus dem Projekt hoch auflösend 
zur Verfügung.

 

Produktion

kanonmedia, Wien 2008



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[1] Biene Baumeister, Aufhebung der Arbeit! - Bewahrung, Abschaffung oder 
sublimierende Überwindung?, in: Seltsamer Zusammenschluss, 
http://seltsamer-zusammenschluss.org/?p=112, 17/11/07, Aufruf 15/06/08

[2] Ibd.

[3] Gertraud Diendorfer/Petra Dorfstätter/Christiane Hintermann/Oliver 
Rathkolb, Dissonante Geschichtsbilder? Empirische Untersuchung zu 
Geschichtsbewusstsein und Identitätskonstruktionen von Jugendlichen mit 
Migrationshintergrund in Wien, Demokratiezentrum Wien, 2007

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kanonmedia
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